Das zwölfte Engelbergsteigen der regionalen Gruppe des Deutschen Alpenvereins bringt einen Hauch Alpinismus in die Stadt.
Zwar sind die richtig hohen Berge weit weg, doch wer von es von der Stadt auf den 481 Meter hohen Engelberg schafft, hat auch schon etwa 100 Höhenmeter bewältigt, schätzt Alex Metzler. Er muss es wissen, denn er ist nicht nur langjähriger Bergsteiger, sondern auch Vorsitzender der Bezirksgruppe Leonberg der Sektion Stuttgart des Deutschen Alpenvereins (DAV). Zusammen mit rund 30 Aktiven hat er am Sonntag zahlreichen Neugierigen beim inzwischen zwölften Engelbergsteigen so manches rund um das Bergsteigen nähergebracht.
Vor allem Familien mit Kindern haben den Weg auf die Engelbergwiese gefunden. Denn was gibt es für die Kleinen Größeres, als einmal wie richtige Bergsteiger gesichert im Seil zu hängen und in die Höhe zu steigen. Das geht besonders gut an der hohen Kletterwand, an der die jüngeren Kinder scheinbar mühelos hochsteigen, während die Älteren bedächtiger nach den passenden Griffen suchen. Alle jedoch sind durch Klettergurt und Halteseil gesichert, damit ein Fehltritt keine schlimmen Folgen hat.
Die Kinder fühlen sich in der Kletterwand pudelwohl
Eine echte Rettungsaktion im Gebirge haben Gisela und Alex Metzler vor rund 25 Jahren beobachtet. „Die war sehr aufwendig, auch mit Hubschrauber“, erinnert sich Gisela Metzler. „Damals haben wir uns entschlossen, Mitglied im Alpenverein zu werden, denn da ist im Notfall eine solche Bergung eingeschlossen.“ Etwa so lange besteht die Bezirksgruppe, die in der Stadt Leonberg rund 800 und im näheren Umkreis etwa 2500 Mitglieder hat. Diese sind gemeinsam auf Ski-, Kletter- und Hüttentouren unterwegs, treffen sich monatlich zu Gruppenabenden und organisieren für Kinder von sieben bis zwölf Jahren in der Georgii-Halle in Leonberg wöchentlich ein Klettertraining, das so beliebt ist, dass der Verein eine Warteliste führt. Auch das Engelbergsteigen bietet einige Möglichkeiten, etwas vom alpines Bergsteigerflair zu schnuppern. Neben dem Kletterturm lockt besondern eine Station Neugierige und Wagemutige gleichermaßen an – das Prusiken. Das ist eine Technik, bei der sich beispielsweise in Gletscherspalten Abgestürzte mithilfe von gesicherten Seilen und mit eigener Kraft nach oben ziehen können. Dazu wird ein spezieller Knoten verwendet, den der österreichische Alpinist Karl Prusik erfunden hat. Auch hierbei sind die Kinder wieder flink dabei und haben die Technik, die etwas an Koordination und Kraft erfordert, rasch begriffen – zwei achtjährige Mädchen machen das eindrucksvoll vor, während eine Vierjährige daran noch scheitert. Groß und Klein üben auf der Slackline ihr Gleichgewicht, beim Bergsteigen eine wichtige Sache, erklärt Alex Metzler.
Die DAV-Mitglieder demonstrieren den Besuchern, wie Lawinenpiepser funktionieren, aber sie üben das auch selbst regelmäßig und bieten Kurse dazu an. Die Sicherheit sei im Bergsport ganz zentral, so Alex Metzler. Durch den Klimawandel würden auch Gletschertouren gefährlicher. Florian Steiner, der selbst viel in Gletscherregionen wandert, demonstriert, wie eine Rettung aus einer Gletscherspalte funktioniert, wenn die Person etwa verletzt ist. Seile, Karabinerhaken, Eispickel und -schrauben – viel Material tragen die Bergsteiger für den Fall der Fälle mit sich. „Man muss das immer wieder üben“, so Florian Steiner.
Auch die Stadtrallye gehört zum Engelbergsteigen
Nicht nur Seil und Haken spielen eine Rolle beim Engelbergsteigen, sondern die Besucher werden mit einer Stadtrallye auf einen fünf Kilometer langen Rundkurs vom Engelberg hinunter in die Altstadt und wieder zurück geschickt. Dabei gilt es, an 15 Stationen Fragen zu beantworten, die von Bernadette Gramm, der früheren Stadtarchivarin, zusammengetragen wurden. Eine fragt etwa nach einem Projekt auf der alten Autobahntrasse, das der DAV angeregt hat – einen Boulderblock, den die Stadt gerade errichtet. Dieser wird öffentlich zugänglich sein und soll laut Alex Metzler älteren Jugendlichen die Möglichkeit zum Klettern geben, allerdings ohne Sicherung.