Windräder im Abendrot: In Baden-Württemberg gibt es solch stimmungsvolle Bilder bisher noch an wenigen Stellen zu sehen – aber das soll sich bald ändern Foto: dpa

Seit dem Beschluss des Bundestags zur Energiewende sind in der Region Stuttgart erst zwei Windräder in Betrieb gegangen. Nach vier Jahren soll der Bauboom aber bald ausbrechen.

Stuttgart - Sollen die politischen Ziele der Landesregierung und insbesondere von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) erreicht werden, wird es höchste Zeit, dass Windkraftanlagen aus dem Boden sprießen. Im Jahr 2020 will Grün-Rot zehn Prozent der Stromerzeugung in Baden-Württemberg mit Windrädern schaffen. 2014 waren es gerade einmal 2,4 Prozent. Das Ziel steht immer noch, auch wenn niemand mehr wie noch vor ein paar Jahren von 1200 Windrädern sprechen will, die es erfüllen sollen.

Da die Anlagen immer leistungsfähiger werden, könnten mittlerweile auch weniger den Beitrag bringen – aber nicht so wenige, wie zuletzt gebaut wurden. 2014 sind in Baden-Württemberg nach Angaben des Umweltministeriums sieben in Betrieb genommen worden, 2013 zwölf und in den Jahren davor auch nicht mehr. Insgesamt gibt es knapp 400. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es zwei neue. In der zweiten Jahreshälfte soll es aber endlich losgehen. In Lauterstein (Kreis Göppingen) etwa will das Bremer Unternehmen WPD den größten Windpark des Landes mit 16 Anlagen bauen.

Die Masse der Windräder könnte auch deshalb bald in Sicht kommen, weil der dazugehörige Papierkrieg schon tobt. 248 Genehmigungsverfahren laufen nach Informationen unserer Zeitung derzeit im Land. Am meisten zu tun damit haben die Beamten im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart.

"Wir ächzen unter der Last der Widersprüche"

„Die personelle Situation in diesem Bereich ist sehr angespannt“, bestätigt RP- Sprecher Robert Hamm, „und wir ächzen unter der Last der Widersprüche.“ Die Genehmigungsbehörde hat im vergangenen Jahr 80 von 94 Windrädern in Baden-Württemberg abgesegnet. Zurzeit liegen 160 von 248 laufenden Verfahren im Regierungsbezirk Stuttgart. Zwei Drittel aller Anträge für den Bau von Windkraftanlagen wurden also in der Ruppmannstraße in Vaihingen gestellt. Damit einher gingen auch viele Widersprüche. 2014 waren es 81, 2015 bisher fünf.

Dass die Arbeit zwischen den vier Regierungspräsidien im Land möglicherweise ungleich verteilt ist, will das Umweltministerium nun klären lassen. Nach einem Brief vom Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP) an Untersteller darf Schmalzl nach Informationen unserer Zeitung die Arbeitsbelastung mit Fakten untermauern. Seine Untersuchung muss er laut Unterstellers Sprecher Ralf Heineken mit den Kollegen in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen abstimmen. „Am Ende wird man sehen, was vielleicht noch nötig ist, um bei den Verfahren schneller vorwärtszukommen“, sagt Heineken.

Bisher seien alle vier Präsidien bei der Stellenverteilung gleich behandelt worden, so Heineken. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Stuttgarter Behörde künftig besser ausgestattet werden müsse. Dies könnte das Konzept weisen, das man „in den nächsten Wochen“ erwarte. Weshalb die Antragsflut gerade über den Nordwesten des Landes hereinbreche, sei im Umweltministerium nicht bekannt. „Wind gibt’s auch anderswo, und alle Regionen und Kommunen sind aufgerufen, Standorte für Windkraft zu planen“, sagt Ralf Heineken.

In der Region Stuttgart sind von ursprünglich 96 noch 77 Standorte für Windräder im Rennen. Die Regionalversammlung wird ihren Plan weiter eindampfen und will ihn am 30. September beschließen – um den anstehenden Bauboom in Sachen Windkraft in geordnete Bahnen zu lenken.

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