Monika Bendle und Manfred Augmann haben sich beide ausbilden lassen. Foto: Roberto Bulgrin

Bereits zum dritten Mal wurden in Esslingen ehrenamtliche Nachbarschaftslotsen ausgebildet. Sie sollen Stützen für Hilfsbedürftige sein und ältere Menschen zusammenbringen. Wie funktioniert das Konzept?

Das starke Bedürfnis, helfen zu wollen, aber nicht zu wissen wie, ist eigenem Bekunden nach der Antrieb von Romy Kaiser gewesen, sich als Nachbarschaftslotsin ausbilden zu lassen. Die Esslingerin arbeitet beim ambulanten Pflegedienst und wird bei ihrer Arbeit täglich mit der Hilflosigkeit und Einsamkeit älterer Menschen konfrontiert. „Ich hab mich lange gefragt, wie ich diesen Menschen konkret zusätzlich helfen kann.“ Vor rund vier Jahren begann sie dann ihre Ausbildung und war damit eine der ersten ehrenamtlichen Nachbarschaftlotsinnen in Esslingen.

 

Das Projekt, das von der Esslinger Wohnungsbau GmbH in Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft Esslingen, der Flüwo Bauen Wohnen und dem Verein Integrative Wohnformen gegründet wurde, wurde nun auch im Quartier Plochinger Straße in Esslingen-Birkenhof ins Leben gerufen. Am Mittwoch, 22. November, wurde die dritte Gruppe Nachbarschaftslotsen ausgezeichnet und der offizielle Abschluss des Schulungsdurchgangs im Wohncafé Birkenhof gefeiert. „Ein Lotse ist in erster Linie ein Ansprechpartner und hilft bei kleinen Fragen und Problemen“, sagt Dagmar Lust, die Geschäftsstellenleiterin vom Verein Integrative Wohnformen. Manchmal sei es auch nur der Hinweis, wo der nächste Spielenachmittag stattfindet.

Ziel der Schulung sei es, dass sich Bürger aktiv in ihrem Stadtteil einbringen und miteinander in Kontakt kommen. „Dafür bieten wir ihnen eine siebenteilige modulare Qualifizierung mit Inhalten wie Gesprächsführung, Akute Erkrankungen und Notfälle, Informationen über die Hilfsangebote im Quartier und Ähnliches“, erklärt Lust. Seit April trafen sich die sieben Erwachsenen alle paar Wochen, um sich auf ihre neue Rolle als Nachbarschaftslotsen vorzubereiten und sie bekamen dabei Hilfestellung von Experten. Vor allem die Tipps zur Gesprächsführung seien hilfreich gewesen, erzählt Monika Bendle, eine Teilnehmerin des dritten Lehrgangs. „Ich wusste nicht genau, wie ich die älteren Leute ansprechen soll. Und ich glaube Einigen geht es auch so.“

Durch die Schulungen habe sie Sicherheit für solche Situationen gewonnen und die Hemmschwelle sei gesunken. Außerdem sei es toll, einen Überblick zu erhalten, welche Hilfsangebote es in der Nachbarschaft gibt, um den Menschen direkt die richtige Stelle empfehlen zu können.

Halbjährige Ausbildung

Mitbringen sollten Nachbarschaftslotsen vor allem Empathie und ein offenes Ohr. Der Einsatzort der Lotsen sei das ganze Quartier, erläutert Michael Greco von der Flüwo Stiftung, der als Quartiersmanager in Esslingen-Birkenhof regelmäßig Menschen zusammenbringt. „Nachbarschaftslotsen agieren überall dort, wo Menschen ins Gespräch kommen – sei es auf der Straße, im Supermarkt oder auf einer Parkbank“, sagt Greco und bezeichnet die Schulungsteilnehmenden als „wichtige Stellfaktoren gegen die Vereinsamung“.

Gesicherte Zukunft

Auch für den Rentner Manfred Augmann, der sich bereits seit einigen Jahren im Wohncafé engagiert, war das Zusammenbringen von Menschen der entscheidende Beweggrund, Nachbarschaftslotse zu werden. Mit seinem persönlichen Leitsatz „jeden Tag eine gute Tat“ möchte er Angebote für Senioren schaffen und Lebensfreude verbreiten. Romy Kaiser aus dem ersten Lehrgang konnte das – etwa mit ihren Malkursen – bereits umsetzen. Zu erkennen sind die ehrenamtlichen Nachbarschaftslotsen an ihren Jutebeuteln mit einem orangenen Logo. Eine vierte Schulung sei durch die Bürgerstiftung Esslingen gesichert, freut sich Dagmar Lust.