Hemmingen ist ein Bioenergiedorf – und will sich beim Thema Umweltschutz weiter verbessern. Foto: Simon Granville

In Hemmingen findet das vierte Energieforum statt. Und zwar in der Laurentiuskirche, denn es geht auch um die Bewahrung der Schöpfung.

Erneuerbare Energien schreibt das kleine Hemmingen seit Jahrzehnten groß. Konkret um „Klimawandel und Energiewende im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Bewahrung der Schöpfung“ geht es beim vierten Energieforum. Es findet am Mittwoch, 19. November, um 19 Uhr in der Laurentiuskirche statt. Diesmal werde ein Thema beleuchtet, das Gesellschaft, Politik und Kirche gleichermaßen bewegt, sagt der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU).

 

Den Impuls des Abends gibt der Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Im Anschluss diskutiert er mit Jule Hauck (evangelische Jugend Hemmingen), Jörg Dürr-Pucher (Plattform Erneuerbare Energien BW), dem Pfarrer Stefan Ziegler, Ulrich Ramsaier (Naturenergie Glemstal) und dem Rathauschef Schäfer. Rafael Binkowski, Chefredakteur des Staatsanzeigers, moderiert durch den Abend. Veit Hübner and Friends sind für die Musik zuständig. Der Bürgermeister hofft auf viele Gäste. „Das Energieforum bietet erneut Raum für Austausch und Anregungen zu aktuellen Fragen der Energiewende“, sagt er. Der Eintritt ist frei.

Hemmingen ist ein Bioenergiedorf – was bedeutet das?

Die Gemeinde ist bei der Energiewende Vorreiter. Sie ist eine von landesweit 47 sogenannten Bioenergiedörfern, die ihren Bedarf zu erheblichen Teilen aus regional nachhaltig verfügbarer Biomasse decken. Dreiviertel des verbrauchten Stroms werden im Ort produziert. Etwa 2000 Wohnungen, Gewerbebetriebe und der Großteil der kirchlichen und gemeindeeigenen Gebäude hängen an einem der drei Wärmenetze von insgesamt circa neun Kilometern Länge.

Zuletzt, im August, ist der Parkplatz zwischen der Seedammhalle, dem GSV-Vereinsheim, dem Kunstrasenplatz und den Tennisplätzen mit Photovoltaik überdacht worden. Die PV-Anlage für rund 620 000 Euro produziert so viel Sonnenenergie, dass nicht nur die zwei Sporthallen mit Ökostrom versorgt werden können – sondern auch das Rathaus, die Grundschule und das Kinder- und Familienzentrum in der Eberdinger Straße bekommen etwas davon ab. Mit ihrem Slogan „Hemmingen hat Energie“ präsentiert sich die Kommune selbstbewusster denn je nach außen.

Auch die Windenergie bewegt die Menschen im Ort: Nördlich von Hemmingen sollen sich bald vier Windräder drehen. Die Pläne für den Windpark sind so weit gediehen wie umstritten: Denn wo in Hemmingen genug Wind bläst, ist der Regenpfeiferacker – wo sich der seltene Goldregenpfeifer beziehungsweise Mornellregenpfeifer aufhält. Auch andere seltene Zugvögel rasten auf der landesweit besonderen Fläche zwischen dem Zeilwald und der Katharinenlinde. Daher steht der Standort auch massiv in der Kritik. „Mit schon einem Windrad mit einer Leistung von 13 Millionen Kilowattstunden pro Jahr wären wir energieautark“, sagte der Bürgermeister Schäfer einst im Interview mit unserer Zeitung.