Energiefresser Rundsporthallen droht teure Sanierung

Von Sascha Schmierer 

Die Rundsporthalle Waiblingen wurde 1971 erbaut. Foto: Peter-Michael Petsch
Die Rundsporthalle Waiblingen wurde 1971 erbaut. Foto: Peter-Michael Petsch

Nach 40 Jahren gilt einst gefeierte Konstruktion als Energiefresser – und ist vielleicht einsturzgefährdet

Stuttgart - Vor vier Jahrzehnten war die Rundsporthalle der Traum jedes Bürgermeisters. Die von einem Wiener Professor entwickelte Konstruktion wurde als städtebauliches Aushängeschild gepriesen, wie die Pilze schossen die bis auf Details baugleichen Hallen aus dem Boden. Die Stadt Waiblingen setzte ebenso auf das kreisrunde Bauwerk wie Ludwigsburg und Filderstadt, auch kleinere Kommunen wie Asperg im Kreis Ludwigsburg oder Neckartenzlingen im Kreis Esslingen leisteten sich das modern wirkende Prestigeprojekt.

Allein in Baden-Württemberg wurden acht Rundsporthallen gebaut, in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden mehr als 70 typgleiche Bauwerke. Der Vorteil für die Stadtkasse lag schließlich auf der Hand: Durch die Synergieeffekte bei der Planung und die Serienfertigung mit einem Durchmesser von 53 oder 63 Metern waren die Kosten für die lokale Sportarena vergleichsweise bescheiden. Und: Der Neid der Nachbarn war den Bauherren sicher, mit einer Rundsporthalle konnte sich das Rathaus den Bürgern als aufstrebender Ort präsentieren.

Vier Jahrzehnte später freilich ist die Begeisterung für die einst innovative Konstruktion merklich abgekühlt. Die noch vor der Ölkrise geplanten Rundsporthallen gelten durch ihre hohen Heizkosten als katastrophale Energiefresser, auch die Asbest-Funde in den 1980er Jahren brachte den Bautyp in die Negativschlagzeilen. Für neuen Gesprächsstoff in den Kommunen mit Kreisarena sorgt nun ein dringender Erlass des Stuttgarter Umweltministeriums: Bis spätestens zum 13. Juli müssen alle acht Rundsporthallen im Land (neben den Bauwerken in der Region noch Ellwangen, Konstanz und Horb) von Bauexperten auf Sicherheitsmängel in der Dachkonstruktion untersucht werden.

Gravierende Statikprobleme von Schwesterhallen in Rheinland-Pfalz

Hintergrund der eiligen Kontrolle sind die offenbar gravierenden Statikprobleme von Schwesterhallen in Rheinland-Pfalz. In der Stadt Landau wurden bei der Sanierung der Dachabdichtung fehlerhafte Schweißnähte entdeckt, außerdem hatte das vier Milli-meter dicke Stahlblech großflächig Rost angesetzt.

Wegen der Einsturzgefahr wurde die erst vor zehn Jahren für gut eine Million Euro sanierte Halle für Sport und Schulbetrieb gesperrt, als provisorische Lösung ließ das Rathaus laut Stadtsprecher Michael Niedermeier den Akustikputz an der Decke entfernen und die Konstruktion mit Stahlstangen ertüchtigen. Schon die notdürftige Reparatur verschlang 325.000 Euro, für eine grundlegende Sanierung der Dachhaut der Rundsporthalle werden in Landau etwa 3,7 Millionen Euro veranschlagt. Jetzt denkt die Stadt über einen Abriss nach. In Mutterstadt bei Ludwigshafen lässt der Rhein-Pfalz-Kreis das Dach der Rundsporthalle derzeit noch untersuchen. Laut Hans Schwitzgebel vom Schulamt ist bereits absehbar, dass eine teure Komplettsanierung droht. „Es stehen weit größere Summen am Horizont als die 20 000 Euro, die wir jetzt in die Kontrolle stecken müssen, sagt der Amtsleiter.

Meterdicke Schneeschicht und Baumängel mit fatalen Folgen

Investitionen in ähnlicher Größenordnung könnten auch den Kommunen in der Region Stuttgart drohen – wenn die Statikprobleme auch in den hiesigen Rundsporthallen auftauchen. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen“, erklärt Frank Lohro vom Stuttgarter Umweltministerium den Erlass. In Bad Reichenhall waren 2006 beim Einsturz eines Hallendachs 15 Menschen ums Leben gekommen – eine meterdicke Schneeschicht und Baumängel hatten fatale Folgen.

Während die Stadt Ludwigsburg keine Probleme mit der Halle befürchtet, sind die Korrosionsschäden in Asperg kein Fremdwort. „Ich weiß noch, wie unser Dach vor der Sanierung ausgesehen hat“, sagt Rathauschef Ulrich Storer. Im nur 6000 Einwohner zählenden Neckartenzlingen räumt Bürgermeister Herbert Krüger ein, dass eine teure Sanierung möglicherweise die Schließung bedeuten würde. „In der Rundsporthalle wird Energie im Unverstand verschwendet“ weist er auf monatliche Heizkosten von bis zu 30.000 Euro fürs Schulzentrum hin. „Wenn jetzt noch Schäden am Dach auftauchen, ist die Halle ein Auslaufmodell. Wir können uns das schlicht nicht mehr leisten.“

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