Alfred Gislason holt den zweiten Sieg im zweiten EM-Qualifikationsspiel (Archivbild). Foto: dpa/Bernd Thissen

Klarer Pflichtsieg nach Leistungssteigerung: Die deutschen Handballer haben nach dem mühevollen Auftakt in der EM-Qualifikation eine Reaktion gezeigt und den zweiten Sieg im zweiten Spiel gefeiert.

Tallinn - Unbeeindruckt von den schwierigen Corona-Umständen haben Deutschlands Handballer ihre wohl ungewöhnlichste Dienstreise erfolgreich bewältigt. Mit dem klaren 35:23 (13:12) im ersten Länderspiel der Geschichte gegen Estland feierte die DHB-Auswahl am Sonntag in Tallinn ihren zweiten Sieg in der EM-Qualifikation und nimmt mit 4:0 Punkten als Tabellenführer der Gruppe 2 frühzeitig Kurs auf die Endrunde 2022. Bester Werfer für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason war Julius Kühn mit neun Toren. Marcel Schiller (4/2) und Sebastian Heymann (3) von Frisch auf Göppingen trugen sich ebenfalls in die Torschützenliste ein. Johannes Bitter vom TVB Stuttgart stand 50 Minuten lang im Tor und zeigte eine gute Leistung.

Die deutschen Spieler hatten sich am Samstag nach der Ankunft in der estnischen Hauptstadt einem Corona-Test unterziehen und danach auf ihren Hotelzimmern in Isolation begeben müssen. Erst wenige Stunden vor dem Anpfiff durfte das Team beim Mittagessen wieder zusammenkommen, nachdem alle Testergebnisse negativ ausgefallen waren.

Trotz der widrigen Begleiterscheinungen startete der WM-Vierte wesentlich konzentrierter als beim mühevollen 25:21-Auftaktsieg gegen Bosnien-Herzegowina am vergangenen Donnerstag in Düsseldorf. Nach 18 Minuten lag die deutsche Mannschaft beim 9:5 erstmals mit vier Toren in Führung, weil vor allem Melsungens Rückraumschütze Kühn einen guten Tag erwischte und allein vor der Pause sechsmal traf.

Die Kritik verfehlte nicht ihre Wirkung

Doch nach 20 Minuten verlor die DHB-Auswahl beim Stand von 11:7 plötzlich ihre Souveränität. Die Esten, die wegen Verletzungen und Corona-Fällen auf acht Spieler verzichten mussten, witterten ihre Chance und kamen mit einem 3:0-Lauf wieder heran. „Wir machen zu viele Fehler und bekommen zu billige Tore“, monierte Gislason in einer Auszeit kurz vor der Pause.

Die Kritik verfehlte nicht ihre Wirkung, denn nach dem Wechsel war die deutsche Mannschaft wieder hellwach. Beim 20:13 (40.) war die Partie praktisch entschieden, zumal sich der EM-Fünfte keine weitere Schwächephase leistete. Großen Anteil daran hatte der erneut überzeugende Finn Lemke, den Gislason nach einer längeren Auszeit zurückgeholt hatte. Der Europameister von 2016 verlieh der Abwehr die nötige Stabilität und war einer der Gewinner der EM-Woche.

Der Bundestrainer nutzte den komfortablen Vorsprung und wechselte Mitte der zweiten Halbzeit munter durch. Dennoch gab es keinen Bruch im Spiel der DHB-Auswahl, die den Vorsprung kontinuierlich auf phasenweise 14 Treffer ausbaute. Die nächsten Länderspiele stehen für das deutsche Team erst wieder Anfang Januar an. Dann kommt es unmittelbar vor der WM in Ägypten zu den beiden EM-Qualifikationsduellen mit Österreich.

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