Die Stadt Stuttgart möchten den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 (im Vergleich zu 1990) Foto: dpa

Sillenbuch könnte wesentlich dazu beitragen, dass Stuttgart bis 2020 messbar weniger Energie verbraucht. Im Vergleich zum Jahr 1990 sollen in der gesamten Stadt 20 Prozent weniger Energie verpuffen.

Stuttgart - Energiesparen beginnt hinter den Haustüren der Stadt, bei jedem einzelnen Stuttgarter. „Aus unserer Sicht findet die Energiewende vor allem lokal statt“, sagte Stephanie Mehne vom Amt für Umweltschutz. Am vergangenen Mittwoch war sie zu Gast bei der Sitzung der Sillenbucher Bezirksbeiräte. Sie hat den Lokalpolitikern das Projekt „Stadt mit Energieeffizienz“, kurz SEE, vorgestellt.

20 Prozent Energie sollen eingespart werden

Erkenntnisse sollen zunächst in Sillenbuch, Rot und Heslach gewonnen werden; sie sollen auf andere Stadtteile übertragen werden. Fündig werden Energiedetektive sicher zum Beispiel im Bezirksrathaus. Laut Umweltschutzamt verbraucht das Verwaltungsgebäude an der Aixheimer Straße 213 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter pro Jahr. Ein saniertes Gebäude hat einen Wert von 50 Kilowattstunden.

„Stadt mit Energieeffizienz“, das klingt etwas sperrig. Das Ziel dahinter ist derweil simpel: Die Stadt möchte weniger Energie verbrauchen – messbar weniger. Im Vergleich zum Jahr 1990 sollen im Jahr 2020 in der gesamten Stadt 20 Prozent weniger Energie verpuffen. Zudem soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent gesteigert und der CO2-Ausstoß der Stadt Stuttgart um insgesamt 40 Prozent reduziert werden.

Augenmerk liegt auf der Drosselung des Energieverbrauchs

Grundlage ist ein Beschluss der Bundesregierung zur CO2-Reduktion sowie der Konvent der Bürgermeister Anfang 2009, an dem die Vertreter von mehr als 300 Kommunen und Regionen der EU teilgenommen haben. Die Ziele sind gemeinsam vereinbart, die Maßnahmen, um sie zu erreichen, denken sich die Städte selbst aus.

Stuttgart hat 68 Maßnahmen aufgelistet, dafür hat der Bund fünf Millionen Euro überwiesen. Die einen Maßnahmen bringen mehr, die anderen weniger. Die wirkungsvollsten Vorschläge „sind politisch schwer durchsetzbar“, sagt Mehne. Eine wäre eine City-Maut, die andere eine Gewerbesteuer, die sich aus dem Energieverbrauch eines Betriebs errechnet. Das Augenmerk liegt daher vorrangig auf anderen Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu drosseln. Dazu gehören energetische Sanierungen in Privathäusern, Hybridbusse der Stuttgarter Straßenbahnen und große Aktionen wie die der EnBW. So hatte das Energieunternehmen kürzlich die Turbinen in den Kraftwerken in Münster und Gaisburg ausgetauscht. Aber auch die Stadt hat im Klärwerk Mühlhausen ein Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. Insgesamt spart dies 330 Gigawattstunden, was dem jährlichen Verbrauch von 100 000 durchschnittlichen Haushalten entspricht.

Haushalte schlucken gleich viel wie die Industrie

Würden alle 68 Maßnahmen umgesetzt werden, könnte sich Stuttgart 3000 Gigawattstunden Energie im Jahr sparen. Zum Vergleich: Von dieser eingesparten Energiemenge könnte eine Million Haushalte ein Jahr lang zehren. In privaten Häusern und Wohnungen lauern viele Energiefresser. Zu den größten gehören alte Elektrogeräte, neuere wie Laptop, Smartphone und Tablet, aber auch alte Glühbirnen. Die Haushalte machen beim Energieverbrauch der Gesamtstadt ein Drittel aus. Das entspricht derselben Menge, die die Industrie in Stuttgart schluckt.

Die Projektleute befragen 700 Haushalte. Daraus soll sich eine maßgeschneiderte Strategie ergeben. Die Stadt schlägt den Bürgern Maßnahmen vor, die passen. Hernach will sie prüfen, ob diese umgesetzt worden sind und ob sie auf andere übertragen werden könnten. Dabei gilt das Prinzip der Freiwilligkeit, sagt Stephanie Mehne. „Wir können niemanden verpflichten.“

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