In der Warmbronner Post wird persönlicher Service ganz bewusst noch großgeschrieben. Foto: Simon Granville

Während die Deutsche Post immer stärker auf Automaten setzt, stemmt sich der Leonberger Ortsteil Warmbronn gegen diesen Trend. Dort betreibt die Bürgerstiftung die Postfiliale.

Während die Deutsche Post aus Kostengründen bundesweit zunehmend automatisierte Stationen aufstellt und immer mehr klassische, von Menschen betriebene Filialen ersetzt, geht man im Leonberger Ortsteil Warmbronn einen anderen Weg. Dort wird die Poststelle in der Hauptstraße 42 seit nunmehr zehn Jahren von der örtlichen Bürgerstiftung getragen.

 

Die vier Mitarbeitenden, die im Schichtbetrieb montags bis samstags von 8 Uhr bis 12 Uhr für die Kundinnen und Kunden da sind, werden auf Minijob-Basis beschäftigt. Möglich macht das eine Grundvergütung seitens der Post. „Das Team arbeitet toll zusammen und steckt unheimlich viel Idealismus rein“, sagt Thomas Hoene, der Vorsitzende der Warmbronner Bürgerstiftung. Hinter dem Tresen packt das fleißige Quartett schon mal ein Paket ein, wenn daheim das Packpapier ausgegangen ist. Oder wickelt zusätzliches Klebeband drum herum, damit der Inhalt auch zusammenhält und heil beim Empfänger ankommt. Und noch wichtiger für viele ist doch das persönliche Gespräch.

Mit einem Automaten hätten viele alte Menschen ein Problem

Undenkbar für den 73-jährigen Hoene wäre es, wenn es im etwa 4300 Einwohner zählenden Warmbronn keine Postfiliale mehr gäbe. „Wir machen das der Bevölkerung zuliebe, für die älteren Menschen – wenn wir hier einen Automaten hätten, würden damit viele nicht zurechtkommen.“ Warmbronn sei, im positiven Sinne, schon immer etwas speziell. „Das hängt mit der sozialen Struktur des Ortes und seiner Tradition zusammen, es gibt viele, die sich für das Gemeinwohl einsetzen.“ Thomas Hoene weiß, wovon er spricht. Auch er hat im Ort auf ehrenamtlicher Basis schon einiges bewegt. Er war unter anderem lange Jahre Vorsitzender der Sportvereinigung Warmbronn, Mitglied des Ortschaftsrats und wurde vor einiger Zeit „eher durch Zufall“ zum Vorsitzenden des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins gewählt. „Ich kann halt nicht anders“, sagt er, der die Menschen und Geschichten des Ortes kennt und schätzt. Um die Postfiliale kümmert er sich ehrenamtlich: im Hintergrund erledigt er die administrativen Aufgaben.

Wie kam es zum Warmbronner Postfilialen-Modell? In der Vergangenheit war die Post schon an vielen Standorten. In der Büsnauer Straße, auf Agenturbasis in der Riegeläckerstraße oder im Lebensmittelgeschäft Edeka. Die letzte Betreiberin hatte als Mieterin der Räumlichkeiten im Bürgerhaus ihre Filiale vor zehn Jahren aufgegeben. Das Geschäft war in dieser Form einfach nicht rentabel. Die Warmbronner Post ließ sich wirtschaftlich nicht kostendeckend als Gewerbebetrieb führen. So kam die Bürgerstiftung, die im Besitz des Bürgerhauses ist, ins Spiel. Die Post hatte angefragt, ob sie die Agentur übernehmen wolle. Doch es mussten einige Hürden genommen werden, denn die Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium Stuttgart hatte Zweifel geäußert, ob eine Postagentur mit dem Stiftungszweck vereinbar sei. Die Lösung, um die Postfiliale betreiben zu können, war schließlich die eigens gegründete haftungsbeschränkte Gesellschaft „SW Service Warmbronn UG“.

Die Warmbronner Post ist im Bürgerhaus untergebracht. Foto: Simon Granville

Ein Automat darf als Filiale gelten

In Kommunen und zusammenhängend bebauten Wohngebieten mit mindestens 2000 Einwohnern ist die Deutsche Post gesetzlich verpflichtet, mindestens eine Filiale zu betreiben. Sind es mehr als 4000 Einwohner, darf die nächste Postfiliale außerdem für alle von ihnen nur zwei Kilometer entfernt sein. Erfüllen darf die Post diese Vorgabe auch mit Schaltern in Kiosken, Supermärkten oder anderen Geschäften. Nach einer Gesetzesänderung im Januar 2025 dürfen als solche auch Automaten gelten: Hier können Kunden rund um die Uhr Pakete abgeben und abholen, Briefmarken kaufen und Briefe einwerfen. Zudem gibt es eine Videoberatung.

Für die Anrechnung der Automaten an das Filialnetz muss allerdings die Bundesnetzagentur, die eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Postmarktes in Deutschland spielt, zustimmen. Sie stimmt sich wiederum mit den betroffenen Kommunen ab. Nach Angaben der Bundesnetzagentur hatte die Post bis Ende September 2025 bundesweit 629 Automaten, die künftig als vollwertige Postfilialen gelten sollen, beantragt. Bundesweit betreibt die Deutsche Post etwa 12 600 Filialen. Sollten alle gestellten Anträge abgesegnet werden, würde das Filialnetz zu rund fünf Prozent aus Automaten bestehen.

In Warmbronn soll es, geht es nach Thomas Hoene und der Bürgerstiftung, so lange wie möglich eine von Menschen betriebene Poststelle geben. „Allerdings kann ich diese Aufgabe nicht ewig übernehmen, deshalb hoffe ich, dass der Wunsch in der Bevölkerung so groß ist und sich jemand finden wird, der die Aufgabe künftig übernimmt“, sagt Hoene.