EnBW-Kraftwerk in Gaisburg Ikea zeigt Interesse an Standort Stuttgart

Von Konstantin Schwarz 

An der B  10 in Gaisburg werden die Kohlehalden überflüssig, weil das Kraftwerk (im blauen Gebäude) durch ein Gas-Heizwerk auf dem Gelände Richtung der Öltanks ersetzt wird. Die Tanks bleiben als Reserve. Auch das seit Jahren stillgelegte alte Kraftwerk (Gebäude mit Schlot und grünem Dach) könnte abgerissen werden Foto: EnBW/Maier-Gerber
An der B  10 in Gaisburg werden die Kohlehalden überflüssig, weil das Kraftwerk (im blauen Gebäude) durch ein Gas-Heizwerk auf dem Gelände Richtung der Öltanks ersetzt wird. Die Tanks bleiben als Reserve. Auch das seit Jahren stillgelegte alte Kraftwerk (Gebäude mit Schlot und grünem Dach) könnte abgerissen werden Foto: EnBW/Maier-Gerber

Die EnBW AG wird ihr altes Kohlekraftwerk in Gaisburg mittelfristig stilllegen. Von 2017 an soll als Ersatz an dem Standort am Neckar ein reines Gas-Heizwerk zur Fernwärme-Versorgung aufgebaut werden. Der Möbelriese Ikea zeigt Interesse am Standort.

Stuttgart - Die Kohlehalden der Energie Baden-Württemberg (EnBW) an der B 10 sind für Autofahrer seit Jahrzehnten ein vertrauter Anblick. Die Förderanlagen am Neckar, mit denen der schwarze Rohstoff von den Schiffen zum Lager transportiert wird, sind als Technikdenkmal ausgewiesen. Tatsächlich soll die Kohleverbrennung hier bald Geschichte sein. Bis Ende dieses Jahrzehnts will die EnBW den Meiler durch ein Gas-Heizwerk ersetzen.

Mindestens 75 000 Quadratmeter, auf denen die inzwischen aus dem Ausland stammende Kohle liegt, will der Energiekonzern durch die Modernisierung frei machen. Dazu könnten weitere Flächen an der Uferstraße kommen, denn das neue Heizwerk, das zwischen den Öltanks und dem blau gestrichenen Kraftwerkgebäude ­entstehen soll, wird deutlich weniger Platz beanspruchen als die bisherige Anlage mit ihren 160 und 125 Meter hohen Schornsteinen. Die beiden alten Kraftwerkgebäude können abgerissen werden.

Mittelfristig würden sich „interessante städtebauliche Chancen für die angrenzenden Stadtteile und die Stadt als Ganzes“ ergeben, teilte die EnBW AG am Donnerstag mit. Der Name Ikea fiel dabei nicht. Der schwedische Möbelriese hat aber „grundsätzliches Interesse am Standort Stuttgart“, sagt Ikea-Sprecherin Simone Settergren. Er sucht seit Jahren an den Schnellstraßen zwischen Stuttgart, Esslingen und Waiblingen eine Fläche. Im Neckarpark war er auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs schon fündig geworden, der Gemeinderat setzt dort aber auf Wohnungen und nicht auf ein Möbelhaus.

Ikea beharrt darauf, in seiner Markthalle ein Sortiment an Gläsern, Tellern, Töpfen und Waren, die für den Handel in der Innenstadt relevant sind, anzubieten. Der Regionalplan lasse für Stuttgart nur 350 Quadratmeter dafür zu. „Wir brauchen aber mindestens 3000, besser 4000 Quadratmeter dafür“, so Settergren. Man hoffe daher auf eine Planänderung oder Ausnahme.

In der Stadtverwaltung sieht man die Modernisierung positiv. Für den Stuttgarter Osten werde die Öffnung zum Neckar möglich. Der Technikausschuss des Gemeinderates soll am 19. Mai Details erfahren.

Vor einer Neubebauung müssten allerdings Altlastenprobleme gelöst werden. Mit dem Begriff wird umschrieben, dass das Erdreich unter den Kohlehalden aus der früheren Gaserzeugung mit Schadstoffen belastet ist. Weil die Stadt damals Verursacher war, haftet sie. Die Sanierung sei geplant und werde vom Land unterstützt, sagt Hermann Kirchholtes, der im Umweltamt für kommunale Altlasten zuständig ist. Der Austausch von Erdreich werde mehr als zehn Millionen Euro kosten, 25 Prozent übernimmt die Stadt. Ein Problem sind Kampfmittel, also mögliche Bombenfunde. Der Ablauf der Sanierung ist daher ungeklärt.

Grund für die Umstellung sei die rentablere Energieproduktion mit Gas, sagt EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth. Die Anlage habe insgesamt ein Alter erreicht, die eine Modernisierung rechtfertige. Investiert werden sollen zwischen 50 und 100 Millionen Euro. Die große Spanne erklärt sich daraus, dass zum reinen Heizwerk, das die bisherige Wärmeleistung von rund 270 Megawatt ersetzt, noch eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung (also Wärme- und Stromerzeugung) kommen könnte. Dazu gebe es aber noch keine Entscheidung, sie sei von den „Rahmenbedingungen“ abhängig. Strom aus Gas zu produzieren gilt zurzeit als kaum wirtschaftlich.

Das Gas-Heizwerk werde weniger Schadstoffe erzeugen als die Kohleverbrennung. Der Kohlendioxidausstoß werde zurückgehen, „und das Thema Feinstaub entfällt komplett“, so Groscurth. Zahlen wolle die EnBW bei einer Info-Veranstaltung für ­Bürger am 19. Mai ab 18 Uhr im Heizkraftwerk, Langwiesenweg 23, nennen. Zum Ortstermin können sich Bürger unter ­gaisburg@enbw.com oder Telefon 08 00 / 3 62 94 28 anmelden. Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist bei derartigen Vorhaben seit Jahresanfang Pflicht. „Wir wollen zuhören und Aspekte mitnehmen, an die wir vielleicht noch nicht gedacht haben“, sagt Projektleiter Hans Bubeck.

Während die EnBW bei Strom und Gas in der Stadt mit den Stuttgarter Stadtwerken kooperiert, agiert die EnBW beim Thema Fernwärme allein. Gaisburg sei „ein reines EnBW-Thema“. Gespräche, so die Auskunft der Stadtwerke, habe es dennoch gegeben. Eine finanzielle Beteiligung komme derzeit nicht infrage, da man keinen Zugang zum Wärmemarkt erhalte. Die Stadtverwaltung will den möglich machen. Man prüfe dazu „die rechtlichen Rahmenbedingungen, Optionen und die Wirtschaftlichkeit“.

Lesen Sie jetzt