Christian und Lynn Hazlewood führen seit drei Jahren den English Tearoom. Foto: Nina Ayerle

Lynn und Christian Hazlewood führen seit drei Jahren im Heusteigviertel ihren English Tearoom.

Heusteigviertel - Tee gibt es eigentlich in jedem Supermarkt zu kaufen. Doch was der gemeine Verbraucher unter Tee versteht, hat für Lynn und Christian Hazlewood mitnichten etwas mit Tee zu tun. Das Ehepaar aus England betreibt im Heusteigviertel den English Tearoom. Als sie vor knapp drei Jahren, am Hochzeitstag von Prinz William und Kate Middleton, ihren Laden eröffneten, hatten sie das Ziel, den Deutschen eine Teekultur zu vermitteln. „Es gibt nicht mal Cafés, die richtigen Tee anbieten“, klagt Lynn Hazlewood.

Seit April 2011 haben sie den kleinen Shop in der Weißenburgstraße 29. Versteckt zwischen den anderen Häusern ist der Eingang, aber die englische Flagge vor der Tür ist von Weitem schon zu sehen. Unzählige Sorten Tee stapeln sich in den Regalen – grüner, weißer und schwarzer Tee. Alle Sorten seien von der Teepflanze und handverlesen, sagen die Hazlewoods. Die unterschiedliche Zubereitung mache am Ende die Teesorte aus. Früchte- oder Kräutertees finden sich darunter kaum. „Das ist kein real tea“, sagt Lynn Hazlewood strikt. In ihrem Teashop finden sich nur ein paar geduldete Sorten davon. Weil manche Kunden sie eben haben wollen, sagt sie.

Stuttgart war eher ein Zufall

Der eigene Teeladen war keineswegs der lange gehegte Lebenstraum von Lynn Hazlewood. „Anfangs war Tee ein Hobby von meinem Mann“, erzählt sie. Seit mehr als 30 Jahren sind die beiden verheiratet. Vor knapp neun Jahren kam Lynn aus beruflichen Gründen nach Stuttgart. „Das war eher ein Zufall“, sagt die 52-Jährige. Ihr Mann habe anfangs im Spaß gesagt, wenn es ihr gefalle, komme er nach. „Zehn Tage später war er mit dem voll geladenen Auto in Deutschland“, sagt sie und lacht. Gleich von Beginn an haben sich die beiden Engländer in der Schwabenmetropole wohl gefühlt. „Stuttgart ist so schön und hat eine hohe Lebensqualität“, schwärmen die beiden. Längst haben sie die Schwaben schätzen gelernt. „Anfangs haben uns alle gesagt, die wären komisch“, sagt der 51-Jährige Christian und lacht. Aber sie hätten nur positive Erfahrungen gemacht.

Die Idee mit dem Teeladen entwickelte sich allmählich. Christian Hazlewood war ein leidenschaftlicher Teetrinker – wie viele Engländer. Allerdings sei er immer enttäuscht gewesen, dass er Tees, die er gerne trinken wollte, nirgends gefunden habe, erzählt seine Frau. „Im Internet konnte man damals noch nicht bestellen.“

Immer mehr Menschen legen Wert auf gutes Essen und Trinken

Drei Jahre haben sie sich damals als zeitlichen Rahmen gesetzt. Dann sollte der Tearoom laufen, erzählt Lynn Hazlewood. Nachdem die Räumlichkeiten im Heusteigviertel gefunden waren, habe ihr Mann den Laden liebevoll saniert und eingerichtet. Fast alles haben sie selbst gemacht. „Das war uns sehr wichtig“, betont Lynn. Die Räume seien nun perfekt. Mit der Entwicklung des Ladens seien sie ebenfalls zufrieden. Dabei haben sie ganz klein angefangen, ergänzt ihr Mann. Ganz ohne Werbung und nur über Mund-zu-Mund-Propaganda hätten sie sich einen Namen gemacht. Inzwischen hat der English Tearoom einen großen Kreis an treuen Stammkunden. Christian Hazlewood erklärt sich das auch so: „Immer mehr Leute legen Wert darauf, zu wissen, wo ihr Essen und Trinken herkommt.“ Auch hätten viele Leute die Nase voll von Kettenläden, meint er. Deswegen werden es immer mehr, die, wenn die englische Flagge draußen im Wind weht, einfach mal hereinschauen. Denn dann ist geöffnet. „Wie im Buckingham Palace, wenn die Queen da ist“, sagt Christian Hazlewood.

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