Den Bauern reicht das Entlastungspaket der Bundesregierung nicht. Aber Tier- und Naturschutz dürfen nicht untergepflügt werden, meint Redakteur Thomas Faltin.
Um markige Worte war Bauernchef Joachim Rukwied noch nie verlegen. In der Berliner Politik gebe es einen Realitätsverlust, dort fehle seit jeher der agrarpolitische Kompass, und das jetzt beschlossene Entlastungspaket des Bundes sei Lichtjahre von dem entfernt, was die Bauern wirklich bräuchten.
Alles O-Ton Rukwied. Mal ganz davon abgesehen, dass dies trotz glaubhafter Abgrenzung manchmal an AfD-Sprech erinnert, würde man sich grundsätzlich wünschen, dass diese Debatte endlich wieder mit mehr Sachlichkeit und weniger Schaum vorm Mund geführt wird. Es ist richtig, dass die Landwirte viele Bürden in Klima- und Naturschutz zu tragen haben. Und es ist richtig, dass die Bauern lange Zeit zu wenig gesellschaftliche Wertschätzung erhalten haben für ihre wichtigen Aufgaben, Lebensmittel herzustellen und die Landschaft zu schützen.
Aber genauso richtig ist es eben, dass sich die Landwirtschaft ändern muss. Eine Mehrheit der Menschen wünscht sich, dass Tiere artgerecht gehalten werden, dass das Artensterben gestoppt wird und dass unsere Lebensmittel mit möglichst wenig Pestiziden und Düngemitteln produziert werden. Viele Bauern wollen das übrigens auch und haben längst auf Bio umgestellt.
Insofern gilt es, angesichts schwindender Mittel und höherer Belastungen – davon können nicht nur die Landwirte ein bitteres Lied singen – Kompromisse zu finden. Dass die Bauern dazu bereit sind, kann man beobachten, wenn die Kameras abgeschaltet sind. Im Südwesten etwa arbeiten die Verbände konstruktiv daran mit, die Ökolandwirtschaft auszuweiten und die Pestizidmenge zu verringern. Das ist der richtige Weg.