Wie will sich die Stadt langfristig weiterentwickeln? Darüber hat man sich im Esslinger Rathaus Gedanken gemacht. Foto: Roberto Bulgrin

Die Stadt Esslingen überarbeitet ihre strategischen Ziele. Zu diesen gehören eine attraktive Innenstadt, genügend Wohnraum und Klimaschutz. Doch wie misst sie das?

Die Stadt Esslingen will ein attraktiver Wirtschaftsstandort sein, sie will genügend Wohnraum für alle Zielgruppen bereitstellen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das sind nur einige Ziele der Stadt. Doch wie will sie ihre Vorhaben erreichen und wo steht sie auf dem Weg dorthin? Um das messen und bewerten zu können, hat Esslingen bereits vor einigen Jahren ein Konzept erarbeitet. Doch weil manches überholt ist, hat die Stadt nun eine aktualisierte Version präsentiert.

 

In einer Matrix mit drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, jeweils drei Zielen pro Dimension und drei Indikatoren pro Ziel hatte der Esslinger Gemeinderat im Jahr 2018 die bisherigen strategischen Ziele festgeschrieben. Doch nicht alles erscheint der Stadt noch zeitgemäß. Deshalb hat sie sich die Matrix noch einmal vorgenommen und einige Ziele sowie die Indikatoren überarbeitet, anhand derer gemessen werden soll, inwiefern das Ziel erreicht wird.

Esslingen setzt verstärkt auf attraktive Innenstadt

Angestrebt werden demnach weiterhin die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, also die wirtschaftliche, die soziale und die ökologische Nachhaltigkeit. An diesen Maximen will die Stadt ihr Handeln ausrichten. Bislang gehörten zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit die drei strategischen Ziele, dass Esslingen generationengerecht wirtschaften solle, ein attraktiver Wirtschaftsstandort sein und eine gesunde Wirtschaftsstruktur haben solle. Letzteres soll nun aber ersetzt werden durch das Ziel einer attraktiven Innenstadt.

Das gefiel nicht allen im jüngsten Verwaltungsausschuss. „Eine gesunde Wirtschaftsstruktur ist doch etwas ganz anderes als zu schauen, wie viele Leute zu „ES funkelt“ kommen“, monierte etwa Martin Auerbach, Vorsitzender der Fraktion Linke/FÜR im Esslinger Gemeinderat. Andere Stadträtinnen hingegen begrüßten die Änderung: „Wir müssen die Innenstadt attraktiv gestalten“, betonte etwa Christa Müller (SPD) – und das Thema Wirtschaft sei ja bereits in anderen Zielen enthalten. Ähnlich argumentierten Carmen Tittel, Fraktionschefin der Grünen, und Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler.

Esslingen will mehr Bildung, Wohnraum und Klimaschutz

Für die soziale Nachhaltigkeit gelten nach wie vor die Ziele, Esslingen solle gleiche Bildungschancen für alle ermöglichen, genügend Wohnraum für alle Zielgruppen bereitstellen und eine hohe Lebensqualität für alle Bevölkerungsgruppen bieten. Die ökologische Nachhaltigkeit soll durch Ziele wie das Streben nach gesunden Lebensbedingungen und den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, durch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz sowie durch nachhaltige Mobilität erreicht werden.

Eine attraktive Innenstadt ist eines der Ziele der Stadt Esslingen (Archivfoto). Foto: Ines Rudel

Allerdings will die Stadt einige der Indikatoren ändern, anhand derer gemessen werden soll, inwiefern die Ziele erreicht werden. So soll etwa der Punkt, dass Esslingen ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist, künftig zwar weiterhin anhand der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten beurteilt werden, zusätzlich aber nicht mehr anhand sogenannter Zentralitätskennziffern, sondern mit Blick auf die Anzahl der Unternehmen und der Neugründung von Firmen. Schließlich lässt dies laut Christine Clement-Wiegand, Leiterin des Amts für Wirtschaft, auf die wirtschaftliche Dynamik am Standort und das Potenzial für die Zukunft schließen.

Esslingen misst Attraktivität der Innenstadt und Bildungschancen

Die Attraktivität der Innenstadt wiederum will man anhand der Leerstandsquote, der Zahl von Passanten pro Jahr an bestimmten Messpunkten in der City sowie anhand der Zahl der Übernachtungen im Stadtgebiet ermitteln. Ob es gleiche Bildungschancen für alle gibt, sollen die Bedarfsdeckung bei Betreuungsplätzen für Ein- bis Sechsjährige und der Anteil der Schulkinder in Ganztagsbetreuung aufzeigen. Zudem soll die Volkshochschule allen Interessenten innerhalb von drei Monaten einen Platz in einem allgemeinen Integrationskurs anbieten.

Ob es genügend Wohnraum für alle gibt soll wiederum anhand der Zahl der Vermittlung von Menschen aus der Notfallkartei in Wohnungen, anhand der Zahl geförderter Wohnungen sowie mit Blick auf die Abweichung der Miete in städtischem Wohnraum von der ortsüblichen Vergleichsmiete ermittelt werden. Die Lebensqualität will die Stadt mit der Verfügbarkeit von städtischen Pflegeplätzen, der Zahl der Straftaten pro tausend Einwohner und der Teilhabequote von Kindern unter 15 Jahren messen.

Und die ökologische Nachhaltigkeit wird unter anderem anhand des Flächen- und Trinkwasserverbrauchs in der Stadt, der Anzahl der Stadtbäume, der Menge an regenerativer Energieerzeugung, der Menge an CO2-Emissionen durch städtische Fahrzeuge und Gebäude, der Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr pro tausend Einwohner, der Länge der Radwege sowie der Anzahl zugänglicher E-Ladesäulen im Stadtgebiet beurteilt.

Kriterien für Indikatoren

Ziele
Die bislang gültigen strategischen Ziele und die jeweiligen Indikatoren dafür wurden im April 2018 vom Gemeinderat festgelegt. Sie sind in einem sogenannten 3x3x3-Säulensystem verankert, das drei Dimensionen der Nachhaltigkeit definiert, drei Ziele pro Dimension und drei Indikatoren pro Ziel. Das System soll bestehen bleiben, einige Ziele und Indikatoren will die Stadt jedoch verändern. Der Gemeinderat soll am 16. März darüber entscheiden.

Indikatoren
Die Stadt Esslingen hat verschiedene Kriterien für die Auswahl der Indikatoren, mit denen der Erfolg auf dem Weg zu den strategischen Zielen gemessen werden soll, festgelegt. So sollen diese messbar sein und mindestens einmal im Jahr erhebbar – wobei die Erhebung mit vertretbarem Aufwand möglich sein soll. Zudem sollen die Indikatoren mindestens indirekt kommunal beeinflussbar und aus fachlicher Sicht wertvoll sein.