Neu (li.) gegen Alt: Die Debatte um das künftige Wappen geht in die Verlängerung. Foto: Leif Piechowski

Nur verschoben: Präsident Gerd Mäuser bittet im September die Fan-Initiative an einen Tisch.

Stuttgart - Es lief alles nach Plan. Der VfB lieferte mit einem Gewinn von 71.000 Euro einen positiven Abschluss des Geschäftsjahres; die geplante Neustrukturierung des Clubgeländes mit Jugendhaus und Nachwuchszentrum machte Eindruck; der Fantreff in der Cannstatter Kurve heißt künftig „A-Block“; die Ernennung von Erwin Retter, Günter Sawitzki und Karlheinz Förster zu Ehrenmitgliedern wärmte die Herzen der weiß-roten Fangemeinde; und seit der Mercedes-Stern auf der Brust der Spieler leuchtet, hat der Verein schon doppelt so viele Trikots abgesetzt wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Klingt doch gut. Und dann lieferte Sportdirektor Fredi Bobic auch noch die perfekte Vorlage für all jene, die einer Rückkehr zum alten Wappen (mit der Gründungs-Jahreszahl 1893 und dem geschlossenen V) das Wort reden. „Ich habe mit acht Jahren mein erstes Spiel für den VfB bestritten. Das Trikot von damals hängt jetzt über meinem Schreibtisch im Clubzentrum – übrigens mit dem alten Wappen. Also: Gas geben“, rief er den Trikot-Traditionalisten zu.

Dumm nur, dass sich dann doch noch der eine oder andere Regiefehler einschlich.

Denn als es an die geplante Öffnung zugunsten einer verstärkten Nutzung des Internets ging, fing sich der Vorstand etliche Absagen ein. Der Erwerb der Mitgliedschaft, der Versand der Einladungen zur Mitgliederversammlung per E-Mail und vor allem die Neuerung, Beschlüsse außerhalb der Mitgliederversammlung auf elektronischem Wege herbeizuführen – alles abgeschmettert. „Warum sich die Mitglieder verwehren, kann ich zwar nicht ganz verstehen, es ist aber zu akzeptieren“, sagte Präsident Gerd Mäuser nach der fünfstündigen Versammlung. Offenbar störte die Mehrheit der Mitglieder, dass nur der Vorstand Themen auf die Agenda setzen könnte und die Mitglieder entmündigt werden könnten, weil ihnen die Möglichkeit der Einflussnahme durch Diskussionen entzogen wäre.

Jedenfalls war damit auch das Wappen-Thema, das im Vorfeld engagiert und emotional diskutiert worden war, vom Tisch. Zumindest fürs erste. Der Dialog soll aber weitergehen, wie beide Seiten betonen.

Vorstand kann autonom und nach eigenem Gusto über Wappen befinden

Weil das Aussehen des Wappens kein Bestandteil der Satzung ist, muss darüber auch nicht durch die Mitglieder entschieden werden. Der Vorstand kann autonom und nach eigenem Gusto darüber befinden, so wie er 1998 das aktuelle Wappen (mit dem Schriftzug „Stuttgart“ und offenem V) in der Absicht durchgesetzt hatte, damit leichter den asiatischen Markt zu erobern. Über den Umweg der neuen Internet-Plattform VfB-Direkt hätte der Verein allen Mitgliedern (und nicht nur den 1084 Anwesenden bei der Versammlung) aber die Chance eingeräumt, darüber zu befinden – wenn sich statt 60,4 Prozent eine Dreiviertelmehrheit dafür gefunden hätte. „Mir hat der Gedanke sehr gefallen, solche bedeutenden Themen bei unseren Mitgliedern auf breiter Basis abstimmen zu lassen“, sagte Mäuser.

Die Fan-Initiative „Pro altes VfB-Wappen“, die sich aus Mitgliedern der Fanclubs Schwabensturm 02 und des Commando Cannstatt zusammensetzt, reagierte gelassen auf die neue Situation. „Die Ablehnung ist erst mal schade, aber kein Beinbruch“, sagte ihr Sprecher Marco-Tobias Arnold, „der Vorstand und wir gehen sehr transparent miteinander um. Der VfB hat uns zugesichert, dass es in jedem Fall zu einer Abstimmung über das Wappen kommen wird.“ Laut Arnold und seinen Mitstreiter soll dies „allerspätestens zur Mitgliederversammlung 2013 der Fall sein“. 25 000 Unterschriften hat die Initiative zugunsten des alten Wappens gesammelt, „die kann man nicht einfach abbügeln“ (Arnold). Nach der Versammlung verteilte sie Broschüren an die Mitglieder, um für ihr Anliegen zu werben – 5000 wurden insgesamt gedruckt.

Auch in der neuen Saison sollen gezielte Aktionen Fans und Mitglieder sensibilisieren. „Wir wollen das Thema präsent halten“, sagt Arnold, „wir werden weiter Unterschriften sammeln, wenn auch nicht im bisherigen Umfang, wir wollen auch andere Abteilungen des Vereins besuchen, denn der VfB ist ja nicht nur Fußball, und womöglich gibt es auch mal wieder eine Stadion-Choreographie.“

Auch der VfB scheint bestrebt, das Thema endlich abschließend zu behandeln und eine Lösung herbeizuführen. „Wir werden uns im September, nach meinem Urlaub, mit der Initiative an einen Tisch setzen und die weitere Vorgehensweise besprechen“, versprach Gerd Mäuser.

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