Seit der Kindergarten vor sechs Jahren ausgezogen ist, steht das katholische Gemeindehaus in Wangen leer. Nun wird es abgerissen. Foto: Christian Hass/Archiv

Die Vinzenz von Paul gGmbH mit Sitz in Schwäbisch Gmünd schließt mit dem geplanten Neubauprojekt eine Lücke. Das Gebäude steht seit sechs Jahren leer.

Wangen - Nun ist es beschlossene Sache: Die Tage des katholischen Gemeindehauses in Wangen sind gezählt. Es soll einem modernen Seniorenzentrum Platz machen. Der Gemeinderat hat das Vorhaben in einer nicht öffentlichen Sitzung gebilligt – einstimmig. „Dieses Heim ist ein Geschenk für die Gemeinde, und ein fehlendes Puzzleteilchen“, sagt der Wangener Bürgermeister Daniel Frey. Fünf Millionen Euro will die gemeinnützige Vinzenz von Paul gGmbH mit Sitz in Schwäbisch Gmünd in dieses Bauprojekt neben der katholischen Kirche investieren.

Nach dem positiven Signal aus dem Gemeinderat – der katholische Kirchengemeinderat hat bereits zugestimmt – kann der Träger sozialer Dienste in die konkrete Planung einsteigen. Wenn alles laufe wie gedacht, könne das Seniorenzentrum bereits 2019 eröffnen, sagt Roy Hummel, der Leiter der Göppinger Regionaldirektion der Vinzenz von Paul gGmbH.

Bürger dürfen mitsprechen

Während die Baupläne noch ausgearbeitet werden müssen, liegt eine Konzeption bereits vor. So will der Träger nicht nur Pflegeplätze im klassischen Sinn anbieten, sondern auch teilstationäre und ambulante Hilfen für Wangen und die umliegenden Orte schaffen, wie Hummel sagt. Der stationäre Bereich – geplant sind 30 Betten – soll nach dem sogenannten Hausgemeinschaftsmodell organisiert werden. Das heißt, die Menschen leben in Wohngruppen zusammen. Dort wird gekocht, und die Bewohner dürfen mithelfen, sofern sie das noch können. Dadurch entstehe eine familiäre Atmosphäre, sagt Hummel. 16 Tagespflegeplätze und ein ambulanter Pflegestützpunkt sollen das Programm ergänzen.

Vorausschauend wolle man auch „neue Angebotsformen generieren, die gemeinsam mit den Wangener Bürgern entwickelt werden sollen, erläutert Hummel. Denkbar sei, niederschwellige Alltagshilfen zu offerieren. Anregungen dazu erhofft er sich von den Wangener Bürgern. Ein Termin für einen ersten Austausch steht schon fest. Am Donnerstag, 24. November, findet um 19.30 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Gemeindehalle statt.

Um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Bauprojekt zu schaffen, muss die Gemeindeverwaltung für das Grundstück an der katholischen Kirche erst einmal eine Bebauungsplanänderung in die Wege leiten. Der Bürgermeister will das rasch tun. Das geplante Zentrum eröffne älteren Menschen die Möglichkeit, ihren Lebensabend in Wangen verbringen zu können. Im vergangenen Jahr seien die über 70-Jährigen die zweitgrößte Personengruppe gewesen, die aus Wangen weggezogen sei.

Erleichterung bei der Kirchengemeinde

Die Aussicht, dass an der Stelle des katholischen Gemeindehauses ein Seniorenzentrum entsteht, ist auch im Sinne der Kirchengemeinde, sagt der Pfarrer Bernhard Schmid. Das Gebäude aus den fünfziger Jahren sei zunehmend zur Bürde geworden. Denn seit dem Auszug der zwei Kindergartengruppen vor sechs Jahren habe es de facto leer gestanden. Der Veranstaltungsraum sei zwar noch genutzt worden, er sei aber für die geringere Anzahl der Gemeindemitglieder zu groß geworden. Mehrfach hatte Schmid deshalb versucht, einen Nachnutzer zu finden. Vergeblich. Erst als er Vertretern der Vinzenz von Paul gGmbH vor einem Jahr das Gebäude gezeigt habe, sei der Stein ins Rollen gekommen. Einen Wermutstropfen muss die Kirchengemeinde freilich schlucken: die Kosten für den Abbruch bleiben an ihr hängen.

Auch wenn das Gemeindehaus nicht mehr besteht, müssen die Katholiken im Ort nicht auf einen Veranstaltungsraum verzichten. An das Seniorenzentrum wird ein kleiner Raum angebaut, den die Kirche mieten kann. Veränderungen wird es auch am Kirchengebäude geben, das mit Strom und Wärme aus dem Gemeindehaus versorgt wird. „Da müssen wir umbauen“, sagt der Pfarrer.

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