Seite 2Engelbergtunnel Täglich 100.000 Autos

Von Götz Schultheiss  

 

Die Gründe für den Ausbau des Engelbergtunnels in den 1990er-Jahren waren mannigfach: weniger Lärm, mehr Sicherheit und zügig fließender Verkehr. All dies war ganz im Sinne der Anliegergemeinden, des Landes und vor allem des Bundes.

Um diese Ziele zu erreichen, verringerten Ingenieure und Bauarbeiter durch einen Basistunnel den Anstiegswinkel von sechs Prozent in den oberen Engelbergtunnel und erweiterten die A 81 von vier Spuren ohne Standstreifen auf eine sechsspurige Autobahn mit Standstreifen. Heute fahren im Durchschnitt täglich mehr als 100. 000 Autos durch das rund 2,5 Kilometer lange Bauwerk, dessen Vorgänger Leonberg teilte.

Zur Minderung des Lärms wurden eigens die Tunnelportale vorgezogen. Anders als beim Heslacher Tunnel oder beim S-Bahn-Tunnel zwischen Vaihingen und dem Stuttgarter Westen, wo ebenfalls durch Gipskeuper gebohrt werden musste, offenbarte der an Anhydrit reiche Untergrund seine Tücken. Anhydrit, eine Vorstufe von Gips, dehnt sich um bis zu 50 Prozent seines ursprünglichen Volumens aus, wenn es mit Wasser in Berührung kommt - und Wasser ist beim Bau des Engelbergtunnels in rauen Mengen aus dem Berg geflossen. Deshalb wurde die Betonarmierung statt der geplanten 70 Zentimeter drei Meter dick und proportional stiegen die Kosten um etwa 40 Prozent auf 435 Millionen Euro.

Aber nicht nur den Gipskeuper bringt das Wasser immer wieder zum Aufquellen, im Winter bilden Wassereinbrüche Eiszapfen im Tunnel. Um zu vermeiden, dass Eisspeere auf Autos fallen, musste der Tunnel schon mal kurzfristig gesperrt werden.

 

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