Mineralwasser-Produktion in Urbach Die letzte Flasche Urbacher ist abgefüllt

Von Oliver Hillinger 

Die Flaschen mit dem Logo „Urbacher“ werden in den kommenden Wochen aus dem Handel verschwinden. Foto: Stoppel/Archiv
Die Flaschen mit dem Logo „Urbacher“ werden in den kommenden Wochen aus dem Handel verschwinden. Foto: Stoppel/Archiv

Nach vielen Jahrzehnten beendet der Konzern Coca-Cola die Mineralwasserproduktion in Urbach im mittleren Remstal. Der Standort dient dann nur noch für die Logistik und die Automatenwartung. Etliche dutzend Beschäftigte müssen gehen.

Urbach - Der Sommer lässt das Thermometer klettern, doch die Verbraucher können ihren Durst bald nicht mehr mit Urbacher und Schurwald-Mineralwasser löschen. Am Donnerstag sind die letzten Flaschen in der Produktionshalle in Urbach vom Band gelaufen, sie wurden in einem symbolischen Akt den Beschäftigten überreicht. Damit verschwindet eine weitere regionale, auf Mehrwegflaschen spezialisierte Wasser-Marke aus den Handelsregalen und den Automaten. In Urbach bleibt nur die Logistik und die Automatenwartung .

Respekt vor der Arbeitsmoral

„Uns ist die Entscheidung damals wie heute nicht leicht gefallen, die Produktion von Urbacher und Schurwald einzustellen“, wird Tilmann Rothhammer, der regionale Produktionsdirektor, in einer Pressemitteilung des Coca-Cola-Konzerns zitiert. Er habe „großen Respekt davor, mit welch hoher Arbeitsmoral die Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit ausgeführt haben“.

Die Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten) spricht von 87 Stellen, die verloren gehen. Jedoch hatte es am Standort Urbach, nachdem die Nachricht von der Schließung am 4. Oktober 2016 verkündet wurde, keine sichtbaren Protestaktionen gegeben. Allerdings beteiligten sich die 120 Beschäftigen Anfang April am Streik, als in der Branche für höhere Löhne gestreikt wurde. „Für unsere Arbeitsplätze haben wir immer wieder auf mehr Lohn verzichtet“, stand auf einem Transparent. „Urbacher und Schurwald werden trotzdem eingestellt“, auf einem anderen.

Der Coca-Cola-Konzern, der in Europa inzwischen länderübergreifend agiert, hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Wandlungen hinter sich. Im Jahr 1950 wurde die Firma Lachenmaier einer der weltweit vielen Konzessionäre für die Produktion der süßen Brause, die man von 1972 an auch in Urbach abfüllte. 1997 wurde Coca-Cola Herr im Haus und steckte 2002 noch 6,5 Millionen Euro in eine Abfüllanlage für Pet-Flaschen.

Einweg braucht weniger Personal

Dennoch seien die Managemententscheidungen, so hieß es bei der Demonstration Anfang April, von vielen Beschäftigten nicht mehr verstanden worden. „Coca Cola will in Deutschland nur noch wenige Mineralwassermarken betreiben“, sagte Karin Brugger von der NGG. Zudem habe der Konzern seine 1,5 und 0,5-Liter-Flaschen auf Einwegflaschen umgestellt. Eine Produktionsweise, die weniger Personal benötigt, als dies in Urbach der Fall war, wo auch verschiedene Größen von Mehrweg-Glasflaschen produziert wurden.

Die Beschäftigten trifft der Wechsel unterschiedlich. Laut dem Unternehmen habe es keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, der Tarifvertrag mit dem Namen „Struktur“ sah Abfindungsregelungen vor. Zudem verlängert die Firma freiwillig die Gehaltszahlungen nach den Kündigungen. 102 Beschäftigte seien laut Coca-Cola von der Veränderung betroffen gewesen, 40 von ihnen würden an anderen Standorten weiterbeschäftigt, mit 62 habe man sich einvernehmlich geeinigt.

Die Gewerkschaft spricht allerdings von Problemen, vergleichbare Jobs in der Getränkeindustrie zu finden. In den Verhandlungen habe man erreichen können, dass die Werkstatt für die Getränkeautomaten in Urbach bleibe. Coca-Cola betreibt nur noch wenige solcher Werkstätten. Die Schließung hätte für die Beschäftigten sehr weite Fahrwege bedeutet. Ansonsten sei der Konzern bei der im Oktober verkündeten Schließung geblieben und habe „wenig Verhandlungsspielraum gezeigt“, sagt Karin Brugger von der NGG.

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