Der Vereinsvorstand: Lenas Eltern Norbert und Conni Wacker mit Friedhelm Hoffmann und Martina Kübler (von links) Foto: Ines Rudel

Lena Wacker wurde auf dem Pragfriedhof in Stuttgart ermordet. Ihre Familie hat nun einen Verein gegen Gewalt gegründet.

Kreis Ludwigsburg - Lena, eine bildhübsche junge Frau mit einem Nasenpiercing, lacht dem Betrachter von vielen Fotos entgegen, die im Wohnzimmer der Familie Wacker hängen. Als lebensfroh beschreiben ihre Eltern sie, als offen, neugierig, kreativ. Das Bild auf dem Esstisch ist von Kerzen umrahmt, daneben steht ein Strauß roter Rosen. „Wir stellen immer frische Blumen auf den Tisch“, sagt Lenas Mutter Conni Wacker und ihr trauriger Blick schweift zu dem zwei Meter hohen Banner. Es zeigt auch Lena – und begleitet Conni und Norbert Wacker künftig häufiger. „So ist Lena bei unseren Veranstaltungen immer mittendrin“, sagt Lenas Vater.

Lenas Eltern haben den Verein „Ein Stern für Lena – gegen Gewalt“ gegründet, um den Namen und das Schicksal ihrer Tochter am Leben zu erhalten. Lena Wacker ist die junge Frau, die im September 2015 auf dem Stuttgarter Pragfriedhof ermordet wurde. Der Täter, ein inzwischen 30 Jahre alter Koch und Freizeitpianist, wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte der damals 21 Jahre alten Lena, die Verwandte im Kreis Ludwigsburg hatte, einen Keramikübertopf auf den Kopf geschlagen. Er hatte sie auch gegen den Kopf getreten und sich danach auf ihre Brust gesetzt, um sie zu ersticken. „Es ist schwer, nicht zu wissen, warum er Lena getötet hat“, sagt Norbert Wacker. Dagegen leben Lenas Eltern in der Gewissheit, dass ihre Tochter stolz auf sie wäre, weil sie einen Verein gegründet haben.

„Lena hat sich immer gegen Gewalt gestellt“

Sein Ziel ist es, Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrer für die Themen Gewalt und Zivilcourage zu sensibilisieren und zu stärken. Es geht um Fragen wie: Was ist Gewalt? Wo beginnt sie? Was ist die Rolle und Haltung jedes Einzelnen? Wann schreitet man ein? „Lena hatte einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und hat den Menschen geholfen. Sie hätte sich immer gegen Gewalt gestellt“, sagt Conni Wacker. Schon früh nach demTod ihrer Tochter ist den Wackers klar gewesen, dass sie einen Verein, der sich vor allem präventiv gegen Gewalt einsetzt, ins Leben rufen wollen.

Dafür hat die Familie sich den Sozialpädagogen sowie Konflikt- und Deeskalationstrainer Lars Groven an die Seite geholt. Conni Wacker kennt ihn durch ihre Arbeit in der Jugendhilfe. An zwei Schulen, die Lena besucht hat, haben bereits Veranstaltungen stattgefunden. An der IB Stuttgart-Vaihingen hat Groven mit Schülern gearbeitet, an der Seewiesenschule in Esslingen gab es einen pädagogischen Tag für Lehrer. Zwei weitere pädagogische Tage, ein Seminar für zwei Klassen und ein Elternabend sind in diesem Schuljahr geplant. An der IB in Stuttgart soll es drei weitere Trainings für Schüler geben. Wie es mit ihrem Verein weitergeht, das wissen weder die Wackers noch die Vorstandsmitglieder Friedhelm Hoffmann, Hannes Hoffmann und Martina Kübler genau. „Wir haben viele Ideen, aber noch kein klares Profil“, sagt Norbert Wacker. Sein Wunsch und der seiner Frau sei es, an möglichst vielen Schulen in der Region Stuttgart Projekte anzubieten. Die Wackers können sich auch vorstellen, mit der Polizei und sozialen Einrichtungen zu kooperieren.

„Wir hoffen auf ein Netzwerk“

„Wir wollen wachsen und hoffen auf ein gutes Netzwerk“, sagt Norbert Wacker. Schon allein deshalb, weil der Verein sich über Spenden finanziert. Die ersten Projekte haben die Wackers unter anderem mit dem Geld gestemmt, das eigentlich für Lenas Zukunft gedacht war. „Wenn es uns gelingt, auch nur ein Schicksal zu verhindern, dann war unsere Arbeit wertvoll“, sagt Norbert Wacker. Das Paar sagt, dass der Verein ihnen Hoffnung gibt, weil sie etwas in Lenas Sinn täten. „Wir wollen trotz unserer Trauer nicht verbittern, das haben wir uns geschworen“, sagt Conni Wacker.

An den Tag, an dem sie erfuhr, dass ihre Tochter tot ist, erinnert sich die Esslingerin, als wäre es gestern gewesen. „Das war eine unwirkliche Situation. Am Anfang stand ich unter Schock und bin wie hypnotisiert durchs Leben gelaufen“, sagt sie.Besonders die Zeit während des Gerichtsprozesses sei extrem belastend gewesen. Wie man einen solchen Verlust verkraftet? „Mit vielen Menschen, die einen in den ersten Wochen des Wahnsinns begleiten“, sagt Conni Wacker. Ohne dieses Rettungsnetz wäre sie durchgedreht. Der Verein gegen Gewalt ist nun ein Teil dieses Netzes.

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