Die einen halten sie für die optimale Alternative zu einem Espresso, die anderen für schädliche Zuckerbomben. Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie gefährlich Energydrinks sind. Manche fordern sogar ein Verkaufsverbot.

Berlin - Energydrinks verleihen wahlweise Flügel oder machen einen stark wie ein Nashorn – so sagt es die Werbung. Sie verursachen Herzrasen, Übelkeit und führen schlimmstenfalls zu Herzversagen – so ­warnen Ärzte und Verbraucherschützer. Und im Gegensatz zur Werbung behalten Letztere recht: Das zeigte zuletzt eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), in der sie 2015 erstmals europaweit das Risiko der koffeinhaltigen Getränke bewertet hat. Ihr Ergebnis: Die gesundheitlichen Risiken durch erhöhten Koffein-Konsum sollten nicht unterschätzt werden.

Den Effekt von Energydrinks bewirken zwei Zutaten: Zucker liefert Energie, Koffein sorgt für die Aufputschwirkung. Laut Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung darf das Getränk maximal 320 Milligramm Koffein pro Liter enthalten.

Vor allem Jugendliche greifen verstärkt zu solchen Getränken: Einer früheren Efsa-Studie zufolge nämlich 68 Prozent. Davon trinken zwölf Prozent mindestens viermal wöchentlich einen Energydrink, und das oft literweise. Selbst Kinder können die Finger nicht davon lassen: Nach Angaben der Efsa-Studie hat in Deutschland jedes fünfte Kind zwischen acht und zehn Jahren schon einmal einen Energydrink getrunken, jedes sechste trinkt sogar vier bis fünf Dosen die Woche.

Kinder und Jugendliche reagieren besonders empfindlich auf Koffein

Bei solchen Mengen ist die Gefahr der Koffein-Überdosierung relativ hoch, warnt auch die Stiftung Warentest. Kinder und Jugendliche reagieren besonders empfindlich auf Koffein, das in Überdosis auch bei Erwachsenen Herzrasen, Bluthochdruck, Übelkeit und Krämpfe hervorrufen kann.

Bei den Älteren kommt noch hinzu, dass sie den Energydrink mit Alkohol mixen. 2014 ermittelte das Bundesinstitut für Risikobewertung erstmals Zahlen zu den Mengen: In Clubs, auf Musikveranstaltungen, bei Sportevents und auf Lan-Partys wurden über 500 Jugendliche befragt. Dabei gab ein großer Teil an, binnen 24 Stunden im Schnitt einen Liter Energydrink-Alkohol-Mix zu trinken. Wie riskant dies ist, zeigt eine Studie der Universität São Paulo: Nach dem Konsum von Energydrinks und Alkohol konnten die Teilnehmer den Grad ihrer Betrunkenheit nicht gut einschätzen. Das kann auf dem Nachhauseweg fatale Folgen haben.

Auch als Sportgetränk eignen sich Energydrinks nicht. Sie können den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust durch das Schwitzen nicht ausgleichen, warnt die Stiftung Warentest.

Viele vermeintlich gesunde Zusatzstoffe sind überflüssig

Tatsächlich enthalten Energydrinks neben den teils bedenklichen Mengen an Koffein und Zucker einen Mix verschiedenster Zusätze wie Taurin, Guarana, Gingko, Aromen und Vitamine. Das hört sich im ersten Moment nicht allzu schädlich an, tatsächlich warnt die Verbraucherzentrale Hamburg hier vor Verbrauchertäuschung: „Die gerade im Sport- und Gesundheitsbereich gern angepriesene Aminosäure Taurin hingegen, die ebenfalls auf der Zutatenliste steht, ist kein Leistungssteigerer und wird darüber hinaus vom Körper selbst in ausreichender Menge produziert“, heißt es auf ihrer Homepage.

Und auch die zugesetzten B-Vitamine B6 und B12, Niacin (B3) und Pantothensäure (B5), die Red Bull auf seiner Website als „Mikronährstoffe, die zur Verringerung von Müdigkeit und Erschöpfung beitragen“ verkauft, sind überflüssig. „ Alle B-Vitamine sind ausreichend in unserer Nahrung vorhanden“, sagen die Verbraucherschützer. Sie warnen auch vor der Zitronensäure und dem Natriumcitrat, beides typische Säuerungsmittel der Energydrinks – die aber immer häufiger zu Zahnschäden bei Kindern und Erwachsenen führt.

Kommt es zum Verkaufsverbot?

Zusammen mit der Verbraucherorganisation Foodwatch und der Weltgesundheitsorganisation WHO plädiert die Verbraucherzentrale für ein ­Verkaufsverbot der Getränke an Minderjährige – so, wie es im Herbst 2014 in Litauen durchgesetzt wurde. Doch der Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) lehnt ein solches Verbot ab. Warnhinweise auf den Dosen reichten aus, so Schmidt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: