Die größte Hebammenpraxis im Bottwartal wird weiter von der Gemeinde Oberstenfeld und dem Landkreis unterstützt. Dennoch bleibt Frust wegen der Rahmenbedingungen.
Es habe durchaus Unsicherheit unter den fünf Kolleginnen des Hebammenhauses Bottwartal gegeben, sagt Sigrid Böhle. Umso glücklicher seien sie nun, dass es weitergehen könne und sie Planungssicherheit hätten. Denn am Donnerstagabend hat der Gemeinderat Oberstenfeld einstimmig beschlossen, die jährliche Förderung in Höhe von 3600 Euro bis 2028 zu verlängern. In gleicher Höhe beteiligt sich auch das Landratsamt an der Finanzierung.
Zwar hatte sich die Mehrheit für eine Fortführung der Förderung bereits vor einigen Tagen abgezeichnet – auch, weil sich der neue Oberstenfelder Bürgermeister Kai Kraning hinter den Zuschuss gestellt hatte. Dennoch ist die Entscheidung in einer Zeit, in der Kommunen und Gemeinden an allen Ecken und Enden sparen müssen, keine Selbstverständlichkeit. „Für uns ist das Geld extrem wichtig“, betont Böhle. Die Zukunft der größten Hebammenpraxis im Bottwartal wäre sonst in Gefahr gewesen. „Wir bilden ja auch Studentinnen aus, auch das wäre verloren gegangen.“
Frust über Hebammenhilfevertrag
Zufrieden ist Sigrid Böhle mit der Gesamtsituation der Hebammen dennoch nicht. Der Ärger richtet sich dabei nicht gegen das Rathaus oder das Landratsamt, sondern gegen die gesetzlichen Krankenversicherungen und den Hebammenverband – und deren aktuellen Hebammenhilfevertrag.
Dieser bringe zusätzliche Dokumentationspflichten mit sich, ohne dass dafür ausreichend Zeit oder Geld eingeplant sei. Der Vertrag solle zwar die Versorgung sichern, bewirke aus Sicht vieler Hebammen jedoch das Gegenteil. Zudem blieben Hebammen neuerdings auf Kosten sitzen, die zuvor von anderer Stelle übernommen worden seien. Das betreffe etwa Geburtsvorbereitungs- oder Nachbereitungskurse, für die sich Teilnehmer anmelden, dann aber nicht erscheinen. „Wir müssen uns jetzt überlegen, ob wir überhaupt noch Kurse anbieten können“, so Böhle.
Darüber hinaus werde alles auf Effizienz getrimmt. Die Krankenkassen würden den Hebammen vorwerfen, zu lange bei den Eltern und Neugeborenen zu sein, ärgert sich Böhle. „Von denen heißt es, 20 Minuten seien doch genug. Aber das reicht häufig einfach nicht.“
Dabei sei es der schönste Job der Welt und zugleich ein ungemein wichtiger für junge Eltern und Säuglinge, sagt Böhle. Umso frustrierender sei es, dass trotz der Freude an der Arbeit mit Menschen aufgrund der Rahmenbedingungen so viel Belastung entstehe.