Seit 2016 laufen bereits die Vorarbeiten um die Engelbergtunnel auf der A 81 herum. Foto: factum/Granville

Gearbeitet wird schon seit anderthalb Jahren am Engelbergtunnel auf der A 81. In den Röhren geht es aber erst nächstes Jahr los.

Leonberg - Ein kleiner Kristall mit großer Wirkung. Anhydrit heißt das Material und es kostet 135 Millionen Euro. Denn so teuer wird die Sanierung des Engelbergtunnels in dem Bereich, in dem eben jenes durch Wasser aufquellende Anhydrit auf die Röhren drückt.

Fünf Jahre haben die Planer beim zuständigen Regierungspräsidium (RP) Stuttgart für die aufwendige Sanierung veranschlagt. Seit 2016 laufen bereits die Vorarbeiten um die Tunnel herum. In den Röhren selbst soll erst von 2020 an gearbeitet werden. Den Zeitplan hatte das RP mehrfach verändert, die Arbeiten im Tunnel zwei Mal nach hinten verschoben.

Operation am offenen Herzen

Der frühere Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler hatte das Vorhaben vor zwei Jahren mal mit „einer Operation am offenen Herzen“ verglichen. Der Engelbergtunnel, als Teil der A 81, ist als einzige Nord-Süd-Autobahnverbindung eine der zwei Hauptschlagadern des Verkehrs in der Region Stuttgart. Ist er verstopft, kommt es leicht zum Verkehrsinfarkt. Immerhin fahren hier an einem normalen Tag 120 000 Fahrzeuge hindurch. Deshalb sollen während der Bauzeit alle drei Spuren in beiden Röhren frei bleiben und nur verengt werden. Ursprünglich war geplant, nacheinander an den Röhren zu arbeiten. Dabei wäre eine Richtung komplett gesperrt gewesen, in der anderen wäre der Verkehr aus beiden Richtungen geflossen, allerdings auf weniger Spuren.

Drei Spuren bleiben erhalten

Auch nach Protesten aus den umliegenden Kommunen hat man sich beim RP schließlich dagegen entschieden. Gebaut wird nun gleichzeitig in beiden Röhren. „Die Baustelle wird so eingehaust, dass die Autofahrer nur wenig mitbekommen und auch nicht abgelenkt werden. Das ist auch sicherer für die Arbeiter“, sagt Enrico Hinz, der zuständige Projektplaner beim RP. Damit wird aber auch die Zeit verkürzt, in der überhaupt im Tunnel gearbeitet werden muss. Mit fünf Jahren gibt das Regierungspräsidium die Gesamtbauzeit an, ein Abschluss war für 2022 anvisiert.

Durch den Bau des Basistunnels vor 20 Jahren ist nach und nach Wasser in die tiefe Region des Berges eingedrungen, welches das Anhydrit langsam zu Gips aufquellen lässt. Dabei kann das Volumen um bis zu 50 Prozent zulegen. Im Falle Engelberg – die Schicht befindet sich in direkter Linie unter der Bergspitze – drückt das Mineral auf beide Tunnelröhren.

Röhren werden verstärkt

Drei Mal sind diese bereits verstärkt oder ausgebessert worden. Jetzt steht die vierte Sanierung wegen des Anhydrits an, diesmal auf einer Länge von 450 Metern. Die Röhren sollen dabei von innen mit weiterem Beton verstärkt werden, um dem Druck standzuhalten. Teilweise sind diese jetzt schon drei Meter dick. Außerdem wird eine Zwischendecke eingebaut, die Druck abhalten soll. Die anstehende Verstärkung soll den Tunnel dauerhaft stabilisieren, hoffen die Planer.

Das Anhydrit schwelle mittlerweile auch langsamer an, haben die Planer bereits im April 2017 verkündet. Es bleibt also die Hoffnung, dass dies auch auf lange Zeit die letzte Anhydrit-Sanierung ist.

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