Ohne Aufsicht kann kein Freibad betrieben werden. Kräfte sind Mangelware. Foto: Lg/Julian Rettig

Im Endspurt zur Freibadöffnung ziehen die Bäderbetriebe Stuttgart alle Register, um die Personallücke kurzfristig zu schließen. In Untertürkheim gibt es dennoch Einschränkungen.

Die Freibäder in der Landeshauptstadt werden trotz erheblicher Probleme beim Saisonpersonal am Samstag kommender Woche (13. Mai) öffnen. Das hat der Bäderbetriebschef Alexander Albrand im Wirtschaftsausschuss des Gemeinderates zugesagt. Ab Montag, 8. Mai, sind alle Hallenbäder geschlossen, wie im vorigen Jahr auch die in Sonnenberg, Zuffenhausen und Ost (Leo-Vetter-Bad). Einschränkungen der Öffnungszeiten wird es im Inselbad in Untertürkheim durch einen Einschichtbetrieb (voraussichtlich 11 bis 20.30 Uhr) geben. Es hat die größte Wasserfläche und braucht am meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

56 Vollzeitkräfte für die Saison nötig

Die Personalsituation im Sommer hat sich bei den Bäderbetrieben Stuttgart (BBS) in den vergangenen Jahren zugespitzt. Noch vor zwei Wochen sah es so aus, als müsste ein Notkonzept gefahren werden. Das hätte den Einschichtbetrieb in allen Freibädern und auch dem schon geöffneten Killesbergbad bedeutet. Das Freibad in Möhringen bleibt wegen massiver Betonschäden am Becken sowieso geschlossen, womit acht Saisonkräfte weniger notwendig werden.

Insgesamt braucht Albrand in der Sommersaison 56 Vollzeitkräfte für die Aufsicht. Dann kann wochentags von 7 bis 20.30 und am Wochenende von 9 bis 20.30 Uhr geöffnet werden. Im Mai und September ist um 19.30 Uhr Schluss. Bis zur Ausschusssitzung am Freitag waren 7,4 Stellen unbesetzt. Die Zusicherung von Albrand ist nur möglich, weil das BBS-Stammpersonal Mehrarbeit zugesagt hat. Albrand hofft noch wenigstens drei Saisonstellen besetzen zu können. Mit dem Ausbildungsabschluss könnten ab Juli weitere eigene Kräfte an den Beckenrand rücken, was die Mehrarbeit aller anderen reduzieren würde.

Mancher Ferienjob bringt mehr ein

Albrand stellte vor den Bürgervertretern die vielfältigen Bemühungen um Personal dar, aber auch die Erwartungen nach Teilzeit, mobiler Arbeit, freiem Wochenende und besserem Verdienst. Und die Tatsache, dass der Fachkräftemangel längst alle Branchen erfasst hat. „Wir müssen an die Struktur ran“, so der Bäderchef. Er will acht bis zehn Vollzeitstellen zusätzlich für die BBS-Schwimmkurse. Die Mitarbeitenden könnten dann im Sommer in die Freibadaufsicht wechseln.

Die Saisonkräfte sind laut Bäder-Pressestelle in Entgeltgruppe 4 (ungelernte Kräfte) eingruppiert. Das sind 2456 Euro brutto pro Monat, mancher Ferienjob bringt mehr. Festangestellte starten in EG 5 mit 2576 Euro, dann ist der Wechsel in Gruppe 6 mit 2867 Euro nach dem TVÖD möglich. In München wird nach dem Versorgertarif bezahlt, das sind in EG 5 302 Euro mehr, dazu kommt noch eine Zulage von 270 Euro.

Bei der Bezahlung sei Bewegung nötig, so Albrand, um Abwerbungen ins Umland zu begegnen. Wenn Stuttgart sich für eine Zulage entscheiden sollte, dürfe diese selbstredend nicht nur für Saisonkräfte gelten, „das wäre sonst fatal für den betrieblichen Frieden“, so der Bäderchef. Die Bezahlung sei ein „elementarer Punkt“, findet auch der Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD).

Fraktionen sagen Unterstützung zu

Bei den Bürgervertreten findet Albrand Unterstützung. Man wolle die Bäder im Haushaltsplan unterstützten, so Grünen-Chef Andreas Winter. „Wir müssen die Gehälter anpassen“, sagte Fritz Currle (CDU). Wenn man das tue, so Michael Jantzer von der SPD, brauche man die Zusage, dass dann alle Öffnungen möglich seien. Diese Garantie könne für 2024 keiner abgeben, hakte Thürnau ein. Auch Linksbündnis, die Fraktion Puls, Freie Wähler, FDP und AfD signalisierten finanzielles Entgegenkommen.

Die Grünen und die Sozialdemokraten sehen aber auch bei den Bäderbetrieben Verbesserungsmöglichkeiten. So sei die Fixierung auf mindestens einen Realschulabschluss für die Ausbildung kritisch. „Man braucht sich nicht zu wundern, dass man sich dann schwertut“, so Silvia Fischer (Grüne). Die Eingangsqualifikation müsse runter, forderte auch Udo Lutz (SPD). Im Betrieb müsse dann spezielle Hilfe für die Auszubildenden angeboten werden. Die gibt es laut den Bäderbetrieben bereits, man wolle die Forderung aus der Runde aber besprechen.