Am PGH werden den Lehrern vom kommendem Schuljahr an wohl acht Stunden pro Woche Am PGH werden den Lehrern ab kommendem Schuljahr wohl acht Stunden f Foto: Archiv Steinert

Die Regierung streicht Lehrerstunden. Der Elternbeirat des Paracelsus-Gymnasiums fürchtet, dass Projekte und Aktionen neben dem Unterricht zu kurz kommen.

Hohenheim - Das jährliche Musical ist das Aushängeschild des Paracelsus-Gymnasiums. Der Elternbeiratsvorsitzenden Ulrich Fellmeth glaubt zwar, dass es auch in den kommenden Schuljahren weiterhin ein Musical geben wird. In Gefahr ist die Aufführung seiner Meinung nach dennoch. Denn die Landesregierung will zum morgigen 1. August als Sparmaßnahme unter anderem die Entlastungsstunden für Lehrer kürzen. Diese werden für Aufgaben benötigt, die über den Unterricht hinausgehen. Der Elternbeirat wehrt sich gegen den Beschluss und hat darum einen offenen Brief an Kultusminister Andreas Stoch (SPD) geschrieben.

In diesem drückt der Elternbeirat seine „Enttäuschung und Entrüstung über die Kürzung der Anrechnungsstunden für außerunterrichtliche Aufgaben“ aus, wie es in dem Zweiseiter heißt. „Die Kürzung betrifft uns unmittelbar und zwar genau da, wo es weh tut“, erklärt Fellmeth den Hintergrund für die Entrüstung. Die Ausgleichsstunden werden vielseitig eingesetzt: beispielsweise, wenn ein Lehrer eine naturwissenschaftliche Sammlung betreut, einen Schüleraustausch organisiert oder im Fall des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim (PGH) auch für die Hausaufgabenbetreuung.

Die Schulentwicklung wird im Kern getroffen

Arbeitsgruppen, Musikangebote wie der Chor und das Schulorchester oder die Musical-Organisation sind nicht direkt betroffen. Der Elternbeirat erwartet jedoch eine indirekte Auswirkung: Es „ist zu befürchten, dass Aktivitäten, die das Profil des PGH prägen, [...] zurückgefahren werden, um die für den Unterrichtsablauf notwendigen Sonderaufgaben sicherzustellen“, heißt es im Schreiben des Elternbeirates. „Da trifft man die Schulentwicklung im Kern“, sagt Ulrich Fellmeth.

Der Elternbeirat wäre sogar selbst betroffen. Drei Vertreter von ihm sitzen nämlich mit Schülern und Lehrern in einer Steuergruppe, in der neue Ideen entwickelt werden. Diese sollen etwa das soziale Miteinander verbessern. Auch die Gruppe läuft über die Entlastungsstunden. Sie würde also an sich auf der Kippe stehen, aber auch die Inhalte, wie Fellmeth befürchtet: „Die Lehrer sagen natürlich, dass man vorerst keine neuen Ideen und Vorschläge mehr braucht, wenn 20 Prozent der Anrechnungsstunden wegfallen“, sagt er.

Einbußen von 25 Prozent an Gymnasien

Auf alle Schularten gesehen, kürzt das Kultusministerium 14 Prozent dieser Stunden. „Im gymnasialen Bereich sollen 25 Prozent gekürzt werden“, erklärt der Schulleiter des Paracelsus-Gymnasiums, Siegfried Frey. Das würde für das Hohenheimer Gymnasium konkret rund acht Stunden pro Woche weniger bedeuten. „Das ist natürlich heftig“, sagt Frey.

Auch die Schulleitung habe ein Schreiben an das Ministerium verfasst. Über dessen Inhalt will der Schulleiter jedoch nichts sagen. „Wir haben noch nicht einmal den Erlass des Ministeriums auf dem Tisch“, sagt Siegfried Frey. Für das kommende Schuljahr habe die Schulleitung die Lehrerzuweisung „in vorauseilendem Gehorsam“ trotzdem schon mit den Kürzungen geplant. Denn die Hoffnung, dass der Protest die Sparmaßnahmen der Regierung noch einmal rückgängig machen könnte, hat der Schulleiter nicht mehr.

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