Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung bei Frauen. Im Klinikum Stuttgart werden jedes Jahr mehrere hundert Frauen mit großer Expertise behandelt.
Endometriose ist eine gutartige, aber oft sehr schmerzhafte chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Sie ist nach Myomen die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung bei Frauen. Etwa fünf bis 15 Prozent aller Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren sind betroffen. Am häufigsten tritt die Endometriose im Beckenraum auf, zum Beispiel am Bauchfell, an den Eileitern oder den Eierstöcken.
Warum Endometriose Schmerzen verursacht
Die Endometrioseherde verhalten sich hormonabhängig, ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut: Sie bauen sich im Zyklus auf und bluten ab. Anders als in der Gebärmutter kann dieses Blut aber nicht über die Scheide abfließen. Stattdessen kommt es zu Reizungen, Entzündungsreaktionen, Verwachsungen und manchmal auch zur Bildung von Zysten. Auch neue Herde können entstehen.
Professor Ulrich Karck ist Ärztlicher Leiter der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart. Er hat seine Habilitation zum Thema Endometriose verfasst und beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der oft sehr schmerzhaften Erkrankung. Bemerkenswert findet er, dass die Ausprägung der Herde nicht immer in direktem Verhältnis zur Schmerzstärke steht. Kleine Herde könnten sehr starke Beschwerden verursachen, große Zysten hingegen manchmal nur geringe. Typische Beschwerden sind starke Regelschmerzen, die oft mit den Jahren stärker werden, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, besonders während der Menstruation, chronische Unterbauchschmerzen und in manchen Fällen Blut im Urin oder Stuhl.
Wie wird Endometriose diagnostiziert?
„Die Diagnose ist oft eine Herausforderung, da die Symptome unspezifisch sein können und viele Frauen jahrelang keine eindeutige Erklärung für ihre Beschwerden bekommen“, sagt Professor Karck. Der durchschnittliche Zeitraum von den ersten Symptomen bis zur Diagnose betrage in Deutschland noch immer sechs bis zehn Jahre. Bei einer Anamnese werden Zyklus, Schmerzen, Blutungsstörungen und Kinderwunsch abgefragt. Bei der gynäkologischen Tastuntersuchung können Verhärtungen oder schmerzhafte Knoten auffallen. Bildgebende Verfahren wie ein vaginaler Ultraschall helfen, vor allem Endometriosezysten (Endometriose) an den Eierstöcken oder größere Herde im Becken zu erkennen. Bei dem Verdacht auf einen Befall von Darm oder tiefem Beckenbindegewebe wird ein transrektaler Ultraschall durchgeführt. Bei unklaren Befunden oder schwieriger Lage der Herde kann ergänzend ein MRT (Magnetresonanztomographie) zur Diagnose eingesetzt werden. „Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist der Goldstandard der Untersuchungen. Nur sie ermöglicht eine sichere Diagnose“, betont der Ärztliche Direktor der Frauenklinik. Dabei werden die Herde direkt betrachtet, ihre Ausbreitung eingeschätzt und – wenn möglich – sofort entfernt. Das entnommene Gewebe wird histologisch untersucht, um die Diagnose zu bestätigen.
Therapiemöglichkeiten
Gründe für eine Therapie sind starke Schmerzen, ein unerfüllter Kinderwunsch oder drohende Funktionseinschränkungen befallener Organe (zum Beispiel von Eierstock, Darm oder Harnleiter). Da die genauen Ursachen der Endometriose nicht bekannt sind, kann nur symptomorientiert behandelt werden.
Zu den nicht-operativen Therapiemöglichkeiten gehören Schmerzmittel (entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Naproxen) oder eine hormonelle Therapie (Gestagene, kombinierte Pillen, GnRH-Analoga), um den Zyklus zu unterdrücken und die Aktivität der Herde zu bremsen. Unterstützend können Verfahren wie Akupunktur, Physiotherapie und Entspannungstechniken eingesetzt werden.
In Frage kommen auch operative Therapien wie eine Bauchspiegelung zur Entfernung oder Zerstörung aller sichtbaren Herde, sowie die Beseitigung von Verwachsungen und der Wiederherstellung einer normalen Organfunktion. In spezialisierten Zentren findet dies oft kombiniert mit minimalinvasiver Chirurgie an Darm oder Harnblase statt, falls diese befallen sind.
Endometriose und Kinderwunsch
Frauen mit Endometriose haben häufiger Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Ursachen dafür sind zum Beispiel Verwachsungen oder Verklebungen an Eileitern und Eierstöcken, eine mechanische Blockade des Eisprungs, chronische Entzündungsprozesse, die die Einnistung verhindern, oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die den Kinderwunsch beeinträchtigen.
Die operative Entfernung von Endometrioseherden kann die Chancen auf eine spontane Schwangerschaft erhöhen. Wenn die Erkrankung erneut auftritt oder mehrere Operationen erfolglos waren, ist oft eine künstliche Befruchtung die bessere Option. Spezialisierte Endometriose- und Kinderwunschzentren bieten die beste Kombination aus Erfahrung, moderner Technik und wissenschaftlicher Expertise.
Große Expertise am Klinikum Stuttgart
Endometriose ist keine seltene Erkrankung – aber sie wird oft spät erkannt. Eine frühzeitige, gezielte Diagnostik ist entscheidend, um Schmerzen zu lindern, Organschäden zu vermeiden und den Kinderwunsch zu erhalten. Auch wenn eine vollständige Heilung nicht immer möglich ist, können moderne Therapien die Lebensqualität deutlich verbessern.
Endometriose-Sprechstunde am Klinikum Stuttgart
„An der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart beschäftigen wir uns seit vielen Jahren intensiv mit der Diagnose und Behandlung der Endometriose. In unserer spezialisierten Endometriose-Sprechstunde betreuen und behandeln wir jedes Jahr mehrere hundert Patientinnen. Unsere Ärztinnen und Ärzte kombinieren modernste diagnostische Verfahren, hohe chirurgische Expertise und ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept – immer mit dem Ziel, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und den Kinderwunsch zu unterstützen“, sagt Professor Ulrich Karck. Operationen bei Endometriose erfordern ein hohes Maß an Erfahrung und chirurgischer Expertise. Sie können entscheidend dafür sein, ob ein Kinderwunsch erfüllt wird oder nicht – und ob betroffene Frauen dauerhaft mit Schmerzen leben müssen oder künftig weitgehend schmerzarm bis schmerzfrei sein können.
Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Webseite des Klinikums Stuttgart.


