Plakatwahlkampf, hier ein Bild vom Heimsheimer Ortsausgang. Foto: Andreas Gorr

Der Wahlkreis Pforzheim, der auch den Enzkreis umfasst, ist eigentlich tiefschwarz. Nur 1998, beim Wahlsieg von Gerhard Schröder, konnte Ute Vogt das Direktmandat für die SPD holen. Seit 2002 ist Gunther Krichbaum unangefochten Platzhirsch. Bislang haben es aber vier weitere Kandidaten über die Landeslisten ins Parlament geschafft.

Enzkreis - Der Wahlkreis Pforzheim, der auch den Enzkreis umfasst, ist eigentlich tiefschwarz. Nur 1998, beim Wahlsieg von Gerhard Schröder, konnte Ute Vogt das Direktmandat für die SPD holen. Seit 2002 ist Gunther Krichbaum unangefochten Platzhirsch, und das dürfte am 22. September nicht anders sein. Vor vier Jahren hat er über 40 Prozent der Erststimmen erhalten. Der Bezirk ist aber außergewöhnlich, weil er mit fünf Abgeordneten vertreten ist – zumindest das wird sich ändern. Denn Mehmet Kilic hat bei den Grünen nur Listenplatz 18 – was möglich, aber sportlich ist. Auch der FDP-Mann Erik Schweickert muss bei den schwachen FDP-Umfragewerten noch bangen. Und die Linke Annette Groth wird zwar fast sicher wieder im Bundestag sitzen – kandidiert aber am Bodensee.

Aber der Reihe nach. Beginnen wir mit dem CDU-Kandidaten Gunther Krichbaum. Der 49-Jährige stammt aus Korntal, hat in Stuttgart sein Abitur abgelegt und in Tübingen Jura studiert, später als Versicherungsmakler bei MLP gearbeitet. Seit elf Jahren sitzt er im Bundestag, ist dort Vorsitzender des EU-Ausschusses. Sein Terrain ist die Außenpolitik, die Königin der Niederlande ernannte Krichbaum zum Großoffizier des Ordens von Oranie-Nassau, Auszeichnungen hat er auch aus Frankreich, Rumänien und Österreich.

Die SPD schickt erneut Katja Mast ins Rennen, die seit 2005 im Parlament sitzt. Die gelernte Bankkauffrau aus Offenburg, die später in Heidelberg Biologie, Politologie, Geografie und Pädagogik auf Lehramt studiert hat, konnte sich in der Partei über den Juso-Landesverband nach oben arbeiten. Im Parlament ist sie Vizesprecherin für Arbeit und Soziales, doch im SPD-Landesverband steht sie auf Platz zwei der Liste, und ist seit 2011 Generalsekretärin. Zusammen mit Gernot Erler ist sie sogar Spitzenkandidatin im Land. Der Wiedereinzug ins Parlament ist sicher.

Das gilt nicht unbedingt für den FDP-Bewerber Erik Schweickert. Der Professor für Weinwirtschaft kommt ursprünglich aus Niefern-Öschelbronn, hat in Pforzheim Abitur gemacht und war lange Zeit selbstständig. Für Aufsehen gesorgt hat der Diplom-Önologe des Öfteren mit launigen Vorträgen über sein Fachgebiet. Anfang des Jahres wurde er überregional bekannt: Schweickert kritisierte, der von der Parlamentsbuchhandlung vertriebene und mit deutschem Steuergeld bezahlte Sekt Cuvée Bundestag stamme aus Frankreich. Ansonsten ist er verbraucherpolitischer Sprecher der Liberalen. Sein Listenplatz acht hätte bei der vergangenen Wahl mehr als gereicht – doch bei Umfragewerten von fünf bis sechs Prozent für die FDP könnte es knapp werden.

Richtig eng wird es für Mehmet Kilic von den Grünen. Mit Listenplatz 18 muss die Partei richtig zulegen, damit es für ihn reicht. Allerdings versprechen die Umfragen ein Plus für die Grünen. Kilic ist für die Partei auch eine Brücke zur türkischstämmigen Bevölkerung. Der Jurist, der seit vier Jahren im Parlament sitzt, hat zuvor in einer Heidelberger Kanzlei als Anwalt gearbeitet. Kilic hat viel Medienpräsenz vorzuweisen. So wies er 2010 eine Einladung des türkischen Ministerpräsidenten zu einer Veranstaltung ab. Zudem lehnte er Joachim Gauck als Bundespräsidenten ab und mischte in den Debatten um das Kölner Beschneidungs-Urteil und die Niederschlagung der Proteste in Istanbul mit.

Weniger Sorgen muss sich wohl Annette Groth von den Linken machen. Die steht auf dem fünften Listenplatz ihrer Partei im Land, 2009 schickten die Sozialisten sechs Abgeordnete nach Berlin. Allerdings kandidiert Groth gar nicht mehr im Wahlkreis, sondern wechselt an den Bodensee. Der gebürtige Tscheche Milan Kapriva (35) ist nun der Wahlkreiskandidat. Er war früher in der SPD engagiert, trat wegen des Jugoslawienkrieges und der Agenda 2010 aus und wechselte zur Linken. Er hat in Nordirland und Stuttgart studiert. Kapriva ist Sozialarbeiter in Pforzheim, sein Listenplatz 12 ist chancenlos.

Ein Wort noch zu Anette Groth: Sie fiel durch rege Reisetätigkeit auf, was ihrer Funktion im Menschenrechtsausschuss geschuldet ist. Für Kritik sorgte ihre Beteiligung an einem Hilfskonvoi im Mai 2010 für den Gazastreifen. Die israelische Marine stoppte das Schiff, neun Personen kamen ums Leben. Groth sprach von „Piraterie“ und verteidigte ihre Beteiligung. Ihr wurde vorgehalten, sich von Islamisten einspannen zu lassen. Auch in der eigenen Partei ist Groth nicht unumstritten.

Das wären die Kandidaten der fünf größten Parteien. Aber was ist mit den Kandidaten der übrigen Parteien?

Erstmals bieten die Piraten, die Alternative für Deutschland (AfD) sowie die Freien Wähler die Möglichkeit, für einen Wahlkreiskandidaten zu stimmen. Bei den Piraten ist dies der EDV-Kaufmann Holger Reichert (41, Wimsheim), bei den Euro-Gegnern AfD der Selbstständige Frank Plonus (54, Niefern-Öschelbronn) und bei den Freien Wählern der Kundenberater Marco Rapp (28, Kämpfelbach), dazu die NPD mit dem Kraftfahrzeugmeister Günther Ragg (56, Spaichingen).

Bei der AfD gab es die Besonderheit, dass sie für ihren Kandidaten mindestens 200 Unterstützungsvoten einreichen mussten. „Mit 254 Unterschriften konnten sie dieses Soll problemlos erfüllen“, berichtet der Landrat Karl Röckinger, der auch Kreiswahlleiter ist. Laut Umfragen könnten die Piraten und die AfD zumindest in die Nähe der Fünf-Prozenthürde kommen. Es bleibt spannend.

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