Mit ihren Cosmic Bites wollen es Laurin Mächtig und Melanie Arndt in die Supermärkte schaffen. Foto: Carmela Loredana La Rocca

Melanie Arndt und Laurin Mächtig (beide 23) sind nicht nur privat ein Paar, sondern auch Business-Partner:innen. Gemeinsam bringen sie nun einen Snack im Planetendesign auf den Markt.

Abends zusammen auf der Couch eine Serie oder einen Film glotzen – was bei vielen jungen Paaren zur täglichen Abschalt-Routine zählt, kommt bei Melanie Arndt und Laurin Mächtig (beide 23) nur selten vor. Zumindest, seitdem die Studierenden aus Stuttgart den Großteil ihrer Freizeit ihrem eigenen Startup widmen. „Unsere Abende haben sich dadurch transformiert“, sagt Mächtig. „Wir klappen jetzt eher nach der Uni nochmal die Laptops auf.“

 

Das geronnene Resultat der gemeinsamen Arbeit ist kugelförmig, in etwa so groß wie ein Tischtennisball – und essbar. Gemeinsam haben Arndt und Mächtig einen Energy-Snack entwickelt, also einen nährstoffreichen Happen für Zwischendurch. Das Design orientiert sich dabei am Weltall. Die Snackbällchen sollen verschiedene Planeten darstellen, daher auch der Name für das Produkt: Cosmic Bites – kosmische Happen.

Junge Gründer:innen aus Stuttgart wollen sich abheben

Arndt und Mächtig ist bewusst, dass sie sich auf einen umkämpften Markt wagen. Schon jetzt säumt eine (vermeintlich) gesunde Nährstoffbombe nach der anderen die Regale an den Supermarktkassen, vom Energy-Snack über das Power-Food bis zum Protein-Riegel. Das Duo aus Stuttgart setzt deshalb einerseits auf die Verpackung, um sich abzuheben. Je nach Sorte kommen die Cosmic Bites mal scharlachrot (Himbeere), mal purpurfarben (Heidelbeere), mal gelblich-schimmernd (Mango) daher, abgefüllt in nachthimmelblaue Schachteln.

Der äußerliche Schein sei jedoch nicht alles, wirft Arndt ein und erwähnt einen Fokus auf natürliche Zutaten. Das ist noch kein Alleinstellungsmerkmal, werben damit doch viele Anbieter von Energy-Snacks. „Die großen Marken sind aber alle relativ ähnlich in der Zusammensetzung, mit einem hohen Anteil an Dattelmasse“, fügt Mächtig hinzu. Bei den Cosmic Bites machen Datteln nach Angaben der Schöpfer:innen dagegen nur ein Viertel des Produkts aus. Ergänzt werden sie durch Zutaten wie Haferflocken, Kürbiskerne und Hanfsamen, dazu Fruchtpulver. „Das soll einen anderen Geschmack reinbringen“, sagt Arndt.

Aus Seminarprojekt wird Startup

Ausgangspunkt für das Startup war einst ein BWL-Seminar von Arndt an der Business School Stuttgart. „Da musste ich mir eine Gründungsidee überlegen“, erinnert sie sich. Ihre eigene Vorliebe für gesunde Snacks brachte sie auf den Gedanken der essbaren Planeten. Bald wuchs das Projekt über den Uni-Rahmen hinaus – zur Freude von Arndt. „Der Gründungswunsch war irgendwie schon immer in meinem Kopf“, erzählt sie. Allerdings schreibt sie auch ihrem Partner einen gewichtigen Anteil daran zu, dass aus der Seminaridee ein Startup wurde. „Er hat immer gesagt: Komm Melli, du machst das jetzt.“

Snack im Planetendesign: die Cosmic Bites. Foto: Carmela Loredana La Rocca

Mächtig, der – thematisch zu den Cosmic Bites passend – Luft- und Raumfahrttechnik studiert, stieg schließlich selbst mit ein. In der Küche der gemeinsamen Wohnung im Stuttgarter Westen werkelte das Paar an seinem Produkt. Für die Aufnahme in ein Förderprogramm für Lebensmittel-Startups der Uni Hohenheim und der Stadt Stuttgart mussten die jungen Gründer:innen Fotos ihrer Prototypen einreichen. „Da hatten wir noch kein Mango-Pulver“, erinnert sich Mächtig. „Den ersten gelben Ball haben wir deshalb mit Curry-Pulver gefärbt.“

Stuttgarter:innen werben für Crowdfunding

Die durch das Programm geknüpften Kontakte und der Zuspruch von Branchenkenner:innen gaben dem Projekt einen Schub. Inzwischen werben Arndt und Mächtig auf der Plattform Startnext für ein Crowdfunding, wobei die Spende mit einer Kostprobe verbunden ist. Mit der Zielsumme von 8500 Euro will das Duo bei einem Produzenten in Istanbul seine erste Bestellung in Auftrag geben: 10.000 Einheiten der Cosmic Bites. Im Laufe des Frühjahrs sollen die Planeten im eigenen Webshop und später auch im Supermarkt zu kaufen sein.

Läuft alles nach Plan, gibt es bald eine Schachtel Cosmic Bites zum Preis von 3,50 Euro – eine stattliche Summe für drei Bällchen á 20 Gramm. „Ein Schokoriegel ist günstiger“, räumt Arndt ein. Dafür seien die Cosmic Bites nährstofftechnisch der bessere Snack. „Wir sprechen damit eine Zielgruppe an, für die das Priorität hat und die dafür auch zahlt.“

Business-Partnerschaft ergänzt private Beziehung

Aus Arndt und Mächtig sind also längst Business-Partner:innen geworden – eine weitere Ebene ihrer vielschichtigen Beziehung. In ihrer Jugend lernten sich der aus der Region Heilbronn stammende Mächtig und die gebürtige Nürnbergerin Arndt über den Tanzsport kennen. Später wurde aus ihnen auch privat ein Paar, das 2022 zum Studieren nach Stuttgart zog. „Wir sind beide sehr motivierte Personen und funktionieren als Team richtig gut“, sagt Arndt.

Nachdem sie das Tanzen verletzungsbedingt aufgeben mussten, dürstete es ihnen deshalb bald nach einer neuen gemeinsamen Aufgabe. Sie fanden sie in ihrem Startup. Arndt peilt an, sich ab 2027 in Vollzeit darum zu kümmern. Derzeit macht sie allerdings noch in München ihren Master, während Mächtig in Stuttgart eine Promotionsstelle in Aussicht hat. Die beiden dürften also noch so einige Abende vor dem Laptop verbringen.