EnBW-Affäre Neue Vorwürfe gegen Gutachter der Staatsanwaltschaft

Von StN 

Die Anwälte des Ex-Deutschlandchefs von Morgan Stanley, Dirk Notheis, machen weiter Front gegen den Gutachter in der EnBW-Affäre. Foto: dpa
Die Anwälte des Ex-Deutschlandchefs von Morgan Stanley, Dirk Notheis, machen weiter Front gegen den Gutachter in der EnBW-Affäre. Foto: dpa

Die Anwälte von Dirk Notheis werfen dem Finanzwissenschaftler Wolfgang Ballwieser ein Täuschungsmanöver vor, mit dem er einen Rechenfehler kaschieren wolle.

Die Anwälte von Dirk Notheis werfen dem Finanzwissenschaftler Wolfgang Ballwieser ein Täuschungsmanöver vor, mit dem er einen Rechenfehler kaschieren wolle.

Stuttgart - Im Zusammenhang mit der Aufklärung des milliardenschweren EnBW-Deals des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) vom Dezember 2010 gibt es neue Ungereimtheiten.

Die Anwälte von Dirk Notheis, der damals als Chef der Investmentbank Morgan Stanley für Mappus das Aktiengeschäft mit dem französischen Energiekonzern EdF organisiert hatte, werfen dem Münchner Finanzwissenschaftler Wolfgang Ballwieser ein Täuschungsmanöver vor, um einen Rechenfehler in seinem Gutachten über die EnBW zu kaschieren. Das geht aus einem Schreiben des Notheis-Anwalts Wolf Schiller (Frankfurt) an die Staatsanwaltschaft Stuttgart hervor. Sie ermittelt gegen Mappus und andere Beteiligte des EnBW-Deals wegen des Verdachts der Untreue.

Ballwieser hatte im Dezember 2013 im Auftrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart sein Gutachten zum EnBW-Deal vorgelegt und war darin zu dem Ergebnis gekommen, dass Mappus bei dem Rückkauf der EnBW-Anteile von der EdF einst 780 Millionen Euro zu viel bezahlt habe. Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Henner Schierenbeck hatte wenig später im Auftrag von Notheis ein Gegengutachten vorgelegt, analysierte den damaligen Kaufpreis von 41,50 Euro pro Aktie als "angemessen" und warf Ballwieser zugleich vor, der habe in seiner Analyse den EnBW-Wert mit 2,514 Milliarden Euro und damit um eine Milliarde Euro zu niedrig angesetzt, weil er Födergelder nicht korrekt berücksichtigt habe. Aus Sicht der Notheis-Anwälte hat Ballwieser nunmehr einen weiteren Fehler begangen. Er soll zwischen seinem Gutachten für die Staatsanwaltschaft im Dezember und einer Stellungnahme für die Staatsanwaltschaft von Anfang Januar die Rechenmethode geändert haben, um den ihm angelasteten Fehler nicht einräumen zu müssen.

Notheis-Anwalt Schiller sagte auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten, man habe vergangene Woche gegenüber der Staatsanwaltschaft "diesen Formel- und Methodenwechsel moniert" und erwarte Aufklärung. Weitere Details nannte Schiller nicht. Ballwieser wies gegenüber den Stuttgarter Nachrichten den Verdacht der Manipulation zurück: "Ich habe keinen Methoden- oder Formelwechsel begangen, sondern bleibe bei meinen Werten." Er sei überzeugt, "vor dem Untersuchungsausschuss alle Vorwürfe widerlegen zu können".

Ballwieser und Schierenbeck müssen am 31. Januar vor dem EnBW-Untersuchungsausschuss des Landtags aussagen und ihre Gutachten zum Kaufpreis erläutern. Der eskalierende Gutachter-Streit kommt zu einem brisantem Zeitpunkt. An diesem Montag beginnt vor dem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer in Zürich der Prozess zwischen Baden-Württemberg und der EdF. Grün-Rot hat den französischen Energiekonzern auf Rückzahlung von 840 Millionen Euro verklagt, weil Mappus damals einen überteuerten Kaufpreis bezahlt habe.

 

 

 

Lesen Sie jetzt