Robert Hoening sagt, er sei 2004 einer der Ersten gewesen, die in Botnang eine PV-Anlage installiert haben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auf dem Weg zur Null-Emission müssen in Stuttgart noch viele Solarzellen installiert werden. Robert Hoening aus Botnang hat den Turbo eingelegt und dem Bezirk mindestens 30 neue Anlagen beschert.

Bei Robert Hoening war es ganz klassisch das Phänomen Ruhestand. Kaum hatte der heute 68-Jährige aus Stuttgart-Botnang Zeit, hat er sich in die Energiewende gekniet. Er habe sich 2004 als einer der Ersten in Botnang Photovoltaik aufs Dach installieren lassen. Heute kann er sagen: „Allein mit unserer Aktion werden wir im Jahr 2023 den jährlichen Zubau in Botnang gegenüber dem Vorjahr verdoppeln.“ Das „Wir“ hat er sich angewöhnt, gemeint ist im Wesentlichen er allein. Doch wie hat er das geschafft?

 

„Ich bin von Hause aus Unternehmer“, sagt Hoening. Zuletzt hat er ein Maschinenbauunternehmen gehabt, davor verkaufte er mit einer eigenen Gründung Fahrräder. „Man muss anfangen, seriell zu arbeiten“, sagt er. „Photovoltaik ist dabei am einfachsten anzupacken.“ Im Juli 2022 lud er seine Mitbürger über die Presse zu einer Versammlung ein. Gekommen seien 60, 70 Menschen, etwa die Hälfte habe unverbindliches Interesse angemeldet. „Meine Idee war, die Leute an die Hand zu nehmen und zu sagen: Wir machen das jetzt gemeinsam.“ Er versteht sich als Koordinator, als Solarcoach.

Die neuen Anlagen produzieren 350 Megawattstunden Strom im Jahr

In der Rückschau ging dann alles recht schnell. Hoening fand via Sammelausschreibung eine Firma, die über den Online-Koordinierer Doodle 30 kostenpflichtige Vor-Ort-Termine verteilt über sechs Tage anbot. „Die waren restlos ausgebucht“, erinnert er sich. Einige wenige sprangen hinterher ab, doch neue Interessenten kamen dazu. In Summe seien durch die Aktion mindestens 30 Aufträge abgeschlossen worden, zusammen werden die Anlagen pro Jahr rund 350 Megawattstunden Strom erzeugen. „Die ersten Dächer sind schon belegt.“

Für Michael Jantzer ist die Botnanger Initiative eine Blaupause für die ganze Stadt. Jantzer ist SPD-Stadtrat und Sprecher für Klimaschutz, Energie und Wirtschaft. Die ökosozialen Vertreter im Gemeinderat haben Ende Januar einen gemeinsamen Antrag eingebracht, der den forcierten Ausbau von Sonnenenergie in der Landhauptstadt in den Blick nimmt. Den wegweisenden Beschluss im Sommer 2022 lobt er: Damals hatte der Gemeinderat entschieden, dass Stuttgart spätestens 2035 statt 2050 treibhausgasneutral sein soll. „Wir sehen aber noch keinen Ansatz, wie anfangen“, sagt Jantzer. Mit der Antwort der Stadt rechnet er bis Sommer.

Was laut McKinsey in Stuttgart zu tun ist

Laut der Studie von McKinsey, die Stuttgart den rechten Weg aufzeigen soll, sei die Aufgabe gigantisch. Im interfraktionellen Antrag von Ende Januar ist die Rede von „jährlichen PV-Ausbauraten von 3500 Wohngebäuden á 13 kWp, von 850 Nichtwohngebäudedächern á 100 kWp und von 2500 Hektar sonstigen Modulflächen“. Jantzer sagt dazu: „Das ist eine Größenordnung, bei der man nicht weiß, wie man es bewältigen soll.“ Umso wichtiger, dass die Stuttgarter aktiviert werden, findet er. „Der Unterstützungsbedarf ist eine Riesenaufgabe.“ Der Solarcoach aus Botnang könnte kopiert werden. „Wir müssen strategisch planen, diesen Prozess wollen wir anstoßen.“

Robert Hoening aus Botnang überlegt derweil, in seinem Stadtbezirk „eine zweite Welle“ für den Ausbau zu starten. Die bereits installierten Anlagen wären die beste Werbung. „Guck, das funktioniert“, sagt Hoening. So gut, dass der 68-Jährige ein künftiges Geschäftsmodell nicht ausschließen möchte. Wobei er betont, dass sich die bisherige Botnanger Ausbaustrategie beispielsweise nicht auf den Stuttgarter Westen übertragen lasse. In seinem Bezirk gebe es viele Ein- und Zweifamilienhäuser, in der Innenstadt nicht. „Im Kern muss man sich etwas anderes einfallen lassen.“