Die Fellbacher Bäckerei Stuber schließt Mitte Dezember die Türen. Kunden können sich noch diese Woche verabschieden. Bäckermeister Markus Stuber nennt die Gründe.
Nach 122 Jahren geht eine Ära im Handwerk zu Ende: Die Bäckerei Stuber schließt ihre Türen. Mit der Schließung der Bäckerei geht ein Stück unverwechselbarer Fellbacher Handwerkskultur verloren. Die Brezel in dem geschwungenen Namenszug der Bäckerei Stuber an dem markanten Gebäude am Cannstatter Platz in Fellbach steht für traditionelle Handwerkskunst. Bäckermeister und Konditor Markus Stuber führt zusammen mit seiner Frau Imke Evers den Betrieb bereits in vierter Familiengeneration. Karl Stuber hatte 1903 die Bäckerei in Schorndorf gegründet und diese dann zwei Jahre später, im Jahr 1905, nach Fellbach verlegt.
„Seitdem sind wir hier in der Mozartstraße“, sagt Markus Stuber, der Urenkel von Karl Stuber. Immer wieder wurden Neuheiten eingeführt und immer wieder wurde investiert – so wurde unter anderem vor einigen Jahren ein Bäckereicafé mit rund 20 Sitzplätzen eingerichtet. Aber auch im Sortiment wurde immer wieder Neues aufgegriffen, wie beispielsweise der Trend zum Dinkelgebäck. Auch bei großen Veranstaltungen war die Bäckerei Stuber mit von der Partie. So hat sie beispielsweise beim Internationalen Ostereiermarkt in der Fellbacher Schwabenlandhalle über viele Jahre den kleinen Hunger der Besucher gestillt, bis die Veranstaltung in Fellbach ausgelaufen ist.
Schaut man in das Archiv unserer Zeitung, so sind da einige Aktionen zu finden, mit denen sich die Traditionsbäckerei in der Stadtgesellschaft engagiert hat. Mit einer Brezelaktion ging beispielsweise vor Jahren an jedem dritten Mittwoch der Erlös aus dem Verkauf der Stuber-Brezeln zugunsten des Neubaus des Oberlin-Kindergartens. Auch bei einer Aktion der Bäckerinnungen in Württemberg und „Brot für die Welt" vor Jahren war die Bäckerei Stuber mit dabei.
Verschiedene Faktoren führten zu dem Entschluss
Nach so einer langen Zeit fällt der Abschied nicht nur den Kunden, sondern auch dem Bäckermeister schwer. „Wir haben uns den Schritt sehr gut überlegt“, sagt Markus Stuber. Es seien mehrere Faktoren, die zu dem Entschluss geführt hätten. Die gestiegenen Energiepreise seien eine Belastung, hinzu komme, dass man in der Coronazeit einige Kunden verloren habe. Die Betriebskosten seien insgesamt sehr stark gestiegen, was die Frage aufwerfe, ob Einsatz und Ertrag zusammenpasse.
Man habe auch keinen Nachfolger gefunden. Daher habe man sich schweren Herzens zu dem „vorgezogenen Schlussstrich“ entschieden. Viele der Mitarbeiter hätten sich schon neu orientiert. Wie es für ihn weitergehe, das lasse er sich, jetzt Mitte 50, noch offen. Und wie geht es mit den Räumen weiter? „Geplant ist, dass gebacken wird“, sagt Markus Stuber.
Noch in dieser Woche können sich die Kunden verabschieden, ab Montag, 15. Dezember, sind die Türen zu. Am Schaufenster der Bäckerei verabschieden sich Markus Stuber und Imke Evers auf einem Plakat mit folgenden Worten: „Wir gehören zu den letzten Traditionsbäckereien, die noch alles von Hand, frisch und vor Ort produzieren. Handwerk pur, Backen mit Herz und Leidenschaft hat uns all die Jahre ausgezeichnet. Nach 122 Jahren geht nun eine Familientradition in der vierten Generation zu Ende, es ist Zeit, Abschied zu nehmen.“ Und sie bedanken sich bei den Kunden für ihre langjährige Treue, Wertschätzung und vielen herzlichen Begegnungen.