In Stuttgart werden neue Wohnungen gebaut: Das ist in puncto Energieverbrauch meist eine gute Sache – das Problem ist, dass noch viele Altbauten energetisch saniert werden müssen Foto: dpa

Für das Energiekonzept gibt es bei den Stuttgarter Fraktionen gibt es eine breite Bereitschaft. Aber allen ist klar: Die Landeshauptstadt hat ehrgeizige Ziele und muss viel tun, um die Energiewende in den Großstädten mit Erfolg vorzuexerzieren.

Stuttgart - Beim ehrgeizigen Versuch, den Energieverbrauch in Stuttgart kräftig zu senken, ist OB Fritz Kuhn (Grüne) nicht allein. Wenn der Gemeinderat am Donnerstag über Kuhns Energiekonzept abstimmt, kann der OB mit großer Zustimmung rechnen.

Nach der Vorberatung am Dienstag im Umwelt- und Technik-Ausschuss gingen nur AfD-Stadtrat Eberhard Brett und Michael Conz (FDP) auf Distanz und enthielten sich. Brett meinte lapidar, die Maßnahmen seien nicht bezahlbar. Conz sprach von Aktivismus und hielt die angepeilten Aktivitäten auf dem Gebiet der Fernwärmeversorgung genauso wenig für sinnvoll wie die 2011 gegründeten Stadtwerke Stuttgart. Aber just denen ist die Hauptrolle bei der operativen Umsetzung der ehrgeizigen Ziele zugedacht.

Energieverbrauch muss deutlich sinken

In dem Punkt war der ursprüngliche Entwurf auf Anregung des Gemeinderats sowie von Bürgern, Verbänden und Unternehmen noch einmal verändert worden.

In dem rund 100-seitigen Papier wird formuliert, wie die Energiewende in der Großstadt Stuttgart vollzogen werden soll, also die nachhaltige Energienutzung mit immer weniger Atom- und Kohlestrom. Bis 2020 soll Stuttgart im Vergleich zu 1990 den Energieeinsatz um 20 Prozent senken, den Verbrauch zu 20 Prozent aus erneuerbaren Energien bestreiten. Bis 2050 soll der Verbrauch von Primärenergie um 65 Prozent gesenkt sein. Dazu sind viele Handlungsfelder vorgesehen – unter anderem energetische Gebäudesanierungen, viel mehr Elektroautos, Blockheizkraftwerke zur Erzeugung von Strom und Wärme, Fotovoltaik, Biogasproduktion aus Abfällen und vieles mehr.

Kritik am Kooperationspartner EnBW

Alexander Kotz (CDU) zeigte sich zufrieden, weil er seine Forderung berücksichtigt sieht, bis 2020 nicht überall um 20 Prozent zu kappen, wenn es bei Verkehr, Wirtschaftsbetrieben und Heizungsanlagen nicht gehe. Wichtig sei, ob unterm Strich 20 Prozent erreicht würden. Björn Peterhoff (Grüne) sprach von einem wichtigen Schritt zur Umsetzung der Energiewende. Auch die Gegner, die Windräder im Stuttgarter Norden verhindert hatten, seien im Boot. Leider nehme beim Verkehr der Energieverbrauch noch zu. Hans H. Pfeifer (SPD) sieht in dem Konzept einen ersten Schritt. Man müsse die Stadtwerke zum Grundversorger der Stuttgarter Haushalte ausbauen.

Christoph Ozasek (Linke) sprach von einer „gigantischen Selbstverpflichtung Stuttgarts“, die man begrüße. Die Lage beim Verkehrssektor sei „völlig unzureichend“. Die EnBW sei ein schlechter Kooperationspartner für die Stadtwerke, eher ein Hindernis. Jürgen Zeeb (Freie Wähler) forderte gute Beratung für die Bürger. Auch steuerliche Anreize wären wichtig. Ralph Schertlen (Stadtisten) erkannte „viele gute Ansätze“ und hielt auch den Import von sauberer Energie für legitim, etwa von Windkraftstrom von den Meeresküsten, in den die Stadtwerke künftig allerdings nicht mehr so viel Geld investieren.

OB wünscht Reaktion in Berlin

Kuhn mahnte Berlin zur Mithilfe. Die CDU solle bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für energetische Sanierungen ermöglichen, die SPD nicht mehr Kohlekraftwerke in Reserve halten wollen. Kuhn verteidigte die Kooperation mit der EnBW, die in Stuttgart die meisten Einwohner versorge. Man dürfe sie nicht aus der Mitverantwortung für die Energiewende und weniger Feinstaub in der Luft entlassen.

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