Unsere Redakteurin Lisa Kutteruf findet die ökologischen Dämmplatten leicht. Foto: Max Kovalenko

Energetische Sanierung – klingt kompliziert. Dabei braucht es nicht für alles einen Profi. Etwa für das Dämmen eines Dachbodens. Unsere Redakteurin hat es in Stuttgart ausprobiert.

Viel ist von Wärmepumpen die Rede, von Nah- und Fernwärme, von zeit- und kostenintensiven Arbeiten im Haus, wenn das Thema energetische Sanierung zur Sprache kommt. Doch es gibt auch niederschwellige Maßnahmen, um Energie zu sparen. So braucht man vergleichsweise wenig Dinge und Geld, um einen Dachboden energetisch und auf ökologische Weise zu dämmen. Elf, um genau zu sein.

 
Das Sanierungsteam in Stuttgart ist schwer am Schaffen. Links im Bild Ulrich Schmidt vom BUND, daneben Redakteurin Lisa Kutteruf beim Einlegen der Dämmplatten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit Hilfe dieser Materialien lässt sich ein Dachboden eindecken. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn die Bühne ohnehin nur als Lager- und nicht als Aufenthaltsort fungiert.

BUND Stuttgart öffnet Türen für DIY-Dämmaktion

Der BUND Stuttgart hat sich jüngst für ebendiese Maßnahme entschieden, um den Boden eines gut sechs Quadratmeter großen Dachzimmers im Umweltzentrum, in dem die Geschäftsräume des Naturschutzverbands untergebracht sind, zu dämmen. „Laut dem Energieexperten Carsten Herbert ist das die beste Stelle im Haus“, erklärt Ulrich Schmidt, Vize-Vorsitzender des BUND-Kreisverbands. „Im Keller ist es nicht so effizient wie oben.“ Und weil es dem BUND ein Anliegen ist, dass viele Menschen von der einfachen Maßnahme erfahren, hat er die Sanierungsaktion in der Rotebühlstraße für interessierte Helferlein geöffnet. Schaffen das auch Menschen wie ich, ohne handwerkliche Vorkenntnisse?

Zunächst müssen die Materialien ins oberste Geschoss. Das funktioniert gut. Die ökologischen Dämmplatten, für die sich der BUND entschieden hat und die auch als sommerlicher Hitzeschutz fungieren, sind aus Hackschnitzeln hergestellt und leicht. Ich kann ohne Probleme zwei davon gleichzeitig tragen. Etwas sperriger sind die ESB-Platten. Sie dirigieren sich einfacher zu zweit durchs Treppenhaus.

„Nur 90 Prozent gedämmt“ – Kälte im Stuttgarter Dachtrakt

Das Dach des Gebäudes im Stuttgarter Westen sei zwar gedämmt, „allerdings nur zu 90 Prozent“, sagt BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer: Wer sich in dem kleinen, ungedämmten Gebäudetrakt aufhielt, musste sich bislang regelmäßig mit Decken behelfen, so kalt war es dort an manchen Tagen.

Unsere Mission: den kalten Teil des Dachbodens dämmen. Dafür braucht man zunächst ein Material, dessen Name sich perfekt zum Galgenmännchen-Spielen eignet: den sogenannten Estrichranddämmstreifen. Er wird als Rahmen zwischen den Hauswänden und den Dämmplatten ausgerollt. Die Dämmplatten wiederum legt man einfach in Reihen auf den Boden – dafür müssen wir sie passend zusägen – und zwar „phäb“ (knapp), wie Jürgen Neubrand von der Firma Steico, die ökologische Bauprodukte herstellt, anweist – damit die Materialien eng aneinanderliegen.

Die ESB-Platten bugsieren sich zu zweit leichter durchs Treppenhaus als allein. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ist eine Reihe gelegt, kommt die nächste – und zwar versetzt zur ersten, wie beim Legobauen. Ist der ganze Boden belegt, folgt, wieder versetzt, eine zweite Schicht Dämmplatten – den Estrichranddämmstreifen nicht vergessen! Am Ende kommen die ESB-Platten oben drauf, die miteinander verleimt werden sollten. Die Dämmplatten wären zwar auch ohne ESB-Platten begehbar – wolle man aber beispielsweise Möbel verschieben, gehe das auf den Hartfaserplatten deutlich besser, erklärt Neubrand.

„Brauch ich eine Dampfbremse?“, fragt eine Frau. Experte Neubrand bejaht. Auf der Nut- und Federschalung des Dachs sollte man in diesem Fall, anders als über Betondecken, eine Dampfbremse anbringen, welche die Dachkonstruktion vor Feuchtigkeit schützt.

Und was sind nun die restlichen zehn Zutaten? Experte Jürgen Neubrand listet alle notwendigen Materialien und Werkzeug gesammelt für uns auf:

  • Dämmplatten (z.B. aus Holzfaser)
  • ESB-Platten (Hartfaserplatten)
  • Estrichranddämmstreifen
  • Dampfbremse
  • Stichsäge
  • Leim
  • Meterstab
  • Bleistift
  • Winkel
  • Schlagtacker
  • Klebeband

Fazit: Es ist möglich, als Laie einen Dachboden zu dämmen. Beim Tragen der ESB-Platten und Zusägen der Dämmplatten tut man sich zu zweit leichter als allein. Alle verwendeten Materialien zusammen – für den gut sechs Quadratmeter großen Raum – kosten laut Ulrich Schmidt etwa „300 bis 400 Euro“. Angesichts der dadurch eingesparten Energiekosten dürfte sich die Aktion schnell auszahlen.

Für all jene, die das Dämm-Projekt nicht alleine wagen möchte, gibt es Unterstützung: zum Beispiel durch die Initiative „Dämm_it Stuttgart“, welche die energetische Sanierung von Wohngebäuden unterstützt, indem sie Nachbarschaften zusammenbringt und fachlich begleitet. Die Stadt Stuttgart hat jüngst angekündigt, das Projekt zu fördern.