Zu heiß? Die Ditzinger Feuerwehr kontrolliert die Temperatur eines Gefahrgutlasters. Foto: KS-Images/Andreas Rometsch

Die Feuerwehr Ditzingen hat ihre liebe Not mit dem Lkw-Thermoscanner vor dem Engelbergtunnel. Könnte eine Schrankenanlage Abhilfe schaffen? Und wer bezahlt überhaupt die Einsätze?

Was tun, wenn man als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen wird – der Grund für den Alarm aber schlichtweg nicht mehr da ist? So geht es den Helferinnen und Helfern der Ditzinger Feuerwehr derzeit ein ums andere Mal bei der Thermoscan-Anlage, die auf dem Autobahnparkplatz Engelberg in Fahrtrichtung Singen/Karlsruhe steht. Dort, unmittelbar vor der Einfahrt in die Weströhre des Engelbergtunnels, sollen eigentlich Gefahrgutlaster automatisch auf überhitzte Teile kontrolliert werden.

 

Manche Lasterfahrer machen sich aus dem Staub

Nur fehlt von den erfassten Lkw beim Eintreffen der Wehr häufig jede Spur, auch wenn die Ampel auf Rot steht. Das ist ein weiteres Ärgernis, mit dem sich die Ditzinger Feuerwehr herumplagen muss. Insgesamt musste sie in diesem Jahr bis jetzt 16-mal zur Scan-Anlage ausrücken. Die Leonberger Wehr, von der im Juni 2024 die „Betreuung“ des Scanners übernommen wurde, war in drei Jahren lediglich fünfmal vor Ort – dreimal davon zurecht.

Derzeit müssen die Einsatzkräfte nur in wenigen Fällen überhaupt in irgendeiner Weise tätig werden, abgesehen vom nochmaligen Messen der Temperatur. Wenn denn noch ein Lastwagen an Ort und Stelle ist.

Auch nachts: Die Ditzinger Feuerwehr scannt die Temperatur. Foto: KS-Images/Andreas Rometsch

Würde eine Schranke helfen? Nachgefragt bei der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest. Die Tochterfirma des Bundes betreibt sowohl die Trasse der A 81 als auch den Engelbergtunnel – und laut der stellvertretenden Pressesprecherin Linda Mayer halte man die Installation von Schranken am Thermoscanner aktuell nicht für sinnvoll. „Es ist zu bedenken, dass Schranken nicht die Akzeptanz erhöhen, da sie beschädigt beziehungsweise ebenso wie das Rotlicht ignoriert werden können“, so Mayer. Man werde die Situation aber weiter beobachten.

Fährt ein Gefahrgut-Laster trotz roter Ampel einfach weiter, ist das laut Yvonne Schächtele, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, ein sogenannter Rotlichtverstoß. Auch wenn es theoretisch katastrophale Folgen haben könnte, sollte ein Laster mit leicht brennbarer Fracht tatsächlich ausgerechnet im Tunnel Feuer fangen – einen gesonderten Tatbestand gibt es dafür nicht. „Im Regelfall wird ein solcher Verstoß mit einem Bußgeld von 90 Euro und einem Punkt ‚in Flensburg’ geahndet. Oder, wenn die Ampel länger als eine Sekunde rot gezeigt hat, mit einem Bußgeld von 200 Euro, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot“, erläutert Schächtele.

Wer bezahlt die Einsätze der Feuerwehr?

Es kann momentan also durchaus frustrierend sein, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen zu sein. Doch wer bezahlt die Thermoscanner-Einsätze überhaupt? Eine Antwort gibt’s von Linda Mayer: „Wenn ein Fahrzeug einen tatsächlichen Defekt aufweist und die Feuerwehr aktiv werden muss, zum Beispiel um zu kühlen, dann werden die Kosten dem Fahrzeughalter in Rechnung gestellt.“ Ansonsten übernehme die Autobahn GmbH die Kosten. Kann ein Laster ermittelt werden, nachdem er das Rotlicht ignoriert hat, bekommt er ebenfalls Post mit einer Rechnung.

Vielleicht wird ja bald alles besser, weil die Grenzwerte der Temperaturmessgeräte justiert werden? „Wir sind gerade dabei, mit dem Hersteller eine Analyse der bisherigen und aktuellen Messungen vorzunehmen“, sagt Mayer. „Derzeit können wir noch keine Aussagen über die aktuelle Häufung treffen.“ Die Temperaturwerte wurden vom Schweizer Bundesamt für Straßen (Astra) und der Herstellerfirma der Thermoscan-Anlage im Rahmen einer zweijährigen Studie ermittelt.

Nicht nur die Feuerwehr, auch die Polizei ist am Thermoscanner gefragt

Übrigens: Die Polizei muss bei jedem Scanner-Alarm ebenfalls anrücken. „Die Polizei kann ihre Einsatzkräfte, die bei entsprechenden Alarmen den Parkplatz Engelberg anfahren, aus den rund und um die Uhr im Dienst befindlichen Kolleginnen und Kollegen der Schichtdienstgruppen der Verkehrspolizeiinspektion Ludwigsburg rekrutieren“, erklärt Yvonne Schächtele. Im Regelfall seien die Einsatzkräfte ohnehin auf der Autobahn unterwegs, „um ihre vielfältigen Aufgaben wahrzunehmen“. Auch die Überprüfung des Thermoscanners sowie dort aufgefallener Fahrzeuge gehöre zu diesen Aufgaben.

Funktion der Scanner

Erfassung
Die Gefahrguttransporte werden vor dem Tunnel mit reduzierter Geschwindigkeit auf den Parkplatz geleitet. Dort sind Spezialkameras installiert, die Wärme erkennen und die Fahrzeuge auf Überhitzungen scannen. Stellt das System eine ungewöhnliche Hitzeentwicklung fest, wird der Lkw vor der Einfahrt in den Tunnel per Lichtzeichen gestoppt. Automatisiert geht ein Alarm an Feuerwehr und Polizei, die den Laster überprüfen.

Zahlen
Innerhalb von 24 Stunden passieren durchschnittlich 150 Gefahrguttransporter die Thermoscan-Anlage.