Der „IdeenRaum“ für die Bürgerbeteiligung bei der Weiterentwicklung des Stöckach-Areals befindet sich im Erdgeschoss des sonst leer stehenden Gebäudes Hackstraße 31. Foto: Jürgen Brand

Im Erdgeschoss des großen Gebäudes an der Hackstraße gibt es jetzt einen Raum, in dem Bürger ihre Vorstellungen einbringen können. Sie können so den Ausschreibungstext für den geplanten städtebaulichen Wettbewerb mitgestalten.

S-Ost - Der Wettergott hat mitgespielt, der Verkehr aber nicht. Da müssen wir etwas anders machen.” Thomas Erk, der Immobilienchef der Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat bei der Eröffnung der Bürgerbeteiligung für die Entwicklung des Stöckach-Areals gleich eines der großen innerstädtischen Probleme angesprochen. Auf den Straßen im näheren und weiteren Umfeld des Areals ging am Freitagnachmittag nur wenig voran, auch so manche Stadtbahn steckte im Auto-Stau fest, wie so oft auf der Hackstraße. Auf die bevorstehende Kommunalwahl hat die EnBW nicht warten wollen und schon mal einen öffentlichen „IdeenRaum“ eröffnet.

Das Areal

Das Stöckach-Areal ist 42 500 Quadratmeter groß, das Gefälle vom höchsten Punkt an der Ecke Hackstraße/Heinrich-Baumann-Straße bis zum anderen Ende beträgt etwa 16 Meter. Das höchste bestehende – und weitgehend leer stehende – Gebäude ist die Hackstraße 31 mit einer Höhe von 31,5 Metern. Die EnBW will auf dem Stöckach-Areal mindestens 60 000 Quadratmeter Wohnfläche mit bis zu 800 Wohnungen schaffen. Bis zu 40 Prozent davon könnten geförderter Wohnraum sein. Das Areal soll 2020 geräumt sein.

Die Akteure

An dem jetzt gestarteten Prozess zur Neuentwicklung des Stöckach-Areals sind unter dem Slogan „Ein gutes Stück Stuttgart“ eine ganze Reihe von Akteuren beteiligt. Eine der Hauptpersonen bei der EnBW ist Frank Hehberger, der Leiter Infrastruktur und Digitalisierung. Er kann sich das Areal als grüne Oase mit innovativen Wohn- und Mobilitätskonzepten mitten in der Großstadt vorstellen. „Wir wollen etwas schaffen, das den Bewohnern etwas bringt.“ Der schon erwähnte Immobilien-Chef Thomas Erk sagt, dass man bei dem Wettbewerb „die Besten aus der ganzen Welt“ brauche. Und dass die EnBW einen kleinen Teil der neuen Wohnungen selbst benötige: „Jeder schlaue Kopf, der zu uns nach Stuttgart kommt und für uns arbeiten will, bringt ein Problem mit: Er braucht eine Wohnung.“ Für die Organisation der Bürgerbeteiligung hat der Energieversorger das Büro „Burgdorff Stadt – Agentur für kooperative Stadtentwicklung“ mit Frauke Burgdorff an der Spitze beauftragt. „Ihre Herzensthemen sind gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung, Quartiersentwicklung und Bodenpolitik“, ist auf der Webseite der Agentur zu lesen. Unterstützt wird sie dabei von der Agentur Milla und Partner. Von Milla stammen die Gestaltung und der Slogan: „Wir kümmern uns darum, dass komplexe Dinge verstanden werden“. Johannes Milla sagt: „Wir sind leidenschaftliche Stuttgarter. Wir haben auch ein gesellschaftliches Anliegen.“ Für die Organisation des städtebaulichen Wettbewerbs ist das Berliner Büro C4C – Competence for Competition mit Uwe Dahms, einer von dessen Gründer, zuständig.

Der Zeitplan

Die EnBW will die Grundlagen des städtebaulichen Wettbewerbs bis Ende Juni zusammen mit Bürgern, Experten von außerhalb, Kommunalpolitikern und der Stadtverwaltung erarbeiten. Die internationale Ausschreibung soll Ende Juni erfolgen. Das Preisgericht wird am 16. September zum ersten Mal tagen und die zwölf besten Arbeiten der ersten Wettbewerbsphase auswählen. In einer für 6. Dezember geplanten Sitzung soll dann die Entscheidung über den oder die Sieger des Wettbewerbs fallen. Der neue Bebauungsplan – mit den Ideen der Bürger und des Siegerentwurfs des Wettbewerbs – soll nach dem Zeitplan der EnBW bis 2022 vorliegen, ist aber abhängig von den Entscheidungen des Gemeinderats. Die EnBW möchte das Areal im Laufe des Jahres 2020 räumen. Vorher muss ein neuer Standort für die Stuttgart Netze gefunden werden, deren Sitz zurzeit noch auf dem Stöckach-Areal ist. Im Idealfall wäre bis zur Internationalen Bau-Ausstellung (Iba) im Jahr 2027 auf dem Areal schon etwas zu sehen.

Die Termine

Der IdeenRaum ist in dieser Woche am Gründonnerstag, 18. April, von 16.30 bis 19 Uhr geöffnet. Nach Ostern ist immer donnerstags und freitags von 16.30 bis 19 Uhr sowie samstags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Aktuelle Informationen sind im Internet unter www.enbw.com/stoeckach/ zu finden. Bis Ende Juni sind vier Bürger-Werkstätten geplant, am 11. und 18. Mai sowie am 1. und 26. Juni. In diesen Werkstätten können Bürger zusammen mit Experten und Moderatoren die Themen entwickeln, die für den städtebaulichen Wettbewerb wichtig sind. Die genauen Uhrzeiten werden rechtzeitig bekannt gegeben. Außerdem sind Themenabende geplant, die Termine stehen noch nicht fest.

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