Kleine Grundschulen sind teuer, aber ihre Schließungen wären unpopulär. Foto: dpa

Angesichts des Lehrermangels darf sich die Politik nicht vor unangenehmen Entscheidungen drücken, kommentiert Politikredakteurin Renate Allgöwer

Stuttgart - Wo sind sie eigentlich, die rund 94 000 Lehrerstellen in Baden-Württemberg? Das wusste jahrelang niemand so genau zu sagen. Auch die Kultusminister nicht. Der Rechnungshof sollte Klarheit schaffen und ließ anderthalb Jahre auf sich warten. Ziel der Prüfung war es, die Ressource Lehrer, die knapp ist, möglichst zielgerichtet im Unterricht einzusetzen. Jetzt ist das 100 Seiten starke Gutachten fertig und zumindest in seinen Grundzügen bekannt. Was jetzt auf dem Markt ist und mit großer Spannung erwartet wurde, ist jedoch wenig überraschend und teilweise sogar mehr als zehn Jahre alt.

Kultusministerin kann sich bestätigt sehen

In weiten Teilen kann sich Kultusministerin Susanne Eisenmann bestätigt sehen. Vieles, was der Rechnungshof jetzt rät, hat sie in Angriff genommen. Es ist ja auch naheliegend. Zum Beispiel angesichts des Lehrermangels Pädagogen aus den Verwaltungen abzuziehen und im Klassenzimmer einzusetzen oder Schulversuche nur zu machen, wenn es dazu ein Controlling gibt. Dennoch birgt das Gutachten Zündstoff. Bisher haben sich die Abgeordneten vor der unpopulären Entscheidung gescheut, kleine Grundschulen zu schließen. Auch das heiße Eisen Lehrerarbeitszeit mochte niemand anfassen. Wenn die Unterrichtsversorgung aber entscheidend besser werden soll, darf sich die Politik vor diesen Herausforderungen nicht länger wegducken.

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