Speziell die Notärzte im Land tun sich schwer, gesetzliche Vorgaben einzuhalten. In nur drei der 34 Rettungsdienstbereiche haben sie das 2014 geschafft Foto: dpa

Die Zahl der Rettungseinsätze im Land steigt. Doch die Helfer können die gesetzlichen Vorgaben immer seltener einhalten. Die Landesregierung will Druck bei den Krankenkassen machen.

Stuttgart - Zu 1,2 Millionen Notfällen sind die Rettungsdienste im Land im vergangenen Jahr ausgerückt. 250 000 Mal war ein Notarzt im Einsatz. Das ist ein Anstieg um drei Prozent. Doch immer seltener schaffen es die Retter, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. In 95 Prozent aller Fälle müssen sie in höchstens 15 Minuten am Einsatzort sein.

Diese Hürde ist 2014 in den meisten der 34 Rettungsdienstbereiche im Land gerissen worden. Nur in drei davon haben die Notärzte die Kriterien erfüllt, im Jahr zuvor waren es noch fünf gewesen. Bei den Rettungswagen ist gar ein Rückgang von 15 auf acht zu verzeichnen. Nur Stuttgart, Konstanz und der Rems-Murr-Kreis waren vorbildlich.

Die schlechten Zahlen haben für das Innenministerium aber auch Gutes. Zum ersten Mal sind sie von einer neuen Qualitätssicherungsstelle erfasst worden. Die Datenerhebung sei deshalb nun landesweit einheitlich und mit den Zahlen aus den Vorjahren nicht direkt zu vergleichen, heißt es im Ministerium. „Mit dieser bundesweit einmaligen Stelle können wir klare Fakten zur gesamten Rettungskette erhalten“, sagt Innenminister Reinhold Gall (SPD).

Man wolle auf dieser Basis die zuständigen Behörden und Krankenkassen auffordern, für die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist zu sorgen. Das bedeutet vor allem zusätzliche Fahrzeuge. Ziel aller Beteiligten müsse eine möglichst optimale Versorgung sein.

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef im Landtag Peter Hauk wirft der Landesregierung dagegen Versagen vor: „Es geht um Menschenleben und um die Gesundheit. Da ist Nicht-Handeln nicht mehr spaßig, sondern grob fahrlässig.“ Die Fristen würden inzwischen fast nirgendwo im Land mehr erreicht – und mit einem neuen Gesetz wolle Grün-Rot sie zudem weiter aufweichen.

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