Brigitte Stegmaier (Mitte, Zweite von Links) und ihr Team aus ehrenamtlichen Helfern organisieren schon seit Jahren den Sindelfinger Weihnachtsmarkt. Foto: Stefanie Schlecht

Baustellen, Sicherheitsauflagen und ständig neue Vorgaben machten die Organisation des Weihnachtsmarktes für Brigitte Stegmaier und ihr Team zunehmend zur Kraftprobe.

Auf dem Sindelfinger Marktplatz herrscht reges Treiben. Ein paar Helfer rollen Kabel aus, andere befestigen eine Lichterkette am Dach einer Holzhütte. Immer wieder fahren Gabelstapler über den Platz und bringen neues Holz für die Hütten, die dort bald entstehen werden. Dazwischen steht Brigitte Stegmaier. Aufmerksam und routiniert wie immer überwacht sie das Geschehen. Seit fast drei Jahrzehnten beaufsichtigt und organisiert die 77-Jährige an genau diesen Tagen den Aufbau des Sindelfinger Weihnachtsmarkts. In diesem Jahr zum letzten Mal.

 

„Ich denke, irgendwann muss man es in jüngere Hände geben“, sagt sie nüchtern. „Ich hoffe, dass die auch gefunden werden.“ Einen Sindelfinger Weihnachtsmarkt ohne Brigitte Stegmaier – das kann man sich nach mehr als 30 Jahren kaum noch vorstellen. Und doch wird genau das nächstes Jahr Realität. Stegmaier prägte den Sindelfinger Weihnachtsmarkt wie kaum eine andere. Erst als Mitarbeiterin im städtischen Kulturamt, später – nachdem die Organisation Anfang der 2000er Jahre ins Ehrenamt wechselte – auf freiwilliger Basis. Und selbst nach ihrem Ruhestand 2015 blieb sie dabei. Seit 2022 hatte die 77-Jährige zusätzlich die Projektleitung inne.

Baustellen sorgten für ständig wechselnde Standpläne

Ein Grund dafür, dass Stegmaier aufhört, ist auch die Last der Verantwortung, die mit jedem Jahr schwerer wurde. „In den letzten Jahren sind immer mehr Sicherheitsbestimmungen dazugekommen“, so die 77-Jährige. Das bedeutete: Genehmigungen über Genehmigungen einholen, ständig die Wegeführung umwerfen und immer wieder neue Vorgaben, auf die man reagieren muss.

Die finale Genehmigung des Ordnungsamts kam dieses Mal erst knapp zehn Tage vor Marktbeginn. Davor war kaum klar, wie die Stände überhaupt stehen dürfen. „Es ist dann immer wieder verändert worden. Und immer kamen neue Sachen dazu.“ Die Planungen mussten erneut angepasst werden – und erneut, und erneut. „Ehrlich gesagt war dieses Jahr von allen das mühsamste. Für meinen letzten Weihnachtsmarkt hätte ich mir das anders gewünscht.“

Auch die Sanierungsarbeiten an der Tiefgarage unter dem Marktplatz erschwerten die Organisation des Weihnachtsmarktes. Früher standen die Aussteller an vertrauten Positionen, viele hatten über lange Zeit dieselbe Standnummer. Durch die wechselnden Baustellen ist davon nichts mehr übrig. Und in diesem Jahr wandert der Weihnachtsmarkt noch weiter: vom Marktplatz hinauf in die Planiestraße und weiter in Richtung Vorstadt. „Er reißt ein bisschen auseinander“, sagt Stegmaier. Man müsse nun gut überlegen, wie man den Besuchern deutlich macht, dass sie weiterlaufen sollten, damit niemand eine Hälfte des Markts verpasst.

„Wenn ich aufhöre, hören sie auch auf“

Wer glaubt, die Organisation beginne erst im Herbst, irrt. Für Stegmaier startet alles im Mai, wenn sie die Unterlagen an die Aussteller verschickt. Viele melden sich früh zurück, manche spät, manche sehr spät. Danach beginnt die Einteilung der Plätze – ein Puzzle, das in den letzten Jahren immer schwieriger wurde. Hinzu kommen Rechnungen, Rückfragen, Stromanmeldungen. Und all das, was man nicht planen kann: kaputte Lichterketten, ausgefallene Heizstrahler, neue Vorschriften. „Langweilig wird’s einem da nie“, sagt Stegmaier und lacht kurz.

Die Aufbaumaßnahmen auf dem Sindelfinger Marktplatz sind in vollem Gange. Foto: Stefanie Schlecht

Ihr Team ist über die Jahre gewachsen und geblieben. In diesem Jahr sind sie zu neunt, früher waren es zehn. Viele stammen aus früheren Kollegenkreisen, andere kamen über Empfehlungen hinzu. Mit manchen arbeitet Stegmaier seit Jahrzehnten zusammen. Und doch weiß sie: Ihr Abschied bedeutet auch den ihres Teams. „Ist leider so“, sagt sie. „Wenn ich aufhöre, hören die meisten auch auf.“

60 Stände sollen bis Samstag aufgebaut sein

Wie jedes Jahr findet der Sindelfinger Weihnachtsmarkt auch in diesem Jahr wieder am zweiten Adventwochenende statt. 60 Stände sollen bis Samstag aufgebaut sein, verspricht die Einladung der Stadt. Bis dahin bedeutet das wie schon seit vielen Jahren noch eine Menge Arbeit für Stegmaier und ihr Team.

Auch während des Marktes selbst ist Stegmaier jeden Tag vor Ort. „Wenn man Verantwortung hat, sollte man auch da sein.“ Und wenn dann schließlich Sonntag ist, dann heißt es: Abschied nehmen von dem Projekt Weihnachtsmarkt. Ohne großes Aufsehen und vor allem, ohne dass es den meisten Besuchern auffallen würde. Dort auf dem Marktplatz, zwischen Gabelstaplern, Leitern und Holzplatten, wirkt Stegmaier nicht wehmütig. „Jetzt machen wir nochmal das Beste draus“, sagt sie. „Und ich hoffe, dass es schön wird.“