EM-Talkrunde mit Lob für Neuer und Musiala, Anfeuerungstipps für deutsche Fans und dem Wunsch nach mehr Effizienz in der DFB-Elf.
Menschenmassen wohin man schaut im Euro-Land Deutschland. Fröhliche Ausraster überall und eine von berockten schottischen Menschen oder roten (türkischen) Horden durchwanderte Wirklichkeit. Manche fühlen sich wie in einer Zeitreise ins Jahr 2006 und ein neues Sommermärchen scheint seinen Lauf zu nehmen. Oder etwa doch nicht? Oder nur anders? Unsere EM-Talk-runde tastet sich an das Thema heran.
Thomas Franke fühlt sich daran erinnert, aber „mit dem Unterschied, dass der Fokus damals noch mehr auf Fußball lag“, sagt der Leiter der Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung in Ludwigsburg. Damals gab es keine Smartphones und damit auch kein Social Media. In Sachen Begeisterungsfähigkeit in den Stadien könnten die deutschen Fans noch von Schotten, Türken oder den Ultras, die den Vereinsfußball prägen, lernen.
Bei der WM 2006 gab es noch keine Smartphones
Die junge Generation kennt die Sommermärchengeschichten nur aus Erzählungen. Umso schöner für Susanne Düding, dass sie jetzt auch mittendrin ist bei der Neuauflage. „Ich bin froh, dass wir die jungen Menschen jetzt abholen können und für sie ist es schon beeindruckend, was bei uns läuft“, sagt die Vorsitzende Fußball des SGV Pleidelsheim. Mitgefühlt hat sie mit den Georgiern, die gegen die Türkei beim 1:3 zu einem mitreißenden Spiel beigetragen haben. Am Spiel gegen Ungarn fand sie toll, „dass wir uns nicht mit einem dünnen 1:0 begnügt, sondern nachgelegt haben“, sagt sie und lobt die Mischung im Team aus erfahrenen und hungrigen Spielern. Gegen die Schweiz tippt sie ein 2:1.
Markus Koch, der Trainer des SV Kornwestheim bedauert schon sehr, dass er kein Ticket bekommen hat für ein Spiel der DFB-Elf. „Das war schon eine tolle Dramaturgie gegen die Ungarn, einen schwierigen Gegner, und endlich mal ein Zu-Null-Spiel.“ Das bringe Gelassenheit und Ruhe und sei auch ein Verdienst von Manuel Neuer gewesen, den er nie in Frage gestellt hatte. Lob gibt es aber auch für den Schweizer Keeper Jan Sommer, der in Basel eine Legende sei. „Gegen die Schweiz und in den K.o-Spielen müssen wir vor dem Tor noch effizienter werden“, sagt Koch – und traut den Eidgenossen ein 1:1 zu.
Gute Quote für Schiris bei 200 Entscheidungen pro Spiel
Ungarns Coach Rossi hatte sich nach dem 1:0 der deutschen Mannschaft durch Jamal Musiala über Schiedsrichter Danny Makkelie aufgeregt. „Als Deutschland-Fan habe ich dafür null Verständnis“, sagt VAR-Schiedsrichter Pascal Müller. „Als Schiedsrichter kann ich mich in ihn reinversetzen, aber für mich ist diese Szene, objektiv betrachtet, einfach kein Foulspiel.“ Mit seiner Aussage spielt er auf die Szene vor dem 1:0 an, das Ilkay Gündogan mit viel Körpereinsatz vorbereitet hat. Sein Zwischenfazit für die Kollegen fällt positiv aus. „Wenn Fehler passieren, geht es um vermeintliche Kleinigkeiten wie Abstoß oder Eckstoß. Aber bei 200 Entscheidungen pro Spiel ist es normal, dass man keine Perfektion erreicht“, sagt Müller. Die Big Points aber würden passen. Begeistert ist er von Musiala, der sich wie eine Nähnadel durch jedes gegnerische Abwehrgewebe fädelt. Aber auch Ilkay Gündogan und die Verteidigung mache einen guten Job. „Und nicht zu vergessen, der vor der EM in die Kritik geratene Neuer.“