Der neue Ampfinger Bohrturm steht. Bald soll Öl fließen. Foto: RDG/Witte

Die Gemeinde Ampfing war einst das Mekka der bayerischen Erdöl-Förderung. Jetzt sind die Bohrer zurück. Und auch wenn sie nichts finden: der Bürgermeister lächelt.

Ampfing - Das Wappen der Gemeinde Ampfing ziert ein seltsames Gebilde. Es ist goldfarben, steht also irgendwie für Reichtum, und es sieht aus wie eine dreiblättrige Blüte, auf der Knospen oder Zähne sitzen. Montiert ist es auf einer Schraubfassung wie für Glühlampen. In Wahrheit – und darauf kommt man in der platten oberbayerischen Provinz etwa 80 Kilometer östlich von München nicht automatisch – handelt es sich um einen Bohrmeißel. Dreieinhalb Jahrzehnte lang hat man in Ampfing nach Erdöl gebohrt. Recht erfolgreich: Die Gemeinde mit heute 6500 Einwohnern war das Eldorado der bayerischen Ölförderung. Bis Mutter Erde Ende der 1980er Jahre zu viel Wasser in die Brühe panschte und arabische Scheichtümer der Liefermenge und des Preises wegen plötzlich viel näher lagen als die heimischen Quellen.

 

Jetzt aber startet Ampfing neu: Das Energie- und Rohstoffunternehmen RDG hat einen gut 40 Meter hohen Bohrturm aufgebaut – demnächst soll der Meißel unten auf einer Tiefe von 2221 Metern sein. Dort vermuten die Experten eine Sandsteinschicht, die noch mit etwa 550 000 Tonnen förderbarem Erdöl „getränkt“ sein könnte. Das entspräche ziemlich genau jener Menge, die man zwischen 1954 und etwa 1990 dort bereits aus dem Boden geholt hat. „20 bis 30 Jahre lang“, so hofft RDG-Geschäftsführer Ernst Burgschwaiger, könnte die neue Ampfinger Quelle dann fließen: „Ab 20 Kubikmeter Fördermenge pro Tag würde sich die Sache rentieren.“ Etwa 16 bis 18 Tonnen sollten das also pro Tag sein. Und dann gibt’s da noch einen Hintergedanken des Ampfinger Bürgermeisters. Aber dazu später.

Trefferwahrscheinlichkeit: 25 Prozent

Die Hannoveraner Firma RDG, hervorgegangen aus der österreichischen Rohöl-Aufsuchungs-AG (RAG), hat sich auf die Wiedererschließung verlassener heimischer Öl- und Gaslagerstätten spezialisiert, denen sie mit heutiger Technik und neuer Hoffnung zu Leibe rückt. Für das bayerische Alpenvorland östlich von München hat RDG die entsprechenden Suchlizenzen – und den offenbar unerlässlichen Sportsgeist. Denn, so sagt der Ampfinger Bohrleiter Oliver Tausch mit breitem Grinsen: „In drei Viertel aller Fälle wird’s nix.“

Über drei Monate hinweg hat RDG die Ampfinger Gegend systematisch mit erdbebenähnlichen Wellen durchgerüttelt und aus den Reflexionen ein 3-D-Bild des Untergrunds gewonnen. So hat man versucht herauszufinden, wie das Erdöl da unten gewandert sein könnte in den letzten Jahrzehnten – bei etwa 80 Grad Temperatur ist es ja flüssig genug. Die RDG-Experten haben daraus geschlossen, dass sie eine Sandstein-Etage tiefer gehen sollten als ihre Vorgänger.

Aber gleich bei der ersten neuen Sondierung im Jahr 2016 haben sie sich ordentlich verbohrt: Anzapfen wollte man die nur gut 15 Meter dicke Sandsteinschicht, die bis vor 35 Millionen Jahren einmal der Strand eines subtropischen Meeres war. Doch dann landete man – das ließen die herausgeholten Muschelschalen vermuten – ausgerechnet im Bett eines kleinen Zuflusses, eines Baches, von Tonschlamm verstopft. Kein Sand, kein Öl. „So etwas müssen wir diesmal vermeiden“, sagt Ernst Burgschwaiger von der RDG.

Die umweltfreundlichste Energie

Deswegen gehen sie in Ampfing nun auf Nummer sicher: Sie teufen, gleich nebeneinander, zwei Bohrungen ab. Zuerst geht’s jeweils etwa tausend Meter senkrecht hinab, danach schräg nach Norden und Süden auseinander und unten, so Bohrleiter Tausch, noch 600 bis 700 Meter horizontal weiter. Mit der aus Amerika berühmt-berüchtigten Fracking-Technik will RDG dem eigenen Bekunden nach nichts zu tun haben. Es gehe nicht darum, das Tiefengestein mit Wasser, diversen Zusätzen und hohem Druck so aufzuweiten, dass Erdöl gewonnen werden kann. Tausch sagt aber, man müsse mit Sammelrohren dem Öl im Sandstein hinterherbohren: „Wenn wir nur darauf warten, dass es von selber zur Bohrstelle kommt, dauert das Jahre.“

In Ampfing, wo im Gedenken an die glorreiche Vergangenheit und an die seinerzeit etwa 10,5 Millionen D-Mark Gewerbesteuereinnahmen die „Mobil-Oil-Straße“ immer noch die längste des Ortes ist, sehen sie die Wiederaufnahme der Förderung mit Wohlwollen und gespannter Erwartung. Proteste oder Widerstand gebe es überhaupt nicht, versichert Bürgermeister Josef Grundner (CSU): „Wir sind da eine große Familie.“ Und wenn es mit dem Erdöl nix wird – auch nicht so schlimm: Dann käme die Gemeinde nämlich früher in den Genuss dessen, was bisher erst als „Nachnutzung“ vorgesehen ist. Denn lediglich 200 Meter unterhalb des erdölversprechenden Sandsteins liegt das noch ältere Oberjuragestein, auch Malm oder Weißer Jura genannt: Dort gibt es Heißwasserschichten, die als Geothermie nutzbar sind. Ein kleines bisschen weiterbohren müsste man also nur – und ganz Ampfing bekäme Energie auf Dauer, absolut umweltfreundlich, zu einem unschlagbaren Preis.