Die EnBW investiert massiv in Ladeinfrastruktur. Im vergangenen Jahr ging beispielsweise der Schnellladepark Rutesheim an der A8 in Betrieb. EnBW-Chef Mastiaux setzt auf Infrastruktur. Foto: factum/Andreas Weise

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW will der Kohle im Konzern noch vor dem für 2038 anvisierten Ende den Garaus machen. Schon in den vergangenen Jahren hat die EnBW in dem Bereich massiv reduziert.

Stuttgart - Der Vorstandsvorsitzende des Karlsruher Energieversorgers EnBW, Frank Mastiaux, geht davon aus, dass sein Konzern noch vor dem geplanten Abschluss des deutschen Kohleausstiegs im Jahr 2038 die Nutzung des fossilen Brennstoffes beenden wird. „Man ist gut beraten, wenn man sich schnell auf den Weg macht“, sagte Mastiaux bei der Bilanzvorlage. Die EnBW prüfe für alle Standorte in Baden-Württemberg, ob ein Umstieg auf Gas möglich und sinnvoll sei, sodass im Zweifel auch der Weg „in die Wasserstoffwelt" offen stehe.

 

Das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg hat der Konzern bereits 2018 von Steinkohle auf Gas umgerüstet. Insgesamt betreibt die EnBW noch sechs steinkohlebefeuerte Kraftwerksblöcke an fünf Standorten im Südwesten. Seit 2012 hat der Konzern neun konventionelle Kraftwerksblöcke, mehrheitlich steinkohlebefeuert, zur Stilllegung angemeldet und die kohlendioxidintensive Erzeugung so um insgesamt 2700 Megawatt reduziert. Bis 2035 wollen die Karlsruher CO2-neutral sein.

Agenda 2020 ist übererfüllt

Unter anderem durch die Kraftwerksstilllegungen ist der Ergebnisbeitrag des Bereichs Erzeugung und Handel seit 2012 von 1,2 Milliarden Euro auf 400 Millionen Euro im Jahr 2020 gesunken. Dies entspricht weitgehend dem vor acht Jahren vorgelegten Plan für den Konzernumbau bis 2020, den die EnBW insgesamt übererfüllt hat, wie Mastiaux betonte. Während Erzeugung und Handel Bedeutung verloren, nahm das Gewicht von erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb enorm zu. Dafür hat die EnBW 17 Milliarden Euro investiert – allein zwölf Milliarden Euro in Aktivitäten der Energiewende.

Nicht zuletzt durch Erfolge in den Bereichen erneuerbare Energien und Netze hat die EnBW 2020 mit einem satten Umsatzplus abgeschlossen. Dennoch sank der Gewinn um fast 19 Prozent. Als Grund nannte Finanzvorstand Thomas Kusterer Finanzanlagen, die im Vorjahr außergewöhnlich hoch bewertet waren, was sich 2020 „normalisiert“ habe. Die coronabedingten Belastungen bezifferte Kusterer auf 40 Millionen Euro.

Prognose: Wachstum zum fünften Mal in Folge

Mit Investitionen etwa in erneuerbare Energienund Telekommunikation will der Energieversorger auch im laufenden Geschäftsjahr trotz Corona das operative Ergebnis ein fünftes Mal in Folge steigern. Erwartet werde beim bereinigten Ebitda ein Plus von zwei bis sieben Prozent auf 2,83 bis 2,98 Milliarden Euro, so Kusterer. Insgesamt setzt der Konzern auf Infrastrukturthemen und will unter anderem auch in den Bereichen E-Mobilität und öffentliche Sicherheit wachsen. Hier entwickelt der Konzern Lösungen, mit denen Gemeinden oder Schulen Plätze automatisch überwachen lassen können. Künstliche Intelligenz wertet Sensordaten aus und warnt, wenn etwa plötzliche Bewegungen auf eine Schlägerei hindeuten können. „Damit kann man vermeiden, dass immer jemand auf einen Bildschirm starren muss, auf dem die meiste Zeit nichts zu sehen ist“, wie Mastiaux erklärte.

Beim Aufbau des Schnellladenetzes sieht sich die EnBW deutschlandweit vorne. Noch sei man zwar im negativen Ergebnisbereich unterwegs, wie Kusterer einräumte. Aber es gehe jetzt „entscheidend darum, die richtigen Positionen im Markt zu besetzen“, wie Mastiaux ergänzte, und dem Konzern „gute Stationen mit hoher Frequenz“ zu sichern. Das Erreichen der Gewinnzone in diesem Geschäftsbereich sei für 2025 angepeilt.

Zweifel am Ausbautempo der Erneuerbaren

Skeptisch zeigte sich der Konzernchef beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel für 2030 halte die EnBW für sehr konservativ. Aber schon für diesen Plan reiche der aktuelle Ausbau nicht aus. Nicht nur die EnBW zweifelt daran, dass die offiziellen Ziele angesichts der wachsenden Nutzung von Strom auch für Mobilität und in der Industrie genügen. Auch die Expertenkommission, die im Regierungsauftrag die Energiewende begleitet, hat Zweifelangemeldet.