Hasen paaren sich auch auf winterlichen Feldern. Foto: Franz Lechner

Viele Tiere paaren sich im Winter. Im Enzkreis beschäftigen sich Hasen und Füchse mit der Familienplanung.

Enzkreis - Ein Bett im Kornfeld“, sang einst ein Schlagersänger. Was er dort genau treiben wollte, verriet er zwar nicht, aber eines ist klar: Derzeit würde selbst ein Bett im Kornfeld niemanden auf amouröse Gedanken bringen. Wer gibt sich schon gerne bei Minusgraden im Freien dem Liebesspiel hin. Tiere schon. Während die meisten Menschen im Enzkreis sich jetzt in den Abendstunden gemütlich in ihre warme Wohnungen zurückziehen, nähert sich draußen in Wald und Flur die Temperatur bei vielen Tierarten allmählich wieder dem Siedepunkt. Bei Meister Reineke beispielsweise. „Füchse paaren sich im Januar und Februar“, berichtet der Jäger und Falkner Otto Lieb aus Friolzheim. „Ranzzeit“, nennen Jäger diese ereignisreiche Phase in einem Fuchsleben. Nachts kann man bereits im Januar überall die heißeren, bellenden Rufe der männlichen Füchse hören, erzählt Lieb. Die Fuchsrüden, die sonst das ganze Jahr über den Kontakt zu Artgenossen meiden, weichen jetzt wochenlang nicht von der Seite ihrer Angebeteten. Der Grund: eine Füchsin ist selbst in der wochenlang andauernden Ranzzeit nur ein paar Tage fortpflanzungsbereit, und diese Phase will Meister Reineke auf keinen Fall verpassen.

Auch bei den Wanderfalken im Enzkreis ist die Paarungszeit angebrochen. Aber nicht nur bei denen, die wild im Freien leben. Auch bei dem Vogel, mit dem Otto Lieb als Falkner auf die Jagd geht, spielen die Hormone derzeit verrückt. „Mein Wanderfalke balzt derzeit mit mir“, berichtet Lieb.

Neben Wanderfalke und Fuchs sind auch viele Eulenarten jetzt schon mit der Familienplanung beschäftigt. Wer nachts in den Wäldern des Enzkreises unterwegs ist, der kann vielerorts den Waldkauz rufen hören. Der seltene Steinkauz dagegen wirbt schon seit Januar vor allem rund um Bauschlott um Weibchen. Die lauten, dumpfen Rufe des riesigen Uhus hallen beispielsweise in der Nähe von Mühlacker durch die Nacht. Zu den besonderen Winter-Schauspielen gehört die Paarungszeit der Feldhasen. Zumindest dort, wo noch mehr als nur zwei oder drei Hasen leben. „Das ist vor allem im westlichen Enzkreis beispielsweise bei Neuhausen oder Königsbach-Stein der Fall“, sagt Kreisjägermeister Dieter Krail. Dort kann man mit Glück das raue Liebeswerben von Meister Lampe noch beobachten. „Meist sind es mehrere Rammler, die eine Häsin verfolgen“, erzählt Krail. Dabei prügeln und verfolgen sich die männlichen Freier so lange, bis am Ende einer übrig bleibt, der als Sieger die unromantische Hasenhochzeit feiern darf. Auch der große Kolkrabe und die kleinen Vettern der Feldhasen, die Kaninchen, sind jetzt schon mit ihrer Familienplanung beschäftigt. Andere wie der Dachs haben diese bereits hinter sich. Die Dächsin versorgt in ihrem Bau jetzt schon den neuen Nachwuchs. Ein Vogel jedoch übertrifft sie alle. Der im südöstlichen Enzkreis, im Schwarzwald, vorkommende Fichtenkreuzschnabel zieht – wie alle Tiere – seinen Nachwuchs dann auf, wenn das Nahrungsangebot optimal ist. Und das ist bei dem auf Fichtensamen spezialisierten Vogel mitten im Winter.

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