So könnte das neue Stöckach-Areal einmal aussehen. Unten am Bildrand verläuft die Hackstraße, rechts der runde Heilandsplatz mit der Heilandskirche. Foto: EnBW/tong+

Der städtebauliche Wettbewerb für das Stuttgarter Stöckach-Areal ist entschieden, ein junges Team mit Sitz in Frankfurt, Hanoi und Remseck hat den besten Entwurf geliefert. Baubeginn könnte 2022 sein. Die EnBW investiert weit mehr als 100 Millionen Euro.

S-Ost - Wohnen und arbeiten, sozial gut durchmischt, verkehrsberuhigt, viel Grün, gute Vernetzung zum Beispiel an den Park der Villa Berg, möglichst geringer CO2-Ausstoß beim Bau und auch nach der Fertigstellung – so könnte das neue Stöckach-Areal beschrieben werden, das sich das Büro tong+ mit Sitz in Frankfurt am Main und Hanoi ausgedacht hat. Dem Preisgericht des städtebaulichen Wettbewerbs gefiel dieser Entwurf des jungen Architekten Tuang Tong und des Landschaftsarchitekten Hannes Hörr aus Remseck am besten unter allen 83 eingereichten Arbeiten. Der jetzt vorgestellte Siegerentwurf sieht in seiner aktuellen Version 674 Wohnungen auf dem Areal, das der Energie Baden-Württemberg (EnBW) gehört, vor, außerdem Arbeitsmöglichkeiten zu ganz unterschiedlichen Themen und Branchen in sogenannten Hubs.

Im Jahr 2020 wird das Areal geräumt

Das EnBW-Gelände zwischen Hack-, Metz- und Stöckachstraße im Stuttgarter Osten war 70 Jahre das regionale Verwaltungszentrum der Energieversorgungsunternehmen in Stuttgart, von den Technischen Werken Stuttgart (TWS) über Neckarwerke und EnBW bis hin zur Stuttgart Netze. Im kommenden Jahr endet diese Ära, dann wird der letzte dort tätige EnBW-Mitarbeiter das Gelände verlassen. Die Stuttgart Netze wird dann in ein Interimsquartier möglicherweise am Gaskessel umziehen.

Aus dem Stöckach-Areal will die EnBW „ein Musterquartier mit den Schwerpunkten Wohnen und Nachhaltigkeit“ machen, sagte der EnBW-Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux bei der Vorstellung des Siegerentwurfs am Donnerstag. Das neue Quartier solle sich „auf Augenhöhe mit den architektonischen Highlights der Stadt“ bewegen. Die EnBW wolle so etwas „für das gute Zusammenleben der Menschen“ tun – wie sie es auch schon bei zehn anderen Projekten mit mehr als 1900 Wohneinheiten in ganz Baden-Württemberg mache.

40 Prozent sozial geförderte Wohnungen

Oberbürgermeister Fritz Kuhn hob bei der Pressekonferenz hervor, dass von den jetzt geplanten 674 Wohnungen – es können bei der Weiterentwicklung des Entwurfs auch noch mehr werden – 40 Prozent sozial gefördert seien. Das sei das Ergebnis intensiver Gespräche zwischen der Stadt und der EnBW. Und das sei der Beweis dafür, dass Stadt und Energiekonzern hervorragend zusammenarbeiteten, auch wenn man manchmal den Eindruck bekomme, dass es vor allem Differenzen gebe. Kuhn sagte, das Stöckach-Areal könne „ein Brückenprojekt für noch größere gemeinsame Projekte“ sein. Näher erläutern wollte er das nicht, könnte dabei aber die künftige Entwicklung der riesigen EnBW-Areale am Neckar im Blick gehabt haben.

Auch bei einer anderen wichtigen Frage zum Stöckach-Areal herrscht Einigkeit: „Wir werden für mindestens 20 Jahre die Mehrheit an diesem Gelände haben, entweder selbst oder ein anderer öffentlicher Träger“, sagte der EnBW-Generalbevollmächtigte Frank Heberger bei der Pressekonferenz. Auch das sei das Ergebnis sehr „vertrauensvoller Gespräche“, sagte Kuhn.

Jetzt beginnt die Arbeit am Bebauungsplan

Während das Büro tong+ seinen Entwurf in den kommenden Monaten weiter verfeinern muss – das Preisgericht regte unter anderem an, über den Standort des geplanten Hochhauses noch einmal nachzudenken – beginnt in der Stadtverwaltung die Arbeit an dem neuen Bebauungsplan für das Gelände. Bis dieser steht, werden rund zwei Jahre vergehen. Baubeginn für das neue Stöckach-Areal, auf dem etliche bestehende Gebäude – darunter auch die Sporthalle – erhalten werden, könnte dann im Jahr 2022 sein. In die Umgestaltung des Areals in ein neues Vorzeige-Wohnquartier wird die EnBW einen dreistelligen Millionenbetrag investieren.

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