Schon liegt der alte Stuhl im Container: Vize-Landrat Martin Wuttke, OB Martin Georg Cohn, Wolfgang Bagin, Chef der Abfallverwertung, und Landrat Roland Bernhard (v.l.). Foto: Simon Granvillle

Nach 15 Jahren Standortsuche hat der Leonberger Wertstoff jetzt im Gewerbegebiet Hertich endlich ein neues Domizil und viel mehr Platz als bisher am Bahnhof. Ein Geschenkhäusle soll zur Tausch- und Kommunikationsbörse werden.

Zum guten Ende bedient sich Roland Bernard einer Prise Ironie: „Hätte es einen Wettbewerb für den schlechtesten Wertstoffhof im Landkreis Böblingen gegeben“, so hebt der Landrat an, „wäre Leonberg bestimmt ganz weit vorne gewesen.“

 

Soweit ist es nicht gekommen. Doch gäbe es tatsächlich eine solche Ausschreibung, so wäre die Stadt am Engelberg mittlerweile allerdings ziemlich weit hinten. Denn der neue Wertstoffhof im Gewerbegebiet Hertich, scheint das Jahre währende Ungemach von einst nun vergessen zu lassen.

Rund 3000 Quadratmeter stehen jetzt für die Container und vor allem auch die Autos zur Verfügung. An der Ecke zwischen Hertichstraße und Mollenbachstraße, ganz in der Nähe zur Renninger Straße, die vom Zentrum in Richtung Autobahn führt, wurden früher Wohnmobile angeboten. Die Grundstücksinhaber Friederike Kurz und Klaus Hettler haben nun die Fläche an den Landkreis für die kommenden zehn Jahre verpachtet. Denn nicht etwa die Stadt ist für die Abfallentsorgung zuständig, wie manche meinen, sondern das Landratsamt.

Das mit dem neuen Wertstoffhof eine Dauerlösung gefunden ist, davon gehen zumindest die Verpächter aus. „Wir wünschen uns eine langfristige Zusammenarbeit“, sagt der Grundstückseigentümer Hettler.

Viele Standorte im Gespräch

An der sind gewiss auch das Landratsamt in Böblingen und die Stadtverwaltung in Leonberg interessiert. „Der Frust war schon sehr groß“, blickt Roland Bernard auf eine 15 Jahre alte Diskussion zurück, wo denn ein für die Kernstadt angemessener Wertstoffhof entstehen könnte.

Die unterschiedlichsten Orte waren im Gespräch gewesen – vom Bereich des jetzigen Kindergartens West am Aldi-Kreisel, über das Salzlager in der Straßenmeisterei, sogar ein Standort nahe des Krankenhauses wurde in Erwägung gezogen. Doch gegen alle Möglichkeiten gab es unterschiedliche wie zahlreiche Einwände.

Zwischenzeitlich hatte sich sogar eine Art abfallphilosophische Grundsatzdebatte entfacht. Denn im Kreis Ludwigsburg, zu dem unter anderem die unmittelbaren Leonberger Nachbarstädte Ditzingen und Gerlingen gehören, gibt es überhaupt keine Wertstoffhöfe. Dort gilt das sogenannte Holsystem: Der Sperrmüll, aber auch Glas, werden direkt von den Haushalten abgeholt. Im Leonberger Rathaus wurde seinerzeit schon die Frage gestellt, ob denn diese Methode nicht sehr viel bürgerfreundlicher sei.

Das Landratsamt wiederum war vom System der Wertstoffhöfe überzeugt. Auch weil dort nicht nur der klassische Sperrmüll entsorgt werden kann, sondern Abfälle aller Art, bis hin zum Elektroschrott. Auch werden Mülltonnen an die Verbraucher ausgegeben.

Dank an die Nachbarschaft

„Und wir haben noch eins draufgesetzt“, sagt der für den Abfallbetrieb zuständige stellvertretende Landrat Martin Wuttke. „Wir haben in Leonberg ein Geschenkhäusle, in dem gebrauchsfähige Dinge abgegeben, aber auch mitgenommen werden können.“ Ein Angebot, das in sieben anderen Wertstoffhöfen auf gute Resonanz gestoßen ist.

Steigen also in Leonberg die Glücksmomente, wie es Landrat Bernhard blumig formuliert? Der Leonberger Oberbürgermeister denkt auch an die neue Nachbarschaft: „Die muss den neuen Betrieb jetzt aushalten und dafür gebührt ihr großer Dank“, sagt Martin Georg Cohn. Auch die Geduld der meisten Menschen, die über viele Jahre die Enge der alten Anlage am Bahnhof ertragen haben, würdigt der OB. Was dort passiert, steht noch nicht fest. Das Gelände gehört der Stadt, es werde eine sinnvolle Nutzung geben.

Um das Gelände im Gewerbegebiet fit zu machen, hat der Landkreis rund eine halbe Million Euro investiert. Der Umbau hat vier Monate gedauert. Beauftragt wurden heimische Firmen, darunter die Leonberger Malerwerkstatt Blume und der Elektrofachbetrieb Jeutter aus Höfingen.

Dass es fortan nicht nur um Müll und Schrott geht, darauf setzt der heimatbewusste Landrat: „Der Wertstoffhof ist ja so eine Art schwäbisches Kulturgut und erfüllt damit auch die Aufgaben eines Treffpunkts.“

Öffnungszeiten: Leonberg Mitte, Hertichstraße 79: Montag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 15 Uhr.; Leonberg-Höfingen, Röntgenstr. 39: Mittwoch, Freitag 15 bis 18 Uhr. Samstag 9 bis 15 Uhr; Renningen-Malmsheim, bei der Erddeponie, Montag bis Freitag 7.30 bis 12 Uhr, 13 bis 16 Uhr; Samstag 9 bis 15 Uhr; Rutesheim, Im Bonholz 1: Montag, Mittwoch, Freitag 15 bis 18 Uhr; Samstag 9 bis 15 Uhr. Weil der Stadt, Josef-Beyerle-Straße 33  Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 15 Uhr. Weissach-Flacht, Weissacher Straße 18  Mittwoch, Freitag 15 bis 18 Uhr; Samstag 9 bis 15 Uhr.