Die Mostäpfel sind geerntet, wie überall im Land. Foto: Pfeiffer

Mönsheim - Zahlreiche Besitzer von Streuobstwiesen aus dem Enzkreis haben sich am Wochenende in der Mönsheimer Mühle Decker und Mönch getroffen, um dort ihr kontrolliertes Bio-Streuobst zur Weiterverarbeitung abzugeben.

Mönsheim - Zahlreiche Besitzer von Streuobstwiesen aus dem Enzkreis haben sich am Wochenende in der Mönsheimer Mühle Decker und Mönch getroffen, um dort ihr kontrolliertes Bio-Streuobst zur Weiterverarbeitung abzugeben. Eingeladen hatte die BUND-Streuobstinitiative.

Thomas Klittich aus Mönsheim, der selbst lange Jahre dem BUND Heckengäu vorstand, erklärt die Ziele der Initiative: „Es geht um die Erhaltung der wertvollen Biotope Streuobstwiesen. Mit mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten gehören sie zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.“ Auf vielen Streuobstwiesen wird das Obst ausschließlich vom Baum geschüttelt – gelesen also nicht gepflückt – und zu Saft oder Most verarbeitet.

Weil das Wuchten der schweren Säcke beschwerlich ist, hat der 77-jährige Rudi Gaiß aus Wiernsheim, Eigentümer von vier „Stückle“ mit insgesamt 64 Ar, stets seinen 20-jährigen Enkel Matthias dabei. Seit Jahren liefert der Landwirt Gaiß sein Obst nach Mönsheim, auch weil der Preis mit 15 Euro für den Doppelzentner stimmt. Dafür nimmt er in Kauf, dass nicht sofort ausbezahlt wird und dass seine Streuobstwiesen kontrolliert werden. Die Streuobst-Apfelernte im Enzkreis wird dieses Jahr etwa 78 Tonnen erreichen, davon alleine in Mönsheim 25 Tonnen.

Neun Jahre ist es jetzt schon her, dass das erste gemeinsame Apfelsaft der Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freudenstadt vorgestellt worden ist. „Schneewittchen“ als Marketingsymbol ist zum Renner geworden. 2004 folgte der Apfel-Mango-Saft, ein Jahr später der Apfel-Cidre, im November 2006 kam der Apfel-Zwetschgen-Saft aus Streuobstwiesen auf den Markt. später folgten „Bio-Apfelschorle“ und „Bio-Cidre“. Die Verarbeitung übernimmt die Mosterei Dürr in Neubulach-Martinsmoos.

Nur Äpfel von kontrollierten Streuobstwiesen

Die Geschäftsführerin Regine Einfeld vom BUND Nordschwarzwald erläutert die Kriterien für die Schneewittchen-Säfte: „Wir verwenden ausschließlich Äpfel und Zwetschgen von unseren kontrollierten Streuobstwiesen. Hier kommen sie von der Blüte bis zur Ernte weder mit chemischen Pflanzenschutzmitteln noch mit bösen Stiefmüttern in Berührung. Und das können wir garantieren.“ 35 ehrenamtliche Berater sind jedes Jahr bei den Erzeugern vor Ort und kontrollieren die Einhaltung der Qualitätsrichtlinien. Erst wenn die Kontrolleure grünes Licht geben, dürfen die Erzeuger ihr reifes Obst an fest gesetzten Terminen im Herbst anliefern. „Dadurch ist garantiert, dass wirklich nur märchenhaft gute Äpfel zu Schneewittchen verarbeitet werden“, betont Regine Einfeld. „Am Ende nehmen wir noch einmal Proben vom fertigen Saft und lassen auch diesen auf Rückstände untersuchen.“

Das Konzept wurde von Landwirten, Saftherstellern und Naturschützern ausgearbeitet. Die Erzeuger verpflichten sich, nur ungespritztes Streuobst zu liefern und bekommen dafür auch mehr Geld. Die umweltbewussten Verbraucher honorieren dies mit einem etwas höheren Preis für Saft aus ungespritztem Obst, mit dem auch Pflege der Obstwiesen honoriert wird.

Und wer’s noch nicht gewusst hat: Obstwiesenpflege ist Sport. Eine neue Studie des Sportwissenschaftlichen Instituts an der Universität Tübingen hat es ans Licht gebracht: Bäume schneiden, Äpfel auflesen und Mähen sind sportliche Aktivitäten und gut für die eigene Gesundheit.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: