Ein Unternehmen aus dem Rems-Murr-Kreis profitiert vom Aufbau der LNG-Infrastruktur an der Nordseeküste. Mit Hochleistungsbrennern wird das angelieferte Erdgas erwärmt.
Der durch den russischen Überfall auf die Ukraine ausgelöste Bau von Flüssiggas-Terminals an der deutschen Nordseeküste ist auch für Firmen aus der Region Stuttgart ein gutes Geschäft. So kann beispielsweise die RAY Egelhof GmbH, ein Spezialist für industrielle Feuerungstechnik aus dem Rems-Murr-Kreis, einen Millionenauftrag für die bundesweite Energieversorgung vermelden.
Das Unternehmen mit Sitz in Fellbach und Waiblingen hat sich in einem Ausschreibungsverfahren durchgesetzt und den Auftrag für die Lieferung von zehn Hochleistungsbrennern für Brunsbüttel erhalten. Das Projekt, eines der ersten deutschen Onshore-Terminals für Flüssiggas in Deutschland, gilt als Meilenstein für die Unabhängigkeit von russischen Erdgas-Lieferungen.
Jeder der zehn Hochleistungsbrenner hat eine Leistung von 22 Megawatt
Der Großauftrag umfasst die Lieferung von zehn Industriebrennern mit je 22 Megawatt Leistung. Sie werden in Brunsbüttel für den Prozess der Regasifizierung eingesetzt. Das LNG-Terminal in Schleswig-Holstein, von Naturschutzorganisationen scharf kritisiert und als „energiepolitische Sackgasse“ bezeichnet, ist Teil der nationalen Strategie zur Diversifizierung der Energiequellen. Mit einer Jahreskapazität von bis zu einer Milliarde Kubikmeter Erdgas soll das Terminal künftig rund zehn Prozent des deutschen Gasverbrauchs abdecken.
„Dass wir uns gegen mehrere namhafte Wettbewerber durchsetzen konnten, ist ein großer Erfolg für unser Unternehmen und zeigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Technologie“, sagt Harald Heinze, der Geschäftsführer der RAY Egelhof GmbH. „Unsere Feuerungslösungen tragen zur Energieunabhängigkeit Deutschlands bei – und das mit umweltschonender, emissionsarmer Technologie aus dem Süden Deutschlands.“
Mit dem Fachbegriff „Regasifizierung“ ist stark vereinfacht gesagt das Auftauen des flüssigen Erdgases gemeint. In Brunsbüttel wird der mit einer Temperatur von 163 Grad unter dem Gefrierpunkt angelieferte Brennstoff schonend erwärmt um wieder Normaltemperatur und seinen gasförmigen Zustand zu erhalten. Nur so kann das Gas für den Transport ins Rohrnetz eingespeist werden.
Spanien gilt als Vorreiter in der LNG-Technologie
Die für die Regasifizierzung nötige Prozesswärme liefern die Brenner von RAY Egelhof mit einem geringen Teil des angelieferten Flüssiggases.Der Auftrag für Brunsbüttel wurde in Zusammenarbeit mit einer spanischen Firma gewonnen, an der das Unternehmen aus dem Rems-Murr-Kreis beteiligt ist. Spanien gilt als europäischer Vorreiter in der LNG-Technologie – das Know-how floss in die Angebotsphase laut einer Firmenmitteilung maßgeblich ein.
RAY Egelhof steht seit der Gründung 1872 für Innovation in der industriellen Brennertechnik – vom horizontalen Drehzerstäuber bis zu heutigen Hightech-Brennersystemen für Öl, Gas und alternative Brennstoffe. Das Produktspektrum reicht von Kompaktbrennern bis hin zu maßgeschneiderten Großanlagen mit bis zu 70 Megawatt Leistung. RAY Egelhof produziert ausschließlich in Deutschland und bietet neben Planung und Fertigung auch Montage und Servicelösungen an.
Investitionen in Diversifizierung
Ihre internationalen Abhängigkeiten hatte die Firma bereits nach der Krim-Krise vor mehr als einem Jahrzehnt gezielt reduziert. Mit Blick auf die aktuellen geopolitischen Herausforderungen erweist sich die strategische Neuausrichtung als Erfolgsmodell: „Unsere Investitionen in Diversifizierung und Standortunabhängigkeit zahlen sich nun aus“, so Geschäftsführer Heinze.