Bisher war kaum bekannt, dass bei der Abwasserbehandlung relevante Mengen des sehr schädlichen Treibhausgases Methan entstehen. Das Umweltministerium in Stuttgart lässt derzeit untersuchen, wie man diese Gase besser abfangen könnte.
Methan ist farb- und geruchlos – aber wenn man dieses Gas, das zwei Dutzend Mal schädlicher ist als Kohlendioxid, sehen oder riechen könnte, würde man in Kläranlagen die Fahnen wahrnehmen, die aus den Vorklär- und Belebungsbecken, der Zentrifuge oder aus den Schlammstapeln gen Himmel aufsteigen. Lange hat sich darum niemand gekümmert, doch jetzt gibt es in Baden-Württemberg erste Ansätze, die Mengen an Methan und auch an Lachgas zu bestimmen und Lösungen zu finden.
Es ist ein ganz natürlicher Prozess, dass bei der Zersetzung der Fäkalien in den Kläranlagen Methan entsteht. Im Südwesten verfügen nun schon 318 der knapp 900 Kläranlagen über einen Faulraumbehälter, um das Methan abzuschöpfen und es zur Produktion von Wärme oder Strom zu nutzen. Doch darüber hinaus entweicht eben viel Gas ungehindert in die Atmosphäre. Wie viel, weiß man noch nicht genau. Eine Studie der ETH Zürich an einer niederländischen Kläranlage, die das Abwasser von 360 000 Einwohnern verarbeitet, kam zu dem Ergebnis, dass 105 Tonnen Methan pro Jahr entsteht; um gleich viel Treibhausgas durchs Fliegen zu erzeugen, müsste ein Ehepaar täglich nach New York und zurück jetten. Eine österreichische Untersuchung kam zum Ergebnis, dass 0,5 Prozent der gesamten Emissionen in Österreich aus dem Abwasser stammten.
Im Südwesten werden derzeit an 15 Kläranlagen Daten erhoben
Der grüne Landtagsabgeordnete Bernd Mettenleiter, der sich des Themas in seiner Fraktion angenommen hat, schätzt den Anteil sogar auf ein Prozent: „Im Vergleich zum Flugverkehr mit zwei bis drei Prozent ist das also eine relevante Größe.“ Mit Geld, das die grüne Fraktion zur Verfügung gestellt hat, läuft derzeit ein Forschungsprojekt an 15 Kläranlagen in Baden-Württemberg. Verschiedene Anlagentechniken und -betriebsweisen wurden bei der Auswahl berücksichtigt, um möglichst vielfältige und valide Daten zu erhalten. In einem weiteren Schritt soll nun in vier bis sechs Kläranlagen über vier Wochen hinweg kontinuierlich gemessen werden. Aus den Daten sollen dann Hinweise erarbeitet werden, wie man die Emissionen reduzieren könnte, betont Claudia Hailfinger, die Sprecherin des Umweltministeriums.
In der österreichischen Studie sind dafür schon ein paar Tipps genannt worden. Da mehr als 80 Prozent des Methans aus den Schlammstapeln und dem Belebungsbecken entweichen, sollte man dort ansetzen. Die Schlämme sollten zum Beispiel möglichst nur kurz auf offenen Halden zwischengelagert werden. Aus den Klärbecken müsse der Primärschlamm regelmäßig abgezogen werden, um ein Anfaulen zu verhindern. Und wenn eine Kläranlage umgebaut wird, sollte darauf geachtet werden, dass Schlammbehälter abgedeckt und die entstehenden Gase abgesaugt werden können.
Allgemein sind die Kläranlagen schon länger auf dem Weg zu einer besseren Klimabilanz. Die Abwasserbetriebe sind häufig die größten Stromabnehmer in einer Kommune – deshalb haben alle Kläranlagen ein Interesse daran, die Energieeffizienz zu steigern, Fotovoltaikanlagen zu installieren oder das Methan eben zur Strom- und Wärmegewinnung zu nutzen. Schon heute, sagt Claudia Hailfinger, könnten die Kläranlagen in Baden-Württemberg deshalb im Schnitt 40 Prozent der benötigten Energie selbst erzeugen. „Die Tendenz ist weiter steigend“, so die Sprecherin des Umweltministeriums.