Schließt die Schönbuch-Bahn und kauft für das Geld jedem der 8000 Pendler ein Auto, meint unser Kolumnist Ulrich Stolte.
Natürlich kennen wir alle den tieferen Sinn des politischen Handelns. Man kann diese Richtlinie im Kantischen Sinne eine Maxime nennen oder in der Sprache von Biologen einen Nukleus oder eine DNA. Sie wird auf Landes-, Bundes- und kommunaler Ebene genauso offenbar wie zwischen den Staaten oder den bröckelnden Machtblöcken dieser Welt. Diese Quintessenz des politischen Handelns lässt sich in einem selbst nach Wittgensteinscher Rigorosität bemerkenswert klaren Satz sagen: Der Sinn von Politik ist es, möglichst viel Geld zu verschwenden.
Einfacher zu vermelden, wann die Bahn nicht fährt
Und damit zur Stöhnbuchbahn, äh Schönbuchbahn, und zur offensichtlichen Erkenntnis: Die Landkreise Böblingen und Tübingen sind mitsamt der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft nicht in der Lage, diese Bahn zu betreiben. Inzwischen sind die Meldungen über technische Defekte so häufig, dass es einfacher ist, zu vermelden, wann die Bahn fährt, als zu berichten, wann wieder Schienenersatzverkehr angesagt ist.
Und damit zum löblichen Ziel deutscher Politik: Stand des Jahres 2024 hat es 77 Millionen Euro gebraucht, die Strecke zu modernisieren. 19 Millionen Euro kostete der neue Betriebshof und 53 Millionen kosteten die Nexio-Züge damals. Das macht ebenfalls Stand 2024 Kosten von insgesamt rund 149 Millionen Euro – für 8000 Pendler täglich, die die Bahn benutzen. Von den laufenden Kosten ganz zu schweigen.
Würde man allein jene 149 Millionen Euro unter die 8000 Pendler täglich verteilen, dann könnte man von diesem sinnlos verschwendeten Geld jedem Pendler ein neues Auto schenken für rund 18 600 Euro, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich von den 8000 Pendlern dann niemand über die nicht vorhandene Schönbuchbahn beschweren würde.
Alternativ könnte der Kreis jedem Pendler auch vier E-Bikes überreichen, eines für jeden in der Familie. Der Kreis könnte auch sagen, dass er für die sinnlos verschwendeten 149 Millionen Euro jedem der 8000 Pendler Benzin kauft. Das wären so etwa 83 Millionen Liter insgesamt und pro Kopf etwa 10 400 Liter, womit jeder Schönbuchpendler 148 800 Kilometer fahren könnte, das heißt, er könnte rund 4380 Mal die 17 Kilometer von Dettenhausen nach Böblingen und wieder zurück pendeln: Bei 220 Arbeitstagen im Jahr wären das 20 Jahre – müsste reichen. Das könnte der Landkreis tun, das tut er aber nicht. Denn er kennt die Maxime politischen Handelns genau so gut wie jeder Bürger und hält sich daran.