Entlang der A 7 Von Sahnehäubchen und Mammutzähnen

Von Jürgen Bock 

Ganz im Süden: Entlang der Autobahn 7 finden auch Kunst und Archäologie ihren Platz.  

Dettingen - Zwei Wochen ist unser Autor unterwegs auf Deutschlands längster Autobahn, der A7. An der Kunstraststätte Illertal gibt es einen Architekturlehrgang.

Autobahnen sind was für Eilige. Kultur und Wissenschaft würde man hier kaum vermuten. Und doch lohnt es sich, die Augen offen zu halten - und auch mal einen Rastplatz anzusteuern, wenn weder der Magen knurrt noch die Blase drückt. Gleich zwei Gelegenheiten bieten sich dazu im Schwäbischen, entlang der Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Hier wechselt man auf der A 7 ständig zwischen den Ländern hin und her. Station eins ist die Raststätte Lonetal Ost bei Heidenheim. Wer aus Norden kommt, muss an der nächsten Abfahrt raus und dann die Seite wechseln. Vor dem Gebäude erwartet den Besucher eine große Plastik, die ein winziges Mammut und einen riesigen Stoßzahn in Originalgröße darstellt. Das Kunstwerk von Angelika Wetzel aus dem Jahr 1992 verknüpft Kunst und Archäologie: Es verweist auf die bedeutsamen Funde in der näheren Umgebung, von denen manche zu den ältesten gehören, die es überhaupt gibt. Ein Abstecher zu Höhlen und Tälern würde sich hier lohnen.

Doch die Fahrt geht weiter Richtung Süden. Kurz hinter Ulm tauchen plötzlich Türmchen und Spitzen an der Autobahn auf. Sie gehören zur Raststätte Illertal Ost und tragen Namen wie Maiskolben, Eistüte und Sahnehäubchen. Der wilde Architekturmix aus verschiedenen Ländern und Stilen bildet die einzige Kunstraststätte Deutschlands. Eingeweiht worden ist sie 1997, verantwortlich dafür zeichnet der österreichische Architekt und Maler Herbert Maierhofer. Ein bisschen erinnert die Optik an die Werke Hundertwassers.

Vor der Tür nehmen die zwölf Tierkreiszeichen, eine wilde Mischung bunter Kreaturen, die Besucher in Empfang. Die Linien sind geschwungen, ein bisschen Orient mischt sich zum Okzident, drinnen setzt sich der Stilmix mit bunten Kacheln und Designer-Toiletten fort. Die Raststätte ist so außergewöhnlich, dass hier sogar schon Hochzeiten gefeiert worden sind.

"Wir haben sehr viel Zuspruch von Gästen", sagt Egon Bick. Kunstinteressierte kämen schon mal nur zum Schauen. "Viel liegt im Detail", weiß der Standortleiter, "wenn man reinkommt, ist erst einmal alles bunt. Dann erst entdeckt man Deckenmalereien und Mosaike." Die Pflege der Raststätte freilich ist aufwendig und teuer. "Kunst und Funktionalität passen halt nicht immer zusammen", sagt Bick. Doch viele Autofahrer schätzen das Gesamterlebnis: Der Blick beim Betreten geht zumeist nach oben.

Lesen Sie jetzt