Es herrscht Streit im DTB um die Entlassung von Daviscup-Teamchef Carsten Arriens Foto: dpa

Im Deutschen Tennis-Bund ist ein Streit über die Entlassung von Daviscup-Teamchef Carsten Arriens entbrannt. Vor allem der Präsident des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB), Ulrich Lange, geht auf Konfrontationskurs mit DTB-Vize Dirk Hordorff.

Stuttgart - Auf der Suche nach guten Nachrichten rund um den Deutschen Tennis-Bund (DTB) muss man in diesen Tagen lange suchen. Vielleicht ist das eine? Die Daviscup-Erstrundenpartie gegen Frankreich in Frankfurt am ersten März-Wochenende findet statt – zumindest ist nichts Gegenteiliges bekannt. Das war’s aber schon an positiven Informationen aus dem mit 1,5 Millionen Mitgliedern größten Tennisverband der Welt. Ansonsten herrscht Unruhe im DTB.

Im Fokus steht, wie das Tennis-Magazin berichtet, der im neuen Präsidium für den Leistungssport zuständige Vize-Präsident Dirk Hordorff. Geht es nach dem Verbandschef des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB), Ulrich Lange, soll der seinen Hut nehmen. Nicht mal vier Monate nach Hordorffs Amtsantritt will Lange bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main am 7. März den Vize des Amtes entheben lassen. „Wir haben einen Antrag auf Abwahl gestellt, weil wir es für untragbar halten, wie die Entlassung von Daviscup-Kapitän Carsten Arriens gehandhabt wurde“, bestätigte der WTB-Verbandschef. Dafür reiche eine einfache Mehrheit.

Doch was war passiert? Carsten Arriens wurde Anfang des Monats entlassen, weil den DTB-Verantwortlichen sein Umgang mit dem von ihm im Vorjahr suspendierten Philipp Kohlschreiber missfallen hatte. Während der Australian Open war es in Melbourne nicht zu einem Treffen zwischen Arriens und Kohlschreiber im Beisein von Hordorff gekommen. Dies hatte den DTB wohl zur Trennung vom 45-Jährigen bewogen.

Allerdings hatte der DTB am Dienstag in einer Pressemitteilung selbst eingeräumt, dass Arriens das Treffen nicht habe platzen lassen. In der von beiden Seiten abgestimmten Erklärung ist sogar von einer „Richtigstellung“ die Rede. Arriens habe stattdessen vor den Australian Open klar gemacht, dass er „keine Notwendigkeit sehe, dass ein Gespräch mit einem seiner Spieler von dritter Seite moderiert werde.“ Trotzdem setzte der Verband Arriens vor die Tür. Für Ulrich Lange „ein untragbarer Zustand“.

Dem nicht genug: Der entlassene Daviscup-Kapitän holte trotz vereinbarten Stillschweigens zum Rundumschlag aus. „Was geschehen ist, kann nicht im Sinne des deutschen Tennis sein“, sagte Arriens der „Süddeutschen Zeitung“ und kritisierte indirekt auch Hordorff: „Ich sollte organisieren, dass Philipp wieder spielt – ohne Vorbedingungen. Er sollte auch das Betreuerteam mit auswählen. Das alles war für mich nicht akzeptabel.“

Jedoch: Nicht die Aussagen ihres ehemaligen Teamchefs – „sie haben mehr die Qualität eines Romans als die eines Tatsachenberichtes“, wie Dirk Hordorff befand – ärgern die Granden im DTB, sondern der Vorstoß des WTB. „Herr Lange schadet mit seinem Handeln wiederholt dem DTB sowie dem WTB“, echauffierte sich Vize-Präsident Hordorff, um dann mit Blick auf den Abwahlantrag anzumerken: „Nirgendwo steht ja geschrieben, dass Anträge sinnvoll sein müssen.“

Auch der Bundesausschuss-Vorsitzende Helmut Schmidbauer schimpfte über das Vorgehen von Lange: „Wir haben im deutschen Tennis weiß Gott andere Probleme. Ich denke, der Antrag wird keine Mehrheit finden.“ Selbst DTB-Präsident Ulrich Klaus, eigentlich ein Freund von Lange, meinte: „Wenn es keine negativen Schlagzeilen gibt, dann produzieren wir sie selbst.“ Keine Frage: Es gärt gewaltig im Deutschen Tennis-Bund. Weitere schlechte Nachrichten sind jedenfalls fast schon garantiert.

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