Hunderte Rettungskräfte waren beim Feuer im Engelbergtunnel im Einsatz – fast alle ehrenamtlich. Für diese starke Leistung sollten alle dankbar sein, meint Ulrike Otto.
Ein bisschen ist es wie im Klaus-Lage-Klassiker „1000 und 1 Nacht“ aus dem Jahr 1984: Tausend Mal ist nix passiert. Doch am Dienstag vergangener Woche hat es plötzlich „Boom“ gemacht. Tausende Tage vergingen ohne größere Vorkommnisse, dutzende Male war es, dass zwar die Brandmeldeanlage im Engelbergtunnel angeschlagen hat, aber es gab kein folgenschweres Feuer.
Doch diesmal ist es bitterer Ernst. Aus dem Nordportal und den Entlüftungsschächten dringt an jenem Nachmittag eine mehr als 100 Meter hohe Rauchwolke empor. Ein Sattelschlepper-Anhänger, beladen mit Kühlschränken, brennt lichterloh.
Der zweitgrößte Brandeinsatz für die Feuerwehr in Leonberg
Es ist der größte Brand, den es je im Engelbergtunnel gegeben hat – und der wohl zweitgrößte Einsatz für Rettungskräfte in der Region nach dem Brand in der Vergärungsanlage Leonberg vor sieben Jahren.
Mehr als 400 Einsatzkräfte – mehrere Feuerwehren, die Polizei, Rettungsdienste wie das Deutsche Rote Kreuz oder der Arbeiter-Samariter-Bund, das Technische Hilfswerk THW – sind rund um das Feuer im Tunnel im Einsatz. Ein Rädchen greift ins andere. Abläufe, die in unzähligen Übungen geprobt und verinnerlicht wurden, müssen sitzen. Jede Einheit kennt ihre Rolle, ihre Aufgaben. Andernfalls steht das Leben oder Wohlergehen von Menschen auf dem Spiel.
Dass es an diesem Tag funktioniert, als aus Theorie Realität wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Zwei Menschen erleiden schwere Rauchgasvergiftungen. Ohne den schnellen Einsatz der Feuerwehren hätten sie es vielleicht nicht rechtzeitig aus dem Tunnel geschafft. Zumal die Gefahr für die Retter selbst allgegenwärtig ist.
Wer im Alltag durch den Engelbergtunnel fährt, macht sich in der Regel keine Gedanken über das dazugehörige Sicherheitsnetz. Man nimmt vielleicht die Überwachungskameras wahr, sieht die Fluchttüren, Schilder und Leitungen. Das menschliche Schutzschild dahinter wird jedoch nur offenbar, wenn der Ernstfall da ist.
Sehr beeindruckend ist die Tatsache, dass bei den gut 400 Einsatzkräften die Zahl der Helfer gering war, deren Hauptberuf das ist. Die Polizisten, die Notärzte und Notfallsanitäter, die hauptamtlichen Feuerwehrkommandanten, sie sind selbstverständlich elementar. Aber so ein Einsatz ohne hunderte ehrenamtlicher Helfer bei Feuerwehren, Sanitäts- und Versorgungsdiensten – das will man sich besser nicht vorstellen.
Der Engelbergtunnel ist mehr als ein Loch im Berg. Er ist eine pulsierende Lebensader in unserer Region, wie das Verkehrschaos in Folge der Sperrung zeigt. Dass diese Lebensader geschützt wird von Menschen, die das freiwillig und mit viel Können tun, diese Gewissheit ist unbezahlbar. Darauf können alle stolz sein – und dankbar.
Und das sollten wir Nutznießer auch sagen und zeigen. Indem wir zum Beispiel selbst aktiv werden in den verschiedenen Organisationen. Indem wir andere ermutigen, die darüber nachdenken. Indem wir als Arbeitgeber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freistellen für diese Ehrenämter.
Genügend und gut ausgebildete Retter geben Sicherheit
Indem wir Feste und andere Aktivitäten besuchen, mit denen diese Organisationen Einnahmen generieren. Indem wir unsere Kommunen und Lokalpolitiker in die Verantwortung nehmen, die lokalen Hilfsorganisationen angemessen zu unterstützen.
Denn wenn der Tunnelschaden in einigen Wochen vollständig repariert ist und der Verkehr wieder normal läuft, wollen wir doch alle wieder durchfahren mit dem Gefühl: Im Fall der Fälle sind da Menschen, die retten und helfen. Die entsprechend ausgerüstet sind. Und die wissen, was sie da tun.
Dieses Gefühl der Sicherheit ist unbezahlbar. Und die Gemeinschaft, die das leistet, unersetzlich.