Die archäologischen Grabungen sind abgeschlossen und die Gesamtkosten stehen fest. Wie mit den Funden umgegangen werden könnte und welche wichtige Erkenntnis die Stadt gewonnen hat.
Archäologen haben auf dem Böblinger Schlossberg etliche spannende Funde zutage gefördert und freigelegt. Jetzt sind die Grabungen abgeschlossen. Wie geht es also weiter? Eine zentrale Erkenntnis lautet: „Einer möglichen Neubebauung steht nach jetzigem Kenntnisstand nichts im Weg“, sagte Timo Nußbaum, Leiter des Gebäudemanagements in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses. Zwar müssen alte Mauern teils erhalten bleiben, sie sind aber demnach stabil genug und würden eine Bebauung zulassen.
Die Grabungen waren vor allem deshalb notwendig geworden, weil der Gemeinderat 2021 den Grundsatzbeschluss gefasst hatte, eine Bebauung des Schlossbergs zu prüfen. Zu dieser Prüfung zählen an einem historisch bedeutsamen Ort sogenannte archäologische Rettungsgrabungen. Auf dem Weg zu einer möglichen Bebauung ist die Stadt also einen wichtigen Schritt vorangekommen – und steht vor neuen Herausforderungen. Denn der Gewölbekeller, der Kellerabgang, der Brunnen, die Umfassungsmauer und die äußere Ringmauer müssen erhalten bleiben, Keller und Treppenabgang sollten dabei sogar weiterhin sichtbar sein.
Stadtrat Ralf Sklarski (Freie Wähler) schlüpfte direkt in die Rolle des Mahners. Sein Tenor: Auf dem Schlossberg zu bauen sei sicher möglich – aber zu welchem Preis? Wenn man über einem Tunnelsystem aus dem Zweiten Weltkrieg gründen und 500 Jahre alte Strukturen integrieren müsse.
Gewölbekeller muss saniert werden
Sklarski griff damit einer Debatte vor, die vermutlich im kommenden Jahr intensiv geführt wird. „Aktuelle Aufgabe ist es, die gewonnenen Erkenntnisse zurück in unsere Planung zu spiegeln“, sagte Nußbaum. Der Schlossberg steht dann voraussichtlich im Frühjahr 2025 wieder auf die Tagesordnung – inklusive Aspekten wie der barrierefreien Erreichbarkeit und der Frage, wie es mit dem nördlichen Baufeld weitergeht.
Der Gemeinderat hatte sich im Frühsommer dafür ausgesprochen die Arbeiten auf das größere, südliche Baufeld zu konzentrieren – als klar war, dass das eingeplante Budget von 815 000 Euro nur dafür reicht. Inzwischen steht fest: Die Grabungen kosten knapp 1,3 Millionen Euro, genau genommen 1 270 844 Euro. „Das Budget wird voll ausgeschöpft und vermutlich um etwa 5000 Euro leicht überschritten“, sagte Nußbaum.
Schutz vor Winterkälte
Die Steigerung führt er vor allem auf die unerwartet hohe Zahl an Funden zurück. In der Summe enthalten sind zudem die Kosten für die Kampfmittelbeobachtung und der Puffer von 350 000 Euro, den sich die Stadtverwaltung vor der Sommerpause vom Gemeinderat erbeten hatte. Die Kosten für den Schutz der Wände und der Mauern vor Frost sind laut Nußbaum ebenfalls berücksichtig.
Die nahende Winterkälte macht vor allem dem Gewölbekeller zu schaffen. Er sollte laut Stadtverwaltung so schnell wie möglich auf Vordermann gebracht werden, bevor ihn der Frost schädigen könnte. Die Sanierung soll deshalb bei einer Obergrenze bis zu 320 000 Euro zeitnah an eine Firma vergeben werden. Noch muss der Gemeinderat zustimmen. Wegen der Sanierung, aber auch wegen der Unebenheit des Geländes bleibt der Bereich auf dem Schlossberg weiterhin abgesperrt.
Wie werden die Funde aufbereitet?
Stellt sich die Frage, wie es mit den Funden weitergeht. In der Öffentlichkeit waren die Grabungen auf reges Interesse gestoßen. „Wir müssen uns noch überlegen, wie wir die neuen Erkenntnisse über die Stadtgeschichte aufbereiten“, sagte Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger. Das Amt für Kultur will sich darüber Gedanken machen. Außerdem soll demnächst ein Video von den Grabungen auf der Projekthomepage schlossberg-bb.de veröffentlicht werden.
Dorothee Brenner vom Landesdenkmalamt hatte im September ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Funde, die von den Archäologen dokumentiert wurden, auch ausgewertet werden. Der Vorschlag des Landesdenkmalamts: Darüber eine Doktorarbeit zu verfassen – vorausgesetzt es findet sich ein Kandidat und das nötige Geld.