Möchte wieder gewählt werden: der CDU-Mann Stefan Schlatterer ist OB in Emmendingen. Foto: dpa/Patrick Seeger

Eigentlich finden gerade nur langweilige Wahlen statt. Emmendingen ist eine Ausnahme. Dort stellt sich der Amtsinhaber Stefan Schlatterer zur Wiederwahl – trotz Corona-Einschränkungen.

Emmendingen - Auf dem Mäuerchen am Emmendinger Schlossplatz hocken einige Passanten. Andere sitzen verstreut auf Gartenstühlen und lauschen. Am Rand steht Susanne Wienecke (57), ein Mikrofon in der Hand. Eigentlich würde die Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl am kommenden Sonntag, 24. Mai, gerne auf Tuchfühlung mit den Wählern gehen. Stattdessen hält sie Abstand und ist froh, an diesem sonnigen Sonntag immerhin 70 Zuhörer zu erreichen. Es ist ein Wahlkampf in Zeiten von Corona.

In vielen Städten und Gemeinden wurden die geplanten Bürgermeisterwahlen abgesagt. Andere – meist mit nur einem Kandidaten – ziehen sie unter strengen Hygieneauflagen durch. Emmendingen ist ein Sonderfall. In der fast 30 000 Einwohner großen Kreisstadt bei Freiburg gilt beides. Erst wurde die Wahl abgesagt, jetzt findet sie mit nur einmonatiger Verspätung doch statt.

Die Kandidatin der Grünen sieht sich im Nachteil

So ganz nachvollziehen kann das die Kandidatin nicht. „Eigentlich ist die Situation nicht anders als vor vier Wochen“, sagt Wienecke. Als Herausforderin sieht sich die Chefin der Gemeinderats-Grünen klar im Nachteil. Plakate hat sie geklebt, Flyer verteilt und natürlich viel im Internet gemacht. Aber mit einem normalen Wahlkampf habe das nichts zu tun. „Die breite Masse kann ich gar nicht ansprechen.“ Und was noch schwerer wiege: „Die Bürgerschaft kann untereinander nicht diskutieren.“ Kann sich so überhaupt eine Wechselstimmung ausbilden?

Dem Amtsinhaber Stefan Schlatterer scheint es recht zu sein, dass die Wahl nicht auf die lange Bank geschoben wird. „Wer weiß, ob die Lage im Herbst besser ist“, sagt der 52-jährige CDU-Mann. Stolz verweist er auf zahlreiche Klimaschutzpreise, die seine Stadt gewonnen hat. Dennoch bekommt er es bereits zum zweiten Mal mit Wienecke zu tun. Vor acht Jahren siegte er mit 64,5 zu 35,3 Prozent. Diesmal könnte es knapper werden, glauben viele. Die Grünen sind gestärkt. Seit dem vergangenen Jahr stellen sie die stärkste Fraktion, zuvor hatten sie dem OB eine schwere Niederlage zugefügt, als sie mit Erfolg einen Bürgerentscheid gegen die Ausweisung eines Neubaugebiets auf der grünen Wiese unterstützten.

Auf die Beschränkungen könnten sich die Kandidaten einstellen, heißt es.

Bei den übrigen Fraktionen sind sie seither nicht unbedingt beliebter geworden. Wienecke sei in der Stadt bekannt genug, eine Verschiebung deshalb nicht nötig, sagt der SPD-Chef Hanspeter Hauke. Auch Schlatterer sieht seine Konkurrentin nicht im Nachteil. Auf die aktuellen Beschränkungen könne man sich als Kandidat einstellen. Vieles finde im Internet statt. „Der Wahlkampf ist eben anders.“

Allerdings ist er auch kurz. Nachdrücklich hat die Stadt die Briefwahl propagiert – mit Erfolg. Schon jetzt liegen 35 Prozent aller Stimmzettel wieder im Rathaus. Das einzige Kandidatenduell, das die örtliche „Badische Zeitung“ am Montag per Youtube-Stream sendete, dürfte für die meisten deshalb zu spät gekommen sein.

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